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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 34

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 34 (sequence 39)
Language
German
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34 Jllustr. Monatsh. für die ges. freilich klebt noch ein Stückchen Joseph;! aber er ist im ganzen doch weit über! diesen hinaus. Im Jahre 1861 im Herbst lud mich Hebbel eines Tages ein, mit ihm einer Vorstellung des „Sonnwendhof/' im Burgtheater beizuwohnen. Frau Hebbel spielt nämlich in diesem die Monika, und diese Partie zählt zu ihren besten Leistungen. Ich nehme hier Veranlassung zu bemerken, daß auch Hebbel den „Sonnwendhof" als Mosenthal's bestes Stück bezeichnete, ein Urtheil, welches heute durch die neueste Arbeit des Dichters: „Pietra", wenigstens nochmals in Frage genommen werden muß. Wir werden bei der Betrachtung der „Pietra" diese Frage zu beantworten versuchen. Im Jahre 1856 kam an der dresdener Hofbühne: „Der Goldschmied von Ulm" zur ersten Aufführung. Dieses Stück ist ein Volksmärchen in drei Aufzügen und fordert durch die romantische Grundlage desselben die musikalische Bearbeitung heraus. Die Musik zu demselben ist von dem trefflichen Componisten Marschner geliefert. Anlage und Ausführung dieses Stücks erinnern sehr an die Form des Operntextes; doch erhebt sich der „Goldschmied von Ulm" weit über gewöhnliche Operntertbücher durch eine wahrhaft kernige, volksthümliche und poetische Sprache; namentlich sind die Volksscenen vortrefflich. Manche Reminiscenz an den Goethe'schen „Faust" sowie an den „Jahrmarkt zu Plundersweiler" muß man freilich mit in den Kauf nehmen, dessenungeachtet kann man diesem Stück seinen Werth nicht absprechen, und wenn es auf der Bühne weniger Erfolg errungen, als es verdient, so liegt der Grund hiervon nach unserer Ansicht in der Zwitterstellung, die es als besonderes Genre zwischen dem eigentlichen Drama und der eigentlichen Oper einnimmt. „Der Goldschmied von Ulm", durchcomponirt und geradezu als romantische Oper auf die Bühne gebracht, wäre seines Erfolgs sicher gewesen und hätte sich gewiß ziemlich lange auf dem Repertoire erhalten. Ein Jahr nach diesem dramatischen Märchen (1857) entstand die drama- Jnteressen des Judenthums. tische Phantasie irr drei Aufzügen: „Das gefangene Bild". Diese dramatische Phantasie ist ein sehr anmuthiges Stückchen und behandelt eine Sage, welche sich über die „Madonna" Hans Holbein's (dresdener Galerie) im Lauf der Zeit gebildet hat. Nach unserm Dafürhalten ist die Novelle eigentlich diejenige Kunstform, welche dem hier behandelten Stoff adäquater gewesen wäre, aber darüber läßt sich mit deni Verfasser nicht rechten. Mosenthal ist einmal von Haus aus Dramatiker, und jeder Stoff, wie wenig er sich auch für die dramatische Behandlung eignet, wird von dem Dramatiker doch nur von seinem Standpunkte aus angesehen. Es verhält sich auch ganz so im umgekehrten Fall. Ludwig August Frankl z. B. sieht jeden Stoff, mag er noch so viel dramatische Elemente in sich ausweisen lassen, vom Stand-, punkte des Epikers an, weil sein Talent von Haus aus für die erzählende Dichtungsform angelegt ist. Man wird nicht leugnen, daß „Der Primator" von Frankl ein vollkommen dramatischer Stoff sei und doch hat ihn Frankl als poetische Erzählung behandelt. Hätte der Zufall es gefügt, daß Mosenthal „Des Primators" und Frankl „Des gefangenen Bildes" sich bemächtigt hätte, dann würde jeder dieser beiden Stoffe die ihm adäquate Behandlungsweise erfahren haben. Leugnen läßt sich indeß nicht, daß beide Dichter, jeder in seiner Weise, alles geleistet, was möglich war. Und wie „Der Primator" Frankl's auch noch in der erzählenden Form Stellen von hinreißender Wirkung enthält, so ist auch „Das gefangene Bild" von Mosenthal in echt dichterischer Weise entbunden und in Freiheit gesetzt worden. Eine herrliche Erscheinung ist die keusche, echt deutsche Jungfrau Maria, die Tochter Hans Holbein's, die Pflegetochter des Bilderdiebes Barnabas, durch welche die beiden Kunstjünger Johannes und Lukas ihre berühmte Entdeckung machen. Eine unklare Figur hingegen ist Sibylla, die Beschließerin in Barnabas' Hause, von deren Hokuspokus man sich rinerfreut abwenden muß.

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