Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 19 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Juden u. Judenthum nach d. Auffassung d. Schriftsteller d. Alterthums. weil er auch als eine Schlitzwehr gegen die bis in die neneste Zeit sich wiederholenden Anklagen gelten kann, die alle von dem Gedanken erfüllt sind, daß die Inden keine gute Deutsche, daß sie überhaupt keine Deutsche seien, daß sie noch an Palästina, als an ihrem alten Vaterlande hingen und sich nach demselben sehnten mit dem innigsten Wunsche ihres Herzens. Diese Palästina- Romantik und Jerusalem-Schwärmerei, die sich, ich leugne es nicht, noch bei manchem finden mag, ist — so drückt sich einer der ersten Vertreter der neuen Bestrebungen im Judenthnm aus — „eine Pflanze, die durch künstliche Treibhaushitze erzeugt, nicht von dem warmen Strahl der Sonne hervorgebracht ist." Die Juden haben stets das Land, in dem sie lebten, mit Liebe umschlungen, selbst dann, als man ihnen nicht die Liebe eutgegeugebracht hat, die sie in Anspruch zu nehmen berechtigt waren; kann mau glauben, daß sie jetzt die Freundeshand, die man ihnen überall entgegeustreckt, zurückweisen werden? Doch fahren wir in unserer Betrachtung fort! Die Juden — das ist die allgemeine Ansicht, der wir bei den Schriftstellern des Alterthnms begegnen, ziehen sich von allen übrigen Völkern zurück aus Haß und Verachtung, ihren Tempel darf niemand betreten, damit nicht ihr schändlicher Dienst, den sie in demselben treiben, erkannt werde u.s.w. Wenn ein Kind von Vater oder Mutter das Verbot erhält, dieses oder jenes Zimmer zu betreten, so kommt es wvl vor, daß in dem kindischen Gemüthe trotz oder vielleicht gerade wegen des Verbots der Wunsch, die Sehnsucht sich regt, das Verbotene zu schauen. Denn der Ovid'sche Spruch: Xit-imur in vetitnnck enpiinn8lin6 neo-nPa, Stets das Verbotne erstrebet der Mensch und wünscht das Versagte hat seine Richtigkeit durch Jahrhunderte bewährt und bewährt sie stets aufs neue. Doch das Verbot steht einmal da, und das Kind scheut sich doch, dein Worte der Aeltern zuwiderzuhandeln. Aber immer wieder regt sich der Wunsch. Da erzählt ihm die Wärterin ein Märchen, das sonst stets seine Einbildungskraft gefesselt und alles um es her es hat vergessen lassen,allein heute erlischt die Sehnsucht, das Verbotene zu schauen, dadurch keineswegs. Da wird das letzte Mittel ergriffen und man erzählt dem Kind von den Geistern, die in dem Zimmer Hausen, von den Kobolden, die dort ihr Spiel treiben, das Kind wird von Angst und Schrecken erfüllt und schweigt. Mich will bedrucken, die Völker des Alterthums gleichen solchen Kindern, die Schriftsteller den Ammen. Es war durch daS Gesetz den Heiden verboten; den Tempel zu Jerusalem zu betreten, doch die Lust, das Heiligthum zu schauen, war damit keineswegs erstickt. Wie kann das schwache Volk der Juden, so sprachen es wol die Grieche» und Römer ans, uns, den Herren der Welt, den Eintritt verwehren k Kommt! Laßt uns die Pforten zertrümmern und ihre Frevel offenbaren! Aber da trat ihnen Alerander vor die Augen, der mit Ehrerbietung daS Haupt geneigt hatte vor dem Gotteshanse, lind die Gestalt des PompejnS stand vor ihrer Seele, der den leichtfertigen Spott zurückgehalteu hatte, als er das Innerste geschaut, und sie wichen zurück. Aber die kindische Ungeduld, die kindische Neugier blieb. Da naheten die Ammen und suchten die Kinder zu trösten mit Märchen mannichfacher Art, aber die Kinder entrangen sich ihrer Hand und hörten nicht auf ihre Mahnung und richteten stets die Augen auf die verschlossenen Pforten. Da ermannten sich die Ammen noch einmal und sprachen: Kommt zu uns, ihr Kinder, und schallt nicht hinein, da sitzen sie zusammen in schmuzigeu Gewändern, in wüstem Lärm und Geräusch und beten und fasten deil ganzen Tag, kommt hinweg! Und die Kinder ängstigten sich und gingen fort. Wir aber, die Nachgeborenen, wollen dem kindischen Beispiel nicht folgen. Die Pforten des Tempels sind gesprengt, wir wollen hineinschanen und die Wahrheit zu ergründen versuchen. Denn die alteil Ammenmärchen sind uns überliefert lind spreizen sich trotz ihrer In-