Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 37 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417814--554-2418394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

S. H. Mosenthal. 37 Idee und Form gar nichts auf sich, wir werden dem "Dichter das Recht ans seinen Stoff nicht bestreiten, aber die Gefährlichkeit der Behandlung eines solchen Stoffs kann inan nicht verkennen; denn es kommt immer daraus ait, wer der Vorgänger ist. Um so mehr muß man Mosenthal das Geständniß machen, daß er seine höchst schwierige Aufgabe mit großem Geschick gelöst habe. Denn bei vollständiger Gleichheit des Motivs und bei ganz ähnlicher Lösung ist doch die Verwickelung und demzufolge auch die Motiviruug eiue ganz selbständige, und man muß sagen, daß die Charaktere mit großer Lebendigkeit gezeichnet sind. Wenn wir trotz desfgroßen Fortschritts, den Mvsenthal mit der „Pietra" gemacht, und ungeachtet der großen Vorzüge, die wir darin keineswegs verkennen, bei einem Ueberblick über des Dichters gesainmte literarische Thätigkeit dennoch auf Hebbel's Urtheil zurückkommen und auch heute noch den „Sonnwendhof" für Mosenthal's beste Leistung halten, so geschieht dies aus zwei Gründen: erstens ist der „Sonnwendhof" schon an sich die gerundetste Leistung, diejenige, an der man am wenigsten aussetzen kann; zweitens halten wir das Volksleben für die Sphäre, in welcher sich unser Dichter am glücklichsten, am freiesten und natürlichsten bewegt. Mosenthal hat sich in verschiedenen Richtungen verflicht, er hat das Gebiet des historischen Dramas, des socialen Dramas und des dramatischen Seelengemäldes (Künstlerdramass betreten. So achtungswerth seine sümmtlichen Leistungen auch sein mögen, die Volksschallspiele sind es zumeist. Schon der äußere Erfolg hat diese bisjetzt in einer ganz andern Weise allsgezeichnet als die andern, „Deborah", „Sonnwendhof" und „deutsche Komödianteil", baben Erfolge errungen, deren sich „Eäeilia vvn Albano", „Düweke" nicht rühmen können. Der Erfolg der „Pietra" ist »och abzuwarten, obwol er an mancben Bühnen Deutschlands bereits errungen ist; aber wenn auch der äußere Erfolg kein Gradmesser für den tnnstlerischen Werth eines Werks ist, so trifft hier bei Mosenthal die Stimme des Publikums und die des Kunstrichters zusammen. Das Volksleben in seiner idyllischen, ebenso wie in seiner socialen Beziehung ist die Sphäre Mo senthal'S. Gewisse Typen freilich sind ihm schon so fertig, daß sie fast immer wiederkehren; so entspricht der Hanna in der „Deborah" die Franzl im „Sonnwendhof" und die Meta in den „deutschen Komödianten"; wie Hanna der Deborah gegenüber steht, so bildet Franzl gegen Anna und Meta gegen Konradine den Contrast. Würde man nach Mosenthal's bedeutendstem Stück fragen, so wird unzweifelhaft „Pietra" zu nenuen sein; insofern aber, als die Richtung des Volksschauspiels diejenige ist, in der er sein eigentliches Talent am meisten aus prägt, so wird, wenn mall alle seine Produktionen übersieht, nur unter den Volksstücken seine beste Leistung herauszusuchen sein, und dann kann die Wahl, wenn inan weiter nicht ans einen oder den andern Aet, sondern aus das Ganze sein Augenmerk richtet, nicht mehr schwer fallen. Wenn auch der erste Aet der „deutschen Komödianten" ein offen barer Fortschritt ist über den „Sonnwendhof" hinaus, im ganzen bleibt dieses Stück die einheitlichste und angenehmste Production des Dichters. Wir wollen der Vollständigkeit wegen nicht unerwähnt lassen, daß er außer seinen Dramen auch mehrere Spernterte verfaßt hat, so z. B. den Tert zu der Eper: „Die lustigen Wer ber von Windsor" für Nicolai; „Albin" für Flotow; „Abenteuer Karl's 1l."; „Lustiger Rath", lind „Lips Tallinn" für Hoven, in allerneuester Feit zwei Tpernterte für Herbeck lind Käßmaier. Fu dieser Beschäftigung ist Mosentbat vorzüglich darum befähigt, weil er mit seiner poetischen Begabung eine große Bühnengewandtheir und Kenntniß der theatralischen Effecte ver bindet. Davon geben alle seine Werke sprechende Beweise. Mosenthal wird nie etwas produeiren, was man als unausführbar bezeichnen müßte; und selbst wenn er sich in das wunderbare Land der Romantik versteigt wie im „Goldschmied von Ulm", stehen der Ausführung keine Schwierigkeiten im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.