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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 17

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 17 (sequence 22)
Language
German
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17 Juden n. Judenthnm nach d. Auffassung d. Lchriftstellcr d. AltcrthumS. Behauptung, gegen die sich der prüfende und nachdenkende TacituS doch entschieden verwahrt auS einem für die Juden allerdings nicht schmeichelhaften Grunde: „Weil aber", sagt er, „ihre Priester mit Flöte und Pauken musicirten und sich mit Epheu bekränzten und man auch eine goldene Rebe im Tempel vorfand, so haben manche geglaubt, es fei Vater Liber fein Beiname des Bacchus), der Bezwinger des Morgenlandes, Gegenstand ihrer Verehrung, was mit ihren Bräuchen durchaus nicht zusammenpaßt, denn Liber hat einen festlichen und fröhlichen Dienst eingeführt, während der Juden Brauch widersinnig und düster ist." lllwt. üb. V. ö.) Plutarch dagegen hält an dieser Fabel fest, wie es überhaupt nur wenig Vorwürfe gibt, die man den Juden gemacht hat, die sich bei ihm nicht in ihrer ganzen Ausdehnung breit machen. Er hat dabei noch die Gewohnheit, die bei einem der Wahrheit entsprechenden Gegenstände sehr zu billigen ist, bei einem erdichteten dagegen zwar ein schönes Streben des Schriftstellers verräth, aber dennoch bei denen, die wissen, wie der Gegenstand sich in Wirklichkeit verhält, nur ein Lächeln des Mitleids für den vergeblichen Schweig und die Anstrengung des Schriftstellers hervorlockt, die Gewohnheit, alles, was er erzählt, ausführlich zu behandeln, über alles, was er berichtet, sich klar zu werden. Durch dieses Bemühen, das bei einem aus der Luft gegriffenen Gegenstände trotz der geistreichsten Combinationen natürlicherweise ein erfolgloses sein muß, gelangt er zu den unrichtigsten Behauptungen; durch einen Jrrthum, den er als wahr bezeichnet, verstrickt er sich in eine solche Legion Fehler, daß es dem Nachfolgenden schwer wird, sich aus dem Wirrwarr wieder heranszufinden. Wir wollen aber auch hier die Mühe nicht scheuen, seinen Gedanken nachzugehcn. Plutarch's Tischgenossen sind sehr wißbegierig. Sie haben kaum, wie wir oben gesehen haben, sich über den Grund der Enthaltung vom Schweinefleisch aufklären lassen, da erwacht ihr Mitgefühl für das jüdische Volk aufs neue. Hilberts IUustt irte Monatshefte, il, I. — Oetobev 18 Eiuer auS ihrer Mitte — die Scene spielt noch immer in der oben ange führten Stelle der Tischgespräche — null nämlich die göttliche Verehrung, die dem Schwein gezollt wird, durch alle nur möglichen Beweise erhärten und zieht zu diesem Zweck auch die Mythologie herbei. Er erzählt seinen lauschenden Zuhörern, daß einst Adonis, der hier mit Bacchus verwechselt werde, von einem Schwein getödtet worden sei. Die Genossen umringen > ihn staunend und fragen: Was hat Bacchus mit den Juden zu thun? Ja, erwidert er mit salbungsvollem Ton, Bacchus ist eben der Gott der Juden. Und das Schwein, so rufen nur verwundert ans, warum wird ihm nun, da es doch der Mörder des Gottes ist, göttliche Verehrung zutheil, inan müßte es doch verabscheuen, es auszurotten versuchen? Rein! da steht das eherne Wort Plutarch's entgegen: Es ist den Juden streng verboten, ein Schwein zu tödten. Die auf solche Weise gewonnene und nun unumstößlich feststehende Thatsache: die Juden haben den Baccbns verehrt, flicht Plutarch dadurch zu bekräftigen, daß er einzelne jüdische Feste lind Gebräuche als aus dem Eultus des Bacchus abgeleitet darstellt. Er bedient sich dazu namentlich des .vüttenfestes, das er aber auf eine so unglaubliche Weise mit lächerlichen Vorstellungen verbindet und mit abenteuerlichen Behauptungen verziert, daß ein näheres Eingehen aus dieselben uns zu weit führen würde. Was er über den Sab bat bemerkt, werden wir noch an einer andern Steile zu würdigen Gelegenheit baben. Nur Eines wollen wir nickt unerwähnt lassen, nämlich die Art und Weise, mit der er die Benennung der Priester zu einem Beweis für die Verehrung des Bacchus anwenden will. Die Stelle lautet: „Ihre Priester nennen sie Leviten, eilte Benennung, die entweder von Lysios oder noch besser von Euios, zwei Beinamen des Bacchus, hergenommen ist." Das ist Scharfsinn, das ist Kritik! So hätten wir auch den Bericht dieses Bacchuscnltus angeführt. Es bedarf ja auch nur bei einer

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