Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 12 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. dem Städtchen zu. Als sie hineinkamen und an demBrunnen vorübekgingen, wo die Mägde eben Wasser schöpften, rief ihnen roth Chancle zu: „Gumpel! ist das schön? Der Benak*) geht spazieren herum, wenn sie den Vater einsperren?" „Einsperren?" fragten die beiden zugleich, „und warum?" „Weil er vor dem Geistlichen mit'n Glöckel den Hut nicht heruntergenommen hat, haben sie ihn auf vierundzwanzig Stunden ins Loch gesteckt. Wißt ihr's dem: noch nicht?" fragte roth Chanele. Gumpel rannte wüthend davon, ohne von Felix Abschied zu nehmen. Felix ging ebenfalls nach Hause und setzte sich schweigend in einen Winkel seiner Stube. In seiner jugendlichen Seele wogte ein Meer von nie gekannteil Empfindungen. DaS Herz klopfte, die Pulse hüpften, lind seine Gedanken stürmten in wilder Flut durcheinander. Da steckt plötzlich Reb Bär Lederer, der ihn hatte ins Haus schleichen sehen, den Kopf zur Thüre herein mit den Worten: „Wo is er, meschngeh Fciwele? Bist d» da, du wirst dich noch koifer fein (taufen lassens am heiligen Jomkippcr; nit soll man'S erleben." Wie ein zur Erde geworfener Gummiball emporschnellt, sprang der aus seiner Betäubung aufgerütteltc Knabe von seinem Sitz empor. — „Niemals! Niemals!" rief er mit thränencrstickter Stimme. Reb Bär Lederer war fort, er hatte seinen Ruf nicht mehr gehört; dagegen war auf den Schrei die Mutter des Knaben hcrbeigceilt, und sie war es, der er wie eine leblose Masse in die Arme sank. (Fortsetzung folgt.) Iudm und JutMchmn Mch der AuW- MNZ der StlMsleller des AllechuM. Von Ludwig Griger. I. Religion und Sitten. Die Juden haben sich zu jeder Zeit, solange sie unter und mit fremden Schmähwort für Sohn. Völkern verkehrten, der besondern Aufmerksamkeit zeitgenössischer Schriftsteller zu erfreuen gehabt. Natürlich! Sie waren stets ein Volk, abgeschlossen in sich durch seine Sitten, sich kennzeichnend durch seine Gebräuche, das erkannten alle Völker, und es war Grund genug für sie, zu sprechen: Weil ihr euch abschließt von uns, verschließen auch wir uns, unsere Gemeinschaft vor euch. Daß freilich ein tiefer, sittlicher Grundgedanke alle diese Gebräuche beseelte, daß trotz der zeitweiligen Abschließung, in der die Juden, gedrängt durch den Haß und Spott der Völker, sich gefielen, die Liebe gegen Andersgläubige geboten war, das wußten die Völker des Alterthums nicht lind wollten es nicht wissen. Sie schritten nicht zu offener Gewalt, sie ließen nicht dre Kraft der Hände im Kampfe entscheiden, sie griffen zu einem Mittel, das einen edeln Menschen weit schlimmer berührt, weit härter verletzt: zu Verdächtigung und Beschimpfung. Die Juden haben die Menschheit von ihrer Wiege an geleitet und werden wol bis zu ihrem Grabe ihre Geleiter sein. Sie haben zuerst die hohen Gedanken in die Welt gebracht; aus ihrer Lehre, aus ihren Grundsätzen sind die Religioneil hervorgegangen, die heute von der ganzen gebildeten Menschheit bekannt werdend Völker sind um sie her zu Boden gesunken, Nationeil ins Grab gestiegen, weil ihnen das fehlte, was eine Nation nur erhalteil kann: die Herrschaft der Vernunft und des Geistes. Die Juden waren stets ein Volk, an dem das Wort des Psalmisten in Herrlicher Weise in Erfüllung gegangene ist, sie waren stets wie ein Baum ge-l pflanzt au Wasserbächen, dessen Blatt nicht verwelkt, der seine Früchte spendet zur rechten Zeit. Es brannte zwar oft heiß auf ihrem Rücken der versengende Strahl des Hasses und wollte die Blätter verbrennen und verderben, es zog zwar oft über sie hin der Sturm der Bosheit und der Tücke und wollte mit Macht die zarten Zweige Hinwegschleudern, aber ihre Frucht haben sic stets gegeben zur rechten Zeit und werden sie reichlich spenden auch in der Zukunft, erwärmt von der Sonne der