Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 38 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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L8 Jllustr. Mvnatsh. für die ges. Wege, die nicht sehr leicht zu überwinden wären, geschweige bei seinen socialen und historischen Stücken. Es ist dies freilich ein äußerliches Moment, aber man darf es nicht unterschätzen, denn es ist doch immerhin eine Sache, für welche manchem Dichter selbst bei größerer Begabung sein ganzes Leben hindurch das Auge verschlossen bleibt. Wir dürfen über den Dramatiker den Lyriker nicht ganz vergessen. Wenn auch das Drama dasjenige Feld ist, auf welchem Mosenthal seine Siege gefeiert hat, so hat er doch auch manches hübsche lyrische Veilchen gepflanzt, das im Verborgenen blüht, wie z. B. das Gedichtchen: „Die Null", das wir oben mittheilten. Die Gedichte Mosenthal's mit einem Anhang: „Timon, der Menschenfeind" sind bereits im Jahre 1840 erschienen, und man kann von ihnen sagen, daß sic größtentheils der Ausdruck einer bescheidenen und liebenswürdigen Persönlichkeit sind. Endlich ist noch des „Oesterreichischen Museum" zu gedenken, welches von unserm Dichter bereits 1854 herausgegeben wurde. Die Tendenz dieses Museums ging dahin, eine Uebertragung der bedeutendsten alt- und mittelhochdeutschen österreichischen Poeten zu veranstalten, und man muß, wenn man die Sammlung durchsieht, gestehen, daß der Versuch recht glücklich ausgefallen ist. Mosenthal's weitere Lebcnsverhältnisse sind bald erzählt: Er trat im Jahre 1850 in den Staatsdienst als Official im k. k. Ministerium des Cultus und Unterrichts; gegenwärtig ist er, wie wir bereits wissen, der Bibliothek vorgesetzt. Im Jahre 1851 vermählte er sich mit der Tochter des oben schon genannten Regierungsraths Weil. Das Glück an der Seite seiner liebenswürdigen Gattin genoß er leider nur kurze Zeit; im Mai 1862 ward sie ihm durch den Tod entrissen. „Ich bin jetzt wieder einsam und allein", sagte mir der Dichter schmerzlich bewegt, als er mir die biographischen Daten") zu dieser Skizze mittheilte Emen Theil des biographischen Mate- Interessen des Judenthums. und an den Zeitpunkt kam, den wir eben jetzt erwähnt haben. Die „deutschen Komödianten" hat sie noch erlebt, und wir setzen die „Widmung", die der Dichter dem Stück vorausstellt, hierher: „An meine Lina. Du, deren ganzes, kurzes, reiches Leben Sich treu und liebend um das nieine rankte, Um es mit tausend Blüten zu umweben; Du, der ich alle meine Lieder dankte. Nimm dies auch hin! Es war.sein stilles Werden Dein letzter Wunsch, Dein letztes Glück aus Erden! So lieg' es wie ein Kranz aus grünen Zweigen Auf deinem frühen Grab. Der Rest ist Schweigen." Bei einer so einnehmenden Persönlichkeit wie die Mosenthal's, konnte es nebeir den äußern Erfolgen mich au Anerkennung und Auszeichnungen anderer Art nicht fehlen. So ernannte ihn die philosophische Facultät der hessischen Universität zu Marbung zum Doctor der Philosophie. Er ist im Besitz der k. k. goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft, sowie der königl. hannoverschen am Band des Guelphenordens. In neuester Zeit gesellten sich zu diesen noch andere wichtige Auszeichnungen hinzu. Vor allem muß erwähnt werden, daß Mosenthal seit 1864 Meister des Freien Hochstifts zu Frankfurt ist; ferner erhielt er den sachsen-weimarschen Falkenorden und den Ernestinischen Hausorden. Wenn man derlei Auszeichnungen bei irgendeinem Manne neidlos betrachten kann, so ist es gewiß bei Mosenthal der Fall. Mosenthal gehört zu jenen glücklich gearteten Nature», die jedermann iin Verkehr für sich einnehmen, und die im Leben keine Feinde haben. Dieselbe Liebenswürdigkeit ist es, die lins in seiner Person wie in seinen poetischen Erzeugnissen wohlthuend anspricht. rials entlehnte ich der Skizze meines verehrten Freundes Fritsch, welche in dem Album österreichischer Dichter enthalten ist.