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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 10

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 10 (sequence 15)
Language
German
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10 Jllustr. Monatsh. für dic ges. Interessen des Judcnthums. Boden. Wenn es aber galt, in die Wette zu laufen, über einen breiten Graben zu springen, einen Baun: zu erklettern u. dgl., so konnte mau auch hundert gegen eins wetten, daß Felix der Sieger bleiben.werde. Felix rannte wie ein Hase und war längst am vorgesteckten Ziel, wenn der dicke Gumpel wie ein abgehetzter Klepper keuchend herankam; Felix° kletterte wie ein Wiesel und sang auf der Krone des Baums mit den "befiederten Waldbewohnern um die Wette, während Gumpel schon von dem ersten Zweig, den er mit Anstrengung erklommen zu haben glaubte, wie eine leblose Masse hinabrutschte; und wenn Felix über einen so breiten Graben sprang, daß er mehr in der Luft zu fliegen als zu springen schien, lag Gumpel gewiß im Graben drinnen, sowie er sich's ciufallen ließ, das Wagestück seines Genoffen nachzumachen. Felix hatte eigentlich an Raufereien, auch wenn sie nur zum Schein, wie zwischen ihn: und Gumpel, aufgcführt wurden, gar keine Lust, und nur aus Gutmüthigkeit, seinem Gespielen den Sieg zir gönnen, ließ er sich zu dem von Gumpel so sehr bevorzugten Kampfspicl herbei, so oft es dieser wünschte; ja er freute sich recht herzlich, daß sein Freund ihm in diesem Punkte überlegen war; es machte Ahm dies seine eigene Ueberlcgenheit weniger drückend. Es ist ein Merkmal stärkerer Geister, daß sie vor dein Schwachem eine Art von Verlegenheit nicht los werden könne». In der Nähe des Städtchens, in welchem die beiden Knaben lebten, lag ein dichter Wald, zu welchem üppige Wiesen dahinführtcn. Hier war Felix' liebster Aufenthalt, mit Ausnahme eines grasbewachsenen Plätzchens mitten im Städtchen, hinter der Kirche nämlich, welches ihm selbst über den Wald ging. Hier hätte man ihn oft während der Messe oder eines Hochamts lauschend sehen können; da zog seine durstige Seele die erhabenen Klänge der Orgel ein, die auf breiten Luftwcllcn aus der Kirche zu ihm herüberwogten. Nie hat man ihn in der Synagoge mit solcher Andacht gesehen, wie man sic hier an ihm hätte wahrnehmen tonnen; das Plätzchen blieb aber ziemlich unbetreten, und er konnte sich hier unbemerkt seiner stillen Freude hingeben. Es muß hier auch bemerkt werden, daß er vor jedem Leierkasten einen fast furchterregenden Abscheu empfand, seitdem Orgelklang zum ersten mal sein Ohr berührt hatte. Sein Freund Gumpel, der ihn auch hierher begleitete, empfand von dem, was in dein Gemüth des sinnenden Knaben vorging, nichts; er war auch viel lieber mit ihm im Wald. Da durfte er reden, springen und kurz alles, was er wollte, thun nach Herzenslust; während er hinter der Kirche seinen entzückten Freund nicht zu stören wagte. Gumpel empfand auf dem Rasenplätzchen hinter der Kirche?ine gewisse unerklärliche Aengstlichkeit, von welcher Felix ganz frei war. Im Walde hingegen fühlten sich die beiden Knaben gleich behaglich und heimisch. Wenn sie aber von ihren Kämpfen und sonstigen Spielen ermüdet sich hinlegteu, im schwellenden Grase unter dein kühlenden Schatten des Baums auszurnhen, da freilich starrte Gumpel gedankenlos in die blaue Luft hinein, während Felix ans dein Rücken liegend träumerisch emporblickte und sein Gehirnchen in allerlei Gedanken und Phantasien herumtrieb, oder er lag ans dem Bauch und betrachtete staunend die kleine bullte Welt von Ameisen, Küfern, Fröschen und Eidechsen, die sich hier in außerordentlicher Geschäftigkeit heriimtununelte. Eines Tags gingeil die beiden Knaben wieder wohlgcinnth in den Wald hinaus. Als sie auf der Brücke waren, die sich auf der Südseite der Stadt befindet, hörten sie wiederholt in regelmäßigen Absätzen ein seines Klingen wie den Ton eines Silberglöckchens. „Komm' zurück," sagte Gumpel ängstlich, „dort kommt aus der Fischergasse der Gallech mit'» Glöck'l." Es war hiermit der Geistliche gemeint, der einen Kranken versehen hatte und von demselben . zu seiner Wohnung zurückkehrte. „Warum," fragte Felix, „sollen wir zurückgeh'n?"! „Weil wir ihm auf der Brücke nicht

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