Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 33 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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S. H. Mosenthal. 83 (zweiter und dritter Actt ist der dramatische Dichter seinen eigenen Weg gegangen. Interessant ist folgende Thcttfache, welche vielleicht für die innere Wahrheit deo dargestellten unglücklichen Iamilienverhältnisse^ ein treffendem Iengniß ist. Bei der Aufführung des Stücks in Güttingen ereignete es sich, daß die Bauern von Niedek und Wvlniershausen mit ihren Schulzen an der Spitze ins Theater pilgerten, tun dir Scene zu sehen, in der sie mitspielten, und manches laute: „Ja, so war's!" ließ sich am Schluß dem dritten Aktm vernehmen. Mit der „Cäeilia von Albano" hat sich der Dichter auf den hohen Eoihurn gestellt, und man muß gestehen, daß er sich auf demselben nicht gerade übel ansnimmt, obwol sein eigentliches Talent immer in der Darstellung des . Bolksmäßigen prävaliren wird. „Cacilia von Albano" ist eine historische Tragödie, spielt zu Ende dem l2. und zu Anfang dem >-'!. Jahrhunderts, en- Vigt ganz eorreet mit dem Tode der beiden Liebenden, Cäeilia'm und Stto's sein Sohn Heinrich des Löwen) und mit der Perspective auf Ein großes, festes, ein gcS Vaterland. Diese Tragödie macht keinen überwältigenden, aber immerhin einen angenehmen Eindruck. Die historischen Jaden, die bier zusammenlanfen, sind nicht ohne Geschick znm Knoten verwickelt, besonders sind em die Interessen der geistlichen und weltlichen Macht, die vom Dichter vortrefflich einander entgegengestellt werden. Aucb sind einzelne Charaktere wieder recht gut gezeichnet. So ist Beatrir von Hohenstaufen ein sehr anmuthiges Bild und Friedrich, der erst gegen den Schluß anftaucht, mit wenigen Strichen getroffen; namentlich aber bilden von den Nebenpersonen der Haudegen Walo und der Minnesänger Walter einen recht ergötzlichen Contrast. Der Vers ist correct und fließend und die Dietion nicht ohne poetischen Aufschwung. Dessenungeachtet kau» inan dem Stück eine nachhaltige Wirkung nicht vindiciren. Noch weniger Glück als die zwei Htldersj'S IUustrirtc Monatshefte. 1l, 1. — Oktober lä ' genannten, im Jab re 1850 entstandenen Stücke, machten „Der Dorslebrer", Seelengemälde in einem Auszug, und „Gabriele von Precv", Drama in vier Aufzügen, welche beide rasch nacheinander in den Jahren 1852 und 185)5 entstanden sind. Erst mit dem „Sonnwendhof", Volksschauspiel in fünf Auszügen l 1854), feierte der Dichter wiedeleineu Drinmpb, und hier mit Recht. Mit dem „Sonnwendhos" bewegt er sich in der ibm eigentümlichen Spbäre, und diesmal mit ziemlichem Glück. „Der Sonnwendhos" ist, wenn man den Ge sammteindruck der verschiedenen Werke Mosentbal's uw Auge saßt, seine ge lungenste Arbeit, Zenes Elenient, wel ches der „Deborah" zllnl großen Theil dell imurensen Erfolg urit erringen hals, die volkstümliche Darstellllllg, die Lo ealfarbe, die Stüllulung, alles dies konlmt illl „Somuoelldbof" noch schö ner, loir rnochtell sagen: geläuterter zürn Ausdruck; dabei sinden sich hier in Verwickelung, Durchführung und Lösung nicht mehr jene Widersprüche, gegen welche bei der „Deborab" Einsprache zu erheben Nur uns veranlaßt füblen. Die Handlung schreitet naturgemäß vorwärts und bat einen künstlerisch logischen Zusammenbang. Dabei sind die Ebaraktere seiner und auch kräftiger entwickelt. Eine Gestalt wie der Matthias im „Sonnwendhof" läßt sich in keiner der frühern Productionen Mosentbal's allstoeisen. Allerdings erimrertdie ser Bösenncht an den Buckstäger und all den ^indenschmid im „Erbförster" rrnd an ähnliche Gestalten, aber mail kann den Matthias nicbt als eine bloße Eopie derselhen betracbteu. Die Scene, wo er den Pfarrer zum Kartenspiel ein ladet und dieser darauf eingebt, ist meisterhaft gemacht, und wenn er in stinktiv in dem Auge eines Kindes die Vernichtung seiner unbaltbaren socialen und religiotlspbilosopbischerl Anschauungen zu lesen vermeint, so liegt hierin ein feiner psvchologischer Zug und ein tief poetischer Kern. Ein schönes, frei licb düster-schönes Bild ist Anna; rübrend in ihrer Entsagung ist Monika; erfreuend in ihrer Kindlichkeit ist Franziska; ergötzend in ihrem Selbstbewußtsein die alte Erescenz. An Valentin