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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 16

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 16 (sequence 21)
Language
German
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16 Jllustr. Monatsh. für die ges. lauten: „Der erste Römer, welcher die Juden bezwang, war Pompejus, und er ist auch nach seinem Recht als Sieger in den Tempel gegangen; von da erfuhr man, daß drinnen kein Götterbild, sondern eine leere Wohnung und kein Mysterium in demselben zu finden sei." (Hist. lib. V. 9.) Ein lächerliches und seltsaines Ding aber bleibt die im Volksglauben ruhende Fabel von der Eselverehrung der Juden immerhin, und wir können den Grund ihres Entstehens nur darin suchen, daß man den Juden, die allgemein als ein, und zwar schlechter und verderbter Theil der dem Thiercultus ergebenen Aegypter angesehen wurden, die Thierverehrung als etwas ganz Natürliches zuschrieb. Wieso man freilich gerade auf den Esel verfallen, bleibt immerhin ein Näthsel. Klarer ist, auf welche Weise inan dazu gekommen ist, sic zu Anbetern des Schweins zu stempeln. Denn — und wir folgen hierin in kurzem Auszug der Auseinandersetzung des Plutarch, der die Frage: Warum die Juden das Schwein nicht genießen? für ebenso wichtig gehalten hat wie die: Wer der Gott der Juden sei, um beiden in gleicher Weise eine Stelle in seinen Tischgesprächen anzuweisen — denn, wie die Aegypter (und also auch die Juden) den Käfer, die Spitzmaus, das Krokodill und die Katze verehren, so haben sie auch eine heilige Scheu vor dem Schwein, das, nach den eigenen Worten des Plutarch, weder ungestalteter noch ekelhafter ist als die vorhergenanntenThierc. „Denn man fagt, daß dieses Thier, indem eS mit dem Rüssel die Erde aufgewühlt, dem Menschen zuerst einen Begriff vom Pfluge und also zur Erfindung der Pflugschar Anlaß gegeben habe." Deshalb sind die Juden dem Schwein zu Dank verpflichtet, und diesen Dank suchen sie auf die einfachste Weise durch die göttliche Verehrung des Thiers abzutragen. Freilich, fügt der hier redende Tischgenosse hinzu, man hat auch behauptet, daß sie aus Scheu vor Verunreinigung das Thier nicht genießen, aber — so lautet seine Antwort darauf — das ist nicht möglich, denn, wäre der Genuß des Thiers aus diesem Grunde ver- Jnteressen des Judenthums. boten, so würde es ihnen wenigstens erlaubt sein, das Thier zu tödten, allein „es ist ebenso streng verboten, ein Schwein nmzubringen, als von dessen Fleisch zu genießen." (!!) Mit solchen kategorischen Sprüchen, die der Wahrheit nicht eben entsprechen, kann man freilich gar viele Dinge sich selbst anschaulich machen, andern, die nach den richtigen Gründen fragen, wol schwerlich. Doch gehen wir weiter. In dem Verlauf des Tischgesprächs bei Plutarch gibt sich einer der Genossen mit der eben ausgesprochenen Meinung nicht zufrieden und bringt noch folgenden Grund vor, der aber der Wahrheit nicht viel näher liegt als der erste: Die Juden meiden den Genuß des Schweins deshalb, weil sie durch das Fleisch desselben vom Aussatz yeimgesucht zu werden fürchten, einer Krankheit, die sie mehr als alle anderen Nebel verabscheuen, weil sie ihretwegen aus Aegypten vertrieben wurden. Dieses Enthalten vom Fleisch des Schweins konnte natürlich auch de» übrigeil Schriftstellern nicht verborgen bleiben; es wird von Apion als ein Vorwurf gegen die Juden benutzt («los. e. Vp., II. N)); nur finden es bei Celsus (lib. V,4.'l) bei Petronius (Orttal. p. 68i) vä. Nur»!.), bie Strabo (lib. XVI.) mit wenigen Worteil erwähnt, ebenso bei Juvenal (Lat. XIV. 99), der den originellen Grund hinzufügt, weil sich das Schweinefleisch vom menschlichen nicht sehr unterscheide. Auch Tacitus bemerkt cs und fügt hinzu (Hist. lib. V, 4): „Das Schwein essen sie nicht, als schuldig an dem Unheil, womit die Krätze sie einst geschändet, was eine Krankheit des Thiers ist." So sehen wir, daß auch die Enthaltung vor diesem Thier zu einer Anklage der Verehrung desselben von Seiten einiger Berichterstatter hat dienen müssen. Wir werden uns daher nicht wundern, wenn wir im weitereil Verlauf dieser Arbeit Behauptungen der alten Schriftsteller bemerken werden, die jedes Grundes entbehren. Wir werden uns nicht wundern dürfen, wenn wir sehen, wie die Anklage gegen die Juden geschleudert wird, ihr ganzer Cnltns sei dem Bacchus geweiht, eine

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