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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 6

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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6 Jllustr. Morratsh. für die gef. Interessen des Judenthums. verdrießliche Antwort, „aber so komme doch schon einmal dazu und menge nicht so Kraut und Rüben in einen Tack. Erst den Leierkasten und dann den neuen Nock." „Als Felix zum ersten mal in unser Cheder kam", erzählte Schimmele nun, „war cs gerade Nachmittag, wo wir Schrcibstnnde gehabt haben. Der Lehrer linirt ihm ein schönes Kartel Papier, schreibt ihm eine schone Vorschrift lind schneidet ihm eine neue Feder. Felix letzt sich hin, nimmt die Feder, die ihm der Lehrer geschnitten hat, und fängt an. Patz, da liegt ein. Klecks aus dem Papier, so groß wie eine Nnß. Mußt du denn so stark eintunken? fragt ihn der Lehrer. Er aber schmeißt die Feder weg und sagt: Die Feder ist nichts nutz'. Der Lehrer hebt die Feder ans, probirt die Feder und sagt: Die Feder geht sehr gut. — So schreiben Sie damit, sagt Felix, ich kann mit so einer Feder nicht schreiben.— Wie geht sie denn? fragt der Lehrer, denn da es ein neuer Schüler war, zeigte er sich nachgiebig, wie geht die Feder, geht sic dir zu hart oder zu weich? — Die Feder geht schlecht, sagt Felix, ob sie hart oder weich geht, ist mir alles Eins. — Der Lehrer nimmt die Feder und nimmt sein Federmesser, gcrad' hat er sich's damals den Tag vorher neu schleifen lassen, und richtet ihm die Feder. So, sagt er, jetzt wird sie gut gehn, tunk' aber nicht zu tief ein, daß du nicht wieder einen Klecks machst. Felix nimmt die Feder, tunkt ein ms Tintenfaß, wie wenn er hätt' einen Fisch herauozichen wollen, fängt an zu schreiben, patz! da liegt der Klecks wieder auf dem Papier. Jetzt springt dem Lehrer die Galt', der hebt die Hand auf, und flugs hat Felix eine über die Ohren, daß es im ganzen Zimmer gehallt hat. Weißt du, der Lehrer hat damals noch gemeint, der Felix ist so wie die anderen Kinder. Aber kaum hast du dich umgeseheu, war von Felix keine Spur. Ans und davon ist er und nicht wieder zum Vorschein gekommen. Der Lehrer lauft ihm nach bis ans die Gass' hinaus, aber wo war Felix, der war zu Haus und macht sich aus einer alten Schachtel und vier Knopf' ein Wägele fertig, wie der Lehrer gcrad' ins Zimmer tritt. WaS. er mit ihm zu Hause gesprochen hat, weiß ich nicht, aber so viel weiß ich, daß der Lehrer allein und ohne Felix wieder zurückgekommen ist, und Felix wäre gewiß niemals wieder ins Cheder gekommen, wenn der Lehrer nicht andere Saiten aufgezogen hätte. Was, meinst du, hat der gethan? Von Rachels, der alten Köchin, die bei Felix' Aeltern im Dienst ist, hat er erfahren, daß Felix ein ganzer Narr ist, wenn er Musik hört, und daß mau dann alles in der Welt von ihm Habel: kann. Der Lehrer geht und bestellt sich einen Leierkasten; der stellt sich vor Löb Frauk's Haus auf und fangt an Musik zu machen. Kami: saugt der an zu drehen, wer herunter kommt, ihn anzuhöreu, das ist Felix. Der Leiermann war aber schon ahgcrichtet, immer weiter und weiter zu gehen, von einem HauS zun: andern bis zu nnserin Cheder und dort stehen zu bleiben. Wer aber mit dem Leierkasten von Haus zu Haus gegangen und endlich auch bei unserm Cheder stehen geblieben, das war wieder kein anderer wie Felix. Wie der nun da steht und zuhört, geht der Lehrer vor die Thttre hinaus, hört auch zu, fragt den Felix, wie ihn: die Musik gefällt, schmeichelt ihm, und endlich sagt er: Komm' herein, Felix! wenn di: hereinkvmmst, so lasse ich dir den Leierkasten da den ganzen Nachmittag aufspielen. Felix kommt herein, als ob nie etwas vorgegangen wäre, setzt sich zinn Fenster, und Nur haben dir den ganzen Nachmittag Musik. Wir haben nie einen schönen: Nachmittag gehabt, seitdem ich in Cheder gehe. Seit jener Zeit ist Felix wieder in Cheder gekommen wie die andern Kinder." „Und was ist das mit dem neuen Rock?" fragte Srohlc jetzt, den die Geschichte von: Leierkasten nur um so neugieriger gemacht hatte. „Das war noch viel spaßiger. Weißt du," erzählte Schimmele wieder, „die Geschichte mit dem Klecks hat den Lehrer gewitzigt, und er ist seit jener Zeit mit Felix umgegangen, lauter „Hahle-Pttselc", wie nnt eiuem Seidentüchele, er hat sich nicht mehr getraut, ihn anzurührcn;

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