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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 11

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 11 (sequence 16)
Language
German
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Der Schlüssel. ll ausweichen können", erwiderte Gumpel mit iimner steigender Bangigkeit. „Wir brauchen ihm ja nicht auszuweichen", sagte Felix, „was wird sein, wenn wir ihn grüßen? Ist dein Kops so fest an deiner Kappe, daß dn gleich den Kopf mitzunehmen fürchtest, wenn dli die Kappe hernnternimmst, oder hast dn in deiner Kappe ein Vogelnest und fürchtest, die Spatzen werden dir davon fliegen, wenn dn die Kappe abhebst?" „Paß' mich jetzt geh'n mit deinen Narrheiten," erwiderte der sonst nachgiebige Gumpel, „du weißt, daß wir nicht dürfen." „Wir dürfen!" beschwichtigte Felix, „ein Gruß ist keine Sünde; ich möchte wissen, wo da die Sünde stecken soll, wenn man höflich ist. Ich Hab' zu Hause auch den Tag über keinen Hut aus dem Kopf, und glaubst du, die Religion verbietet, höflich zu sein?" „Er trägt aber ein Kreuz in der Hand, oder was weiß ich, einen Spiegel", lind den dürfen wir nicht grüßen, sagte Gumpel kleinlaut. Felix ließ ihm aber keine Zeit mehr zur langem Auseinandersetzung, denn in demselben Augenblick schritten der Geistliche und der Küster an ihnen vorbei. Felix nahm den Hut ab und machte dem geistlichen Herrn ein sehr tiefes Compliment, welches dieser seinerseits lächelnd mit grüßendem Kopfnicken erwiderte, und auch Gumpel hatte fast mechanisch an seine Mütze gegriffen, um dieselbe, wenn auch nicht mit jenem Anstand wie Felix abzunehmen, so doch bescheiden zu lüften. Nachdem dies vorüber war, gingen «Ke beiden Jungen weiter und eilten N>em Walde zu. Ihre Spiele ließen sie bald an die Begegnung auf der Brücke vergessen, und nachdem sie des Guten genug gethan hatten, pflegten sie wie gewöhnlich im schattigen Walde der Ruhe. Gumpel war vor Ermüdung sogar eingcschlafen, und Felix lag in jener oben geschilderten Attitüde, in welcher er sich inehr mit der Betrachtung des Irdischen als des Himmlischen zu befassen Gelegeilheit hatte. Plötzlich fühlte Felix auf dem Rücken einen kräftigen Schlag. Im ersten Moment der Ueberraschung meinte Felix, sein Freund Gumpel habe sich wieder eilten seiner etwas plumpen Späße erlaubt, und der Spaß sei diesmal nur etwas zu derb ausgefallen; als er sich aber rasch herumdrehte, gleichsam andeutend, daß er sich hiermit die Wiederholung solchen Scherzes verbiete, konnte er sich vor Staunen kaum fassen. Ein ungeschlachter, roher Bauernlümmel stand vor ihm mit einem tüchtig gedrehten Strick in der Hand und sagte: „Ta habt ikr's, verfluchte Juden! weil ihr unsern Heiland, Jesus Christus, gekreuzigt habt." Gumpel war selbstverständlich durch den Knall, den der auf Felix niederfallende Strick verursacht hatte, aus seinein Schlummer erschreckt emporgesahren. Kaum hatte ihn die von dem Bauernjungen ausgestoßene Schmähung über den Charakter der Situation belehrt, als er aufsprang und sich mit Wuth aus den Gegner stürzte. Ihn niederrennen, den Strick ihm entreißen nnd ihn tüchtig durchbläuen, war das Werk eines Augenblicks. Ter gezüchtigte Ballernjunge ging, sobald er den Athletenhänden Gumpel's glücklich entronnen war, fluchend seines Wegs; Felix aber sagte mit unbeschreiblicher Wehmuth: „Weil ihr den Heiland, Jesus Christus, gekreuzigt habt!" „Nun Felix," sagte Gumpel, „siehst du, wohin man kommt mit deiner Höflichkeit; der Klachel da ist gegen uns auch sehr höflich gewesen." „Gehen wir nach Hause," dies war die Antwort, welche Felix dem Genossen ans seine Bemerkung zutheil werden ließ, „gehen ivir, ich Hab' heute hier mehr .keine Freude und keine Geduld." „Du fürchtest dich doch nicht?" fragte Gumpel, „wenn er uns nochmals über fällt, so werd' ich auch dabei sein; ich mein' aber, er wird sich's vergeh'» lassen." „Ich fürchte mich nicht, besonders wenn du bei mir bist", versetzte Felir, und Gumpel's Gesicht nahm dabei einen freudestrahlenden Ausdruck an, „aber komm', ich muß nach Hause geh'»; ich Hab' mit dem pehrer etwas Wichtiges zu reden." Die beiden Knaben machten sich aus den Heimweg und gingen schweigend

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