Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 36 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Jllustr. MonatSH. sür die gep ersten zwei Acten ein sogenanntes dramatisches Leben vor uns zn entfalten, welchem wir unser sogenanntes Interesse zuzuwenden uns gezwungen fühlen; aber mit dem dritten Act tritt eine sogenannte Mattheit ein, eine Erlahmung, die den sogenannten Zuschauer nicht mehr innerlich in seinem Gemüth zu packen im Stande ist; denn ein solcher will es immer mit dem sogenannten Gefühl des Menschen zu thun haben, aber um die sogenannten literarischen Streitigkeiten — ob Hanswurst oder nicht — darumkümmert er sich nicht, sondern überläßt dies sehr gern einem sogenannten Professor. In der Thal ist in -den ersten zwei Acten „der deutsche» Komödianteil" ein großer Fortschritt des Dichters selbst über den „Sonnwendhof" hinaus wahrzunehmcn, und es ist schade, daß das ganze Pulver zu Anfang der Schlacht verschossen wird, wodurch dann nothwendig beim weitern Verlauf kein Sieg mehr zu erwarten steht. Mosenthal selbst aber sieht den Grundfehler dieses Stücks ebenso gut ein als sein strengster Kritiker. Als ich ihm meine Meinung über die Erposilion dieses Stücks, namentlich über den erstell Act, mittheilte, antwortete er mir: „Der erste Act der «deutschen Komödianten« ist das Beste, was ich geschrieben habe; der zweite Act geht auch noch mit, aber vom dritten Act an beginnt der Fehler. Dies wurde mir aber erst klar,— sagte er — nach dem ich das Stück auf der Bühne gesehen hatte. Da sah ich auch zugleich, wie ich es hätte machen müssen, um das psychologische Interesse bis zum Schluß wach zu erhalten. Ludovici hätte müssen von der Neuberin zu ihren Ansichten bekehrt werden, aber seine Freundschaft für Prehauser hätte dessenungeachtet siegen müssen. So wäre es keine literarische Streitigkeit, sondern ein innerer Conflict geworden, der sich auf eine ähnliche Weise gestaltet hätte wie sein Verhältniß zu Konradine und dem väterlichen Hause." — Wir müssen gestehen, daß uns diese Behandlung sehr viel für sich zu haben scheint; so viel ist klar, daß ein innerer, psychischer Conslict an die Stelle einer theoreti- Jnteressen des Judenihum?. scheu Streitigkeit getreten wäre, und anstatt einer dialogisirten Principienfrage hätten wir bis zum Schluß wirkliches Leben. Daß aber daraus ein neuer Uebelstand entsprungen wäre, nämlich das Nebeneinanderlaufen zweier Conflicte, die Liebe zu Konradine und die Freundschaft zu Prehauser, wollen wir lins ebenso wenig verhehlen. Doch wozu eine Sache kritisiren, die gar nicht vorliegt! Wir kommen zu der neuesten dramatischen Production unsers Dichters, deren Aufführung am Burgtheater und Erscheinung im Buchhandel zu gleicher Zeit bevorsteht: „Pietra", Tragödie in fünf Aufzügen. „Pietra" ist unstreitig ein großer Fortschritt in Mosenthal's Entwickelung. Freilich wird dieser Tragödie ein Umstand großen Eintrag thun, der Umstand nämlich, daß Shakspeare sein „Romeo und Julie" früher geschrieben. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß „Pietra" etwa eine Nachahmung der großen Shakspeare'schen Liebestragödie sei; keineswegs! aber das Grundmotiv ist dasselbe: Zwei feindliche Häuser, Campetri und Ezzelin, stehen einander gegenüber wie Montague und Capulet, und die Kinder der Todfeinde, Campetri's Tochter, Pietra, und Ezzelin's Sohn, Manfred, sind es, die sich lieben. Diese Aehnlichkeit des Motivs bedingt keineswegs noch eine bloße Copie, sondern die Behandlung kann eine ganz andere sein und ist es in diesem Fall auch; aber wenn sich Mvsenthal, wie er im Vorwort zu „Düweke" erzählt, über die unliebsame Concurrenz mit Marggraff, Riekhvsf, welche ebenfalls Düwekc bearbeitet haben, von Grube mit dem Erfolg bei dessen „Essex" trösten lassen mußte, so wird es befremden, daß er hier nicht vor der Concurrenz mit Shakspeare zurückgewichen, abgesehen davon, daß auch Jmmermann und Raupach ganz ähnliche Motive behandelt haben. Allerdings ist es nicht derselbe geschichtliche Stoff, aber genau dasselbe Motiv, die Liebe der Kinder von feindlichen Häusern. Nun hat dies gerade nach unfern (erst neulich hier entwickelten) Kunstanschauungeu über