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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 32

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 32 (sequence 37)
Language
German
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Illustr. Monatsh. für die gcs. Interessen deS JndcnthumZ.?,2 haben wir heute siegen dieses Stück manche kritische Bedenken, die wir bereits auch ausgesprochen haben. Es geschah dies bei Gelegenheit der ersten Aufführung der Deborah im wiener Burgtheater im September 186-l („Wiener Lloyd", 13. Sept. 1864). Da Nur seit einem Jahre unsere Ansicht über dieses Stück nicht geändert haben, so wollen nur die dort abgegebene Besprechung au dieser Stelle auszugsweise reproduciren. „Der Dichter zeichnete nicht specifische Juden, sondern vertriebene Ungarn, die nebenbei zum Ueberfluß auch Juden sind. Es ist kein religiöser, sondern ein socialer Conflict, der uns vorgesührt wird. Joseph und Deborah stehen einander nicht als geistig erhabene Naturen gegenüber, welche, sich über alle positiven Bestimmungen binaussetzend, in der schönen, reinen Menschlichkeit ihr volles Genügen finden, sie stehen nicht auf der Höhe, auf welcher ein Dichter") singt: Laß die Christen und die Juden streiten, Und sei nur der Mensch im Menschen Werth; Die Natur soll uns zum Tempel leiten, Wo Vernunft und Herz die Gottheit ehrt — sondern sie hängen aneinander als Menschen, die es vergessen haben, sich früher von denjenigen Voraussetzungen gänzlich loszureißen, welche den neuen Bund jeden Augenblick zu zerstören drohen. Man kann ein Wort Schiller's auf sie anwenden, sic sind aus der Haft entsprungen, ohne vorher die Fesseln zu zerbrechen. Joseph ist ein mattherziger Mensch, der mit sich machen läßt, was mail will. In den Worteil Deborah's, die sie ihm später auf seilten Vorwurf, sie habe das Geld angenommen, entgegenschleudert: «Und das glaubtest du, du wußtest darum und littest es!» liegt die vernichtende Kritik dieses Charakters. Der Conflict in der «Deborah» wird überhaupt nicht gelöst. Denn weil» sich Joseph damit tröstet, daß trotz dem Fluch der verlassenen Geliebteil, deren Gestalt ihm zeitweise doch mahnend und ängsti- ) Cs ist dies der obengenannte Hutmacher Iosepy Rump ans ^undenbnrg. gend in der Erinnerung auftancht, sein Halis feststehe und sein Kind gesund sei und ohne Kainszeichen auf der Stirn, so ist das eben nur ein Beweis mehr für seine Kleinheit; aber hiermit ist ja nichts gelöst, die geschlagene Wunde nicht geheilt, das Nebel nicht zerstört, sondern nur beiseite geschoben. «Deborah» ist ihm schon bei weitem überlegen; in ihrer Zeichnung ist nur eine Kleinigkeit übersehen, sie soll Heidenkend sein, sic ist cs aber nicht; sie fällt zurück, da sich der Gegenstand ihrer Liebe von ihr abgeweudet, und ihre lärmenden Tiraden an den Gott der Rache haben etwas RlchrendkomischeS. Viel besser als die Zeichnung der Hauptpersonen ist dem Verfasser manche Nebenfigur gelungen. Der Ortsrichter Lorenz, der Schulmeister, der Pfarrer, vor allen andern aber Hanna sind vortrefflich charakterisirt. Auch wird man bei Mosenthal niemals den schönen Localton vermissen, der seineil Productioncn allen dasjenige verleiht, was die Landschaftsmaler vorzugsweise Stimmung nennen. Die Sprache in der «Deborah» ist häufig poetisch, .selten kühn, niemals geistreich. Der Dichter befriedigt in diesem Stück inehr gemüthliche Anforderungen als die des Verstandes, und doch wendet er sich wieder mehr an einen gewissen hausbackenen Verstand als an die echte und wahre Gefühlstiefe."-- Der Erfolg der «Deborah» scheint auf Mosenthal's Production nicht ohne Einfluß geblieben zu sein. Schon im folgenden Jahre nach der ersten Ausführung iil Hamburgs also 1850, folgten zwei neue dramatische Werke: „Cacilia von Albano", dramatisches Gedicht iil fünf Aufzügen; ferner „Ein deutsches Dichterleben" („Bürger und Mollh"), Künstlerdrama in fünf Aufzügen. KeinS der beiden Stücke hatte aber den Erfolg, den die „Deborah" errungen; namentlich scheint das erstere sehr wenig Wirkung geübt zu haben, während das letztere wenigstens in Deutschland einige Beachtung fand. Diesem Stück hat der Verfasser theilweise den gleichnamigen Roman Müller's zu Grnnde gelegt, aber nur theilweise, denn in bedeutenden Partien

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