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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 13

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 13 (sequence 18)
Language
German
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Juden u. Judenthum nach d. Auffassung d. Schriftsteller d. Alterthums. 13 Liebe, erfrischt von dem Wehen der Freiheit in allen Ländern der Erde. Und diese Frische und Jugendlichkeit haben sie sich nur bewahrt durch ihren Glauben. Sie haben nicht gemurrt und nicht geklagt, weil sie durchdrungen waren von dem Bewußtsein, daß Gott die Geschicke der Menschheit lenkt nach seinem Wohlgefallen; sie haben nicht gebangt und nicht gezagt, weil sie als eine hohe Wahrheit in sich trugen, daß, wenn auch der Körper sich beugen müsse unter der Last des Druckes, doch der edlere Theil des Menschen, die Seele, frei sei und bleibe; sie haben gehofft und geharrt, weil sie der frohen Verheißung trauten, daß einst eine Zeit herannahen werde, eine Zeit der Menschenverbrüderung und des Gottesreichs. Und gerade wegen dieses treuen Festhaltens am Gesetze, am Glauben der Väter, goß man Hohn und Spott herab auf ihr Haupt, trat mau ihr Heiligstes mit Füßen. Man nannte ihre Standhaftigkeit im Glauben: Frechheit und Hartnäckigkeit, ihre Liebe zur Freiheit und zum Vaterlande: Wuth und Raserei, ihre Tapferkeit in der Vertheidigung ihrer heiligsten Ueberzeugungen: Grausamkeit und Ruchlosigkeit. Und als auch dies nicht half, da versuchte mau ihren Glauben selbst zu entwürdigen, zu beschmutzen. Man sprach: Seht nur hin! Die Juden sind gar nicht das, wofür sie sich ausgeben! Sie verehren gar nicht Gott allein; sie -dienen dem Himmel und den Sternen; Ne beten die Wolken an; ihr ganzer Kultus ist dem Bacchus geweiht; das Bild eines Esels steht in ihrem Tempel; die Thiere, deren Genuß ihnen verboten ist, meiden sie nur deshalb, weil sie sie für eine Gottheit halten, die sie du^ch den Genuß schwer zu bebeleidigen und zu erzürnen fürchten. Unter solchen Lästerungen beugten die Juden ihr Haupt, bis endliiMJosephus auftrat und in seiner Schrift: „Gegen Apion" diese und andere Beschuldigungen, unter denM die, daß die Juden am Passahfest das Blut eines Andersgläubigen gebrauchten, nicht fehlte, für welche Behauptung Apion sogar so — kühn war, einen bestimmten Fall anzusühren (Jos. e. Ap. II. 8), zunichte zu machen versuchte. Aber seine Stimme verhallte im Winde. Die römischen und griechischen Schriftsteller, die nach ihm lebten, wiederholten ungescheut dieselben Vorwürfe, dieselben Anklagen in noch weit größerm Maße. Das Christenthum hat sich das freilich nicht beneidenswerthe Verdienst erworben, daß es nicht bei diesen geistigen Waffen es hat bewenden lassen, sondern mit seiner rohen Faust gegen die Juden eingeschlagen hat. Aber nun ist die Morgenröthe der Freiheit angebrochen. Wir, denen es vergönnt ist, sie zu schauen, wir blicken mit ehrerbietiger Scheu zurück aus die vergangenen Zeiten, wir beugen in Ehrfurcht das Haupt vor den würdigen Gestalten der Väter, die trotz Spott und Unterdrückung sich den Geist stets rein und frei erhalten haben, wir schauen mit mitleidigem Auge auf ihre Spötter und Dränger, denen es trotz aller Anstrengung nicht gelungen ist, die Juden abwendig zu machen von ihrem Glauben, der von den Bekennern für ein heiliges und kostbares Gut betrachtet, von den Angreifern als Aber glaube verfolgt wurde. Denn wie die Griechen nur sich als das einzige, wahre Volk betrachteten und alle ändern mit dem Namen Barbaren beehrten, wie die Römer für sich die ganze Welt und Weltherrschaft in Anspruch nahmen und nur dem das Recht zu leben zuerkannten, der sich ihrer Oberhoheit willig unterwarf, wie sie so in politischer Beziehung kein Volk neben sich dulden wollten, so wollten sie auch in religiöser keinen Glauben neben dem ihrigen als bestehend anerkennen. Es lockt uns ein Lächeln des Staunens und des Mitleids ab, wenn wir lesen, wie Cicero die Juden ein von barbarischem Aberglauben erfülltes Volk nennt (Or. pro bllueco e. 28), wenn wir sehen, wie Quintilian, der nur ein einzigesmal der Juden Erwähnung thut, die Gelegenheit nicht vorübergehen läßt, ohnedes jüdischen Aberglaubens gedacht zu haben (Inst. III. 7, 21), wenn wir von dem sonst ziemlich vorurtheilsfreien Horaz den Ausspruch hören: „das mag

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