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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 29

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 29 (sequence 34)
Language
German
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29 S. H. Mo erreicht. Die „Deborah" hat Mosenthal's Namen populär gemacht, mehr als jedes andere seiner Stucke. Die „Deborah" ivnrde nicht nur ans allen Bühnen Deutschlands gegeben, sondern es gab eine Zeit, wo selbst jeder herumziehende Komödiantentrnpp die „Dcborah" ans seinem Repertoire haben mußte. Die „Deborah" ist überdies in sunzehn Sprachen übersetzt; sie ist somit ein Stück von wahrhaft internationaler Bedeutung geworden. Zn London im Adelphi-Theater wurde das Stück 350 mal an suite gegeben und denr einmal zufällig anwesenden Dichter eine glänzende Ovation bereitet. Miß Kate Josephine Bateman aus Baltimore ist in London in dem einen Jahre 1804 allein mehr als lüOmal in der Nolle der „Deborah" (welche daselbst unter deni Titel „Leah" gegeben wird) im Adelphi-Theater ausgetreten. (Die Leser findeil in diesem Hefte zugleich das Porträt dieser Tragödin und Mosenthal-Jnterpretin.) Jetzt wird das Stück für die Schwester der berühmten Rachel von Dumas für die französische Bühne bearbeitet. Alis den italienischen Bühnen wurde es durch die Ristori dargestellt. Der Verfasser besitzt Theaterzettel der „Deborah" von Neuhork, Califvrnien und von den Goldgruben Australiens. „Deborah" ist ein Stück, welches jedermann, auf dem kleinsten Flecken, wie in der großen Residenz bekannt wurde, überallhin wurde es auf dem Thespiskarren mitgebracht, und ein hernmziehender Trupp ohne „Deborah" wäre im Anfang der fünfziger Jahre geradeso undenkbar gewesen, wie — um ein altes, aber bezeichnendes Beispiel zu gebrauchen — ein Messer ohne Klinge, an welchem der Stiel fehlt. Ich bin in der Lage, die Popularität der „Deborah" durch eine Thatsache zu illustriren, die ich selbst erlebt habe. Im September 1851 (ich war damals noch Student und befand mich in den Ferienmonate,: in einem Städtchen im südlicheil Mähren, in Kostet) erhielt ich eines Tages von einem mir befreundeten Hutmacher und Naturdichter, der ul dem nur eine Stunde weit entfernten Lundenburg lebte, die Mittheilung, senthal. daß ein Schauspielertrnpp, der seit längerer Zeit daselbst Vorstellungen gegeben habe, nun von dort ausbreche und demnächst nach Kostet zu kommen gedenke. Mein Freund Rump, so hieß der Hutniacher und Poet, ersuchte mich, für die Schauspieler zu thun, was ich vermöchte. Die Schauspieler kamen an und gaben am ersten Abend eine Posse. Alles, was ich au diesem Abend thun konnte, bestand darin, daß iw ins Theater ging. Da sich aber außer meiner Wenigkeit nur noch drei bis vier Personen eingefunden hatten, so reichte die Einnahme kaum für die Beleuchtung hin, geschweige das Orchester, wenn auch nur aus sechs Mann bestehend, zu bezahlen, von der Deckung der Lebensbedürfnisse für die Gesellschaft gar nicht zu reden. Das war nun allerdings sehr traurig. Da Rump die Schallspieler an mich gewiesen hatte und sie meiner Theilnahme gewiß waren, so wendeten sich der Direetor lind die Direetorin an mich, was bei solcher Theilnahmlosigkeit des Publikums wol zu thun sei. Wir berathschlagten ziemlicb lange. - Ich ließ mich in die Geheimnisse des Repertoire einweihen; dieses bestand aus lauter Possen und schauerlichen Ritter- und Räubergeschichten, zwei Gattungen, mit denen sie, wie sie sagten, bei dem Landvolk am meisten Glück «lachten. „Haben Sie denn", fragte ich endlich, nachdem ich gar keinen Ausweg mehr sah, „die «Deborah» von Mosenthal nicht ans Ihrem Repertoire?" „O, das Judenstück von dem jüdischen Schiller", antwortete die Direetorin, „welcher Trupp wird dies nicht auf dem Repertoire haben; ich selbst gebe die Deborah, und wie Sie mich hier sehen, mit meinem blondeil Haar, denn ich nehme keine Perrüke, lind mein Mann gibt den Joseph." „Sie sind im Stande", fragte ich weiter, „die «Deborah» morgen aufzuführen?" „Ohne Probe!" erwiderte die blonde Deborah. „Ein herumreisender Trupp lnllß alles im Stande sein, mein Herr!" j fügte sie noch mit starkem Selbstbewnßt- Jein hinzu.

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