Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 30 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. „Nun denn", sagte ich, „so kündigen Sie auf Morgen die >> Deborah« an, und um das Publikum desto mehr anzulocken, null ich Ihren: Theaterzettelschreiber eine Beschäftigung geben, für die er mir zwar wenig dankbar sein wird, denn er soll schreiben, daß ihm die Finger krachen — ich werde Ihnen nämlich den Theaterzettel selbst verfassen — aber ich bürge Ihnen auch für eine gute Einnahine." Sogleich setzte ich mich hin und schrieb in gespreizten fünffüßigen Jamben eine bombastisch-pathetische Schilderung — die mir der liebe Humnel der guten Absicht halber verzeihen möge — von dem Inhalt des Stücks, in welcher viel von Brüderlichkeit und Gleichheit, von Menschenrecht und Menschenwerth, von Juden und Christen u. dgl. die Rede war. Hieran fügte ich eine ebenfalls in Versen geschriebene Einladung an die christlichen und jüdischen Ortsbewohner und versprach ihnen Wunder, was sie da für den Abend zu sehen bekommen sollten. Der Theaterzettelschreiber mußte sich sogleich an die Arbeit machen und mußte das Gedicht, welches er höchst wahrscheinlich sannnt seinem Verfasser zum Teufel wünschte, so viel mal abschreiben, als Theaterzettel (diese werden auf dein Lande den sogenannten Honoratioren ins Haus getragen) erforderlich schienen. Mit großer Ungeduld erwartete:: wir die Stunde der Vorstellung. Ich hatte für den Erfolg gebürgt, und er war für mich eine Ehrensache; abgesehen davon, daß ich den hart bedrängten Komödianten wirklich ineine vollste Theilnahme entgegenbrachte. Die Stunde kam. Der Saal, der zum Theater umgewandelt war, begann sich zu füllen, und bald war das Gedränge so groß, daß gar kein Platz mehr zu bekommen war. Ich muß gestehen, daß mich keine spätere Vorstellung der „Deborah", deren ich etliche in Dresden und Wien gesehen habe, so innerlich entzückt hat wie diese Darstellung, die ich selbst veranlaßt hatte. Ich inachte mir nichts daraus, daß Joseph anstatt, wie es in: Text heißt: So schlingst du deine langen, dunkeln Haare Mir um die Hand, ... ganz gemüthlich sagte: So schlingst du deine langen, gelben Haare u. s. w. Ich machte mir aus andern ähnlichen Aenßerlichkeiten, die auf einer ständigen Bühne sicherlich ein schallendes Gelächter erregen würden, nichts; die Darstellung selbst, namentlich von seiten der Heldin, war eine durchaus gelungene, wahrhaft ergreifende, und der Erfolg ein immenser. Als wir nach der Vorstellung die Einnahme zählten, betrug dieselbe mehr als 40 Fl.C.-M., und als ich nach Hause gehen wollte, hatte ich keinen Hut. Dies kan: so. In den: ganzen Städtchen wurde nämlich den ganzen Tag über von nichts als von der bevorstehenden Aufführung gesprochen, und wie ein Lauffeuer hatte sich, obwol ich die strengste Discretion verlangte, das Geheimniß verbreitet, daß ich der Verfasser des gereimten Theaterzettels sei. Eine Stelle in den: Gedicht wurde fatsch verstanden und erhielt allgemein die Auslegung, daß ich selbst in der „Deborah" als Schauspieler auftreten werde. Darauf waren viele sehr neugierig, und es hat dieses Misverständniß nicht wenig zu dem exorbitanten Besuch beigetragen. Da nur dies gleich zu Anfang der Vorstellung von einen: Bekannten nntgetheilt wurde, so wollte ich die für den Besuch günstige Vermuthung nicht zerstören und begab mich deshalb hinter die Coulissen, um die Zuschauer in ihrem Glauben zu lassen, welche immer auf mein Auftreten warteten. Ich erschien nun zu ihrem Aerger allerdings nicht, dafür spielte statt meiner — mein Hut. Der spitzbübische Schulmeister, welcher sich nichts daraus geinacht hat, seine Religion zu wechseln, war auch im Punkte der Hutverwechselung nicht sehr scrupulös, und so bemächtigte er sich denn, ohne mein Wissen, meines Hutes (den vorgeschriebenen dreieckigen hatte er nicht) und entfernte sich mit demselben nach der Vorstellung. Man mußte ihn aufsuchenj und als er zurückkam, sagte er: „Das war meine Rache für Ihren Theaterzettel". Denn der Darsteller des. Schulmeisters und der Theaterzettelschreiber war eine und dieselbe Person.