Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 22 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417814--539-2418379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

22 Jllustr. Monatsh. für die gcs. Interessen des Judenthums. letzterer wiederholt die obenangegebene Erkärung des Tacitns von der Entstehung des Tages fast mit den nämlichen Worten; Dio Casstus dagegen meldet von dem Fasten nichts, ihm ist nur das Enthalten von Arbeit an diesem Tage bekannt (Buch 36). Wir wollen ans ihre Worte, da sie nichts Neues bieten, nicht näher eingehen. *) Die übrigen Fest- und Feiertage der Juden scheinen den alten Schriftstellern wenig bekannt gewesen zu sein. Eine Andeutung des Passahfestes finden wir bei Tacitns: „ Ihr langes Hungern erkennen sie mit häufigem Fasten noch jetzt an, und znm Zeugnis) vom eilfertigen Zusammen¬ *) Ich will meine Bemerkungen über den Sabbat nicht schließen, ohne eine merkwürdige Stelle des Horaz erwähnt zu haben und gegenüber den geschraubten und seltsamen Erklärungen, die man ihr zu geben versucht hat, eine ganz einfache hinstellen, die mir die richtige zu sein scheint. Die Worte lauten: lioäie ti'lee^iilln 8ni)l)atn. Erinnern wir uns nun, daß S. in der Bedeutung des letzten Tages der Woche gebraucht wird, so werden wir nicht das mindeste Bedenken tragen, ihm auch den Sinn des letzten Tages im Monat zu geben; erinnern wir uns ferner, daß die jüdische Zeitrechnung Monate kennt, die 2t), und andere, die 30 Tage haben, und daß in letztern der dreißigste Tag bereits als Neumond gefeiert wird, so bietet meines Bedünkens nach die Stelle keine Schwierigkeit mehr: Heute ist der dreißigste Tag des Monats, der als Neumond gefeiert wird, ist der einfachste Sinn der Worte, deren Kürze und Knappheit wir uns leicht aus dem Bedürfnis;, sie in einen Verstheil zu bringen, erklären können. Betrachten wir aber auch noch die darauffolgenden Worte des Horaz. Sie lauten, ihres obscönen Ausdrucks entkleidet, so: „Willst Du die Juden verletzen?" „Ach! ich kümmere mich nicht darum, erwidere ich, ich habe gar keine Religion." „Aber ich! Ich bin ein gewöhnlicher Mensch, schwächer und nachgiebiger." Die Situation ist die: Horaz trifft einen Freund, der sich gern von ihm befreien möchte und aus diesem Grunde die Entschuldigung vorbringt, es wäre ein Fest der Juden. Mag dem sein, wie ihm wolle, jedenfalls sehen wir daraus, daß sich die Römer bei den Festen der Juden nicht theilnahmlos verhielten, sondern durch ihre Anwesenheit dieselben mitfeierten. Daß dies nichts Ungewöhnliches gewesen sei, bemerkt auch Ovid (äe nrte anmtoi'ia, I. 75.) Freund! Laß nicht umsonst vor dir den Sabbat verstreichen, Heilig dem jüdischen Volk, doch auch dein Shrer geweiht. raffen der Brotfrüchte enthält das jüdische Brot keinen Sauerteig" (Hist. Buch. V, 4). Eine Verwechselung des Hüttenfestes und Versöhnungstagcs mit dem Sabbat, demnach also eine sehr dunkle und verworrene Kenntnis) dieser beiden Feste scheint, wie ich oben gezeigt habe, in dein Bericht des Plutarch über den letztern Tag stattgefunden zu haben. Um die Reihe der jüdischen Gebräuche zu vervollständigen, wollen wir die Beschneidung nicht unerwähnt lassen. Sie war natürlich den Schriftstellern bekannt und ist aus diesem Grunde auch von fast allen, die über Juden geschrieben haben, erwähnt worden. Sie war es namentlich, die denselben den Vorwurf zugezogen hat, daß sie sich feindselig von den übrigen Völkern absondcrn, in keine Gemeinschaft mit ihnen treten, keinerlei Wohlthat ihnen erweisen wollen und dürfen, und durch die veranlaßt giftige Spöttereien und gemeine Witzeleien von seiten der römischen Satiriker, besonders Martial und Persills, den Juden entgegengeschleudert wurden. Die übrigen Einrichtungen, Gebräuche und Gesetze der Juden waren den römischen und griechischen Schriftstellern zum Thcil auch nicht unbekannt; wir finden einige davon, freilich mit mannichfachen Nebertreibungen ausgeschmückt, mit vieleil Jrrthümern vermischt, bei ihnen erwähnt. So ist namentlich das Proselhtenulachcn der Juden dein Horaz bekannt (8ut. I, 4, 142), und wir können aus dieser Stelle, der wir eine vollkommene Berechtigung zuschreiben müssen und von der wir nicht glauben dürfen, daß Horaz sie als eine aus der Luft gegriffene Behauptung hinstellt, auch erkennen, daß die Juden dem Proselytenthum weder damals noch, wie wir hinzufügen, überhaupt jemals vollständig abgeneigt gewesen sind. Freilich ein Proselytenmachen mit Feuer und Schwert hat das Judenthum nie gekannt; sich aber der ganzen Welt mitzutheilen und alle als Brüder und Genossen desselben Glaubens zu umfassen, hat es versucht, und daß es dies versucht hat, ist leicht erklärlich. Denn, wenn schon der einzelne Mensch, der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.