Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 18 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417814--535-2418375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

18 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. solchen Behauptung der einfachen Erwähnung; wir haben nie nöthig, einen Bericht über die Juden, den Plutarch uns bringt, mit sittlicher Entrüstung als eine böswillige Verleumdung von uns zu weisen; wenn wir auch seine Erzählung durchaus nicht als wahr aunehmen und hezeichnen können, so bedürfen wir keineswegs der Waffen der Logik und Dialektik, um sie als unwahr darzustellen — der Jrrthum . richtet sich von selbst. Das Volk der Juden, — so lautet das aus obigen Betrachtungen auf naturgemäße Weise hervorgegangene Endurtheil der alten Schriftsteller — das Volk der Juden ist in religiöser Beziehung als eine auf der niedrigsten Stufe stehende, ohne festeil Halt, ohne innere Ueberzeugung hin und her schwankende Genossenschaft zu verachten. Aber, — so fahren diese gewissenhaften Beurtheiler fort, — statt daß sie, durch unsere milde Zurechtweisung aufmerksam gemacht, von dem falschen Wege, den sie bisher betreten haben, abgeben und sich uns, die wir ihnen ja liebend unsere Arme öffnen, anschließen, zeichnen sie sich durch die Verachtung unserer Götter aus (klin. 1Ü8t.nut. XIII. 9) —wie dazu freilich die den Juden aufoctropirte Verehrung des Bacchus paßt, können wir uns ohne einen bescheidenen Zweifel und ein ungläubiges Kopfschütteln nicht erklären; —statt daß sie unsere Lehren, die sie gewiß auf den Weg des Heils führen würden, annehmen, versuchen sie, uns auf ihre Seite hinüberzuziehen; sie, die Besiegten, wollen uns, den Siegern, Gesetze vorschreiben (Leneea in den Fragmenten), ein frevelhaftes Beginnen, das dem frommen Rutilius Numatianus einen Stoßseufzer auspreßt (Itineruriuui lib. I, > 8.388,391, 395—98), den ich in ziemlich freier Uebertragung so wiedergebe: Wäre doch nie Judäa in unsre Hände gekommen, Hätt' doch Pompejus es nie, nimmer es Titus bekriegt! Schon spürt unser Gebein das Grausen solcher Berührung, Und der Besiegten Gift schleicht in uns Sieger sich ein. Hrum, wohlan! Bringt Schimpf nur und Spott dem verruchten Geschlechts, Schrecklich und kalt ist sein Brauch, aber noch kälter — sein Herz. *> Aber uicht genug, daß sie die Segnungen der Religion, die wir ihnen darzubringen versuchen, zurückweisen — in solcher Weise mehren sich die Anklagen, die gegen das Haupt der Juden geschleudert werden — auch dem Staat, dem sie angehören, wollen sie keine Ehrfurcht, keinen Gehorsam erweisen. Hört! Der Römer Gesetz verachten sie, jüdischem Recht nur Beugen sie furchtsam ihr Haupt und geben es dann ihren Kindern, Denn nur ihnen allein, wie Moses gebot, soll 's bekannt sein, Allen andern versagt, die auf fremden Bahnen dahingehn! (luvenast 8at. XIV, 101 —105.) Wie einen ehernen Panzer können wir solchen lügnerischen Angriffen das Wort: „Betet für das Wohl der Herrschaft!" entgegenhalten, das, von einem jüdischen Lehrer kurze Zeit nach der Zerstörung desTempels gesprochen, seine Glaubensgenossen ermahnen sollte, den Römern, trotzdem daß dieselben ein hartes Joch der Knechtschaft und Unterdrückung ihnen aufbürdeten, die schuldige Ehrerbietung, ja sogar das fromme Gebet für ihr Wohl nicht zu versagen. Es muß dieser Spruch deshalb hier um so mehr hervorgehoben werden. *) Ich will bei dieser Gelegenheit, bei der Erwähnung einer Stelle aus den Fragmenten des Lucius Annäus Seneca, in der über die Juden gesprochen wird, auch eine zweite nicht übergehen, in denen sich durchaus kein humaner Sinn des Philosophen zeigt. Das erste Fragment lautet vollständig: „Da einmal das verbrecherische Volk Eingang in alle Länder gefunden hat, so ist es so weit gekommen, daß die Besiegten den Siegern Gesetze vorschreiben." Des zweiten, von demselben milden Geiste durchwehten Satzes Worte heißen: „Einige von ihnen (den Juden) kennen den Grund ihrer Gebräuche, der größere Theil aber übt sie, ohne zu wissen warum", eine Anklage, der, wenn stein unserer Zeit erhoben würde, wir einen Schein von Wahrheit vielleicht einräumen würden, die aber für die damalige Zeit als eine grundlose zurückgewiesen werden muß.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.