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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 28

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 28 (sequence 33)
Language
German
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28 Jllustr. MouaLsh. für die ges. Interessen des Judenthums. ryll und der blonde Ruprecht". Mosenthal hatte seinen Rainen nicht darunter gesetzt. Er" wollte die Wirkung der Sache selbst abwarten; er konnte mit den: Erfolg insofern zufrieden sein, als er die Theilnahme bedeutender Literaten erweckte, namentlich Geibel's, der sich damals in Athen aufhielt und der infolge der kleinen Novelle zu dem Verfasser derselben in freundschaftliche Beziehungen trat. In Karlsruhe aber scheint der junge Dichter doch nicht den Ort gefunden zu haben, der ihn trotz mannichfacher Anregung längere Zeit zu fesseln im Stande gewesen wäre. Er nahm nach kürzen» Aufenthalt Abschied und ging nach Frankfurt a. M., wo er ein halbes Jahr am Institut seines Onkels Weil unterrichtete; hierauf begab er sich 1841 nach Wien und trat hier in das Haus des Hrn. Goldschmidt (Proeuraführer bei Rothschild) als Erzieher ein. Hier trat er zu Otto Prcchtler, Bauernfeld, Kaltenbrunncr u. a. in freundschaftliche Beziehungen und erregte durch ein kleines Gedichtchen auch die Aufmerksamkeit desjenigen Dichters, den er neben Scbiller am frühesten kennen gelernt hatte. In der damals bestehenden Künstlergesellschaft „Coneordia" (nicht zu verwechseln mit dem gegenwärtig unter demselben Namen bestehenden Schriftsteller- und Journalistenverein) würden seines Abends mehrere Gedichte von Mosenthal vorgetragen. Eines derselben ist ein recht nettes Epigramm. Es heißt „Die Null" und obzwar es S. 17 -der „Gedichte" von Mosenthal zu finden ist, so mag es doch hier auch ein Plätzchen finden: Die Null. Stand einst die Null an ihrem Platz, Da war sie wol ein rechter Schatz: „Nein", sprach sie, „ich will oben hin, Damit ich auch was Rechtes bin." Nun blies sie sich gewaltig auf, Schob sich von Stell' Zu Stell' hinauf; Jetzt stand sie oben und freut sich sehr: Da galt sie aber gar nichts mehr. Grillparzer, der anwesend war, fragte nach dem Verfasser, ließ sich diesen vorstellen, und seit jenem Abend genießt Mosenthal die anszeichnende Freundschaft des größten deutschen Dichters der Gegenwart. Wie hoch Mosenthal diese neueFreundfchaft zu schätzen wußte, davon geben die vier Strophen, die er „In Grillparzer's Album" schrieb (S. 71 der „Gedichte"), ein beredtes Zeugniß. Wir wollen nur die erste dieser Strophen hierhersetzen, weil in ihr die Erinnerung an die poetischen Jugendeindrücke im österlichen Hause so schön wiederklingen: Deiu Name war's, den meine Mutter ries, Wenn sie mir Deutschlands große Dichter nannte; Es waren deine Worte innig tief. Die sie getreu, wie ihre Bibel, kannte. So saß ich oft, das Aug' auf sie gewandt. Und lauschte ahnungsvoll auf deine Lieder; Ich liebte dich, noch eh' ich dich verstand. Und als ich dich verstand, liebt' ich dich wieder. So lebte Mosenthal im anregendeil Kreise von Mitstrebenden, und hier in Wien hat er erst den eigentlichen Boden für seine dichterische Thätigkeit gefunden; denn sein eigentliches jGcbiet ist das Drama. Im Jahre 1816 trat er mit einem dramatischen Product auf. Es war dies ein Volksmärchen in drei Acten: „Der Holländer-Michel", welches im Josephstädter Theater in Wien zum erstell mal aufgeführt wurde. Ein Jahr darailf (1847) wurde am Theater an der Wien ein neues Drama in drei Aufzügen aufgeführt: „Eine Sklavin", eiil Stück, dessen Stoff der Geschichte der Capcolonie entnommen ist. Der Dichter ist auf diesen Stoff durch seine Brüder hingeführt worden, welche daselbst ein bedeutendes Handlnngshaus gegründet und sich um die Förderung der Colonie manche Verdienste erworben haben. Mit beiden Stücken aber hatte Mosenthal keine entscheidenden Schlachten geschlagen. Dies sollte erst im Jahre 1849 geschehen, lind zwar durch die Aufführung der „Deborah" im Stadttheater zu Hamburg. Wenn wir die „Deborah" als eine entscheidende Schlacht bezeichnen, so geschieht dies nicht sowol vom ästhetischkritischen Standpunkte, als vielmehr wegen des außerordentlichen Erfolgs, den der Dichter gerade mit diesem Stück

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