Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Schlüssel. 3 kann sich dann keinen andern Namen geben. Anch mein' ich, daß man seine Jüdischkeit nicht äußerlich als Aushängeschild mit sich herumtragen muß, wenn sie nur innerlich im Gemüth hafteil bleibt, wozu Gott helfen wird. Deshalb ist meine Meinung, wie ich schon gesagt habe, daß du ihm den deutscheil Namen Felix rechtmäßig einschreiben lassen sollst, damit er ihn dann auch führe, lind ich lasse dich nicht fort, wenn du mir das nicht versprichst." Der Mann war gutmüthig und war innerlich ganz bereit, den Wunsch seines WeibeS zu erfüllen, doch konnte er ein lächeln über das kindische Verlangen, wofür er es hielt, nicht unterdrückeil. „Weißt du, mein Kind", sagte er, „wie du mir vorkommst? Wie ein Bräutigam einmal mit seiner Braut in Zank gerathen, weil sie wollte, daß die künftigen Kinder blaue Hoscrl und grüne Jäckchen trageil sollen, er hingegen bestand darauf, daß die Jäckchen blau und die Höschen grün sein müssen. Sie haben aber noch lange Zeit gehabt, daran zu denken, denn der Zank über ihre Meinungsverschiedenheit artete so weit aus, daß sich die Partie ganz auflöstc. Weißt du denn jetzt schon so gewiß, daß unser Kind gerade studireil wird?" „So gewiß, als ein Mensch überhaupt etwas wissen kann, was noch in der Zukunft liegt, und ich bestehe darauf", lautete die resolute Antwort. So ward denn Feiwel mit dem Namen Felir eingeschrieben und allenthalben auch so genannt; lind hiermit hatte die Mutter für den jungen Sprössling den ersten Freiheitskampf erfochten. Ahnte sie vielleicht, daß dessen weiteres Leben sich zu einem Kampfe der Geistesfreiheit gegen verrottete Vornrthcile und finstere Anschauungeil gestalten würde? Wie der Knabe heranwuchs, bemerkte mail zwei stark hervortretende Eigenschaften, ein überraschendes Fassungsvermögen und einen unbezwinglichen Eigensinn; an Kumpel hingegen konnte man eine gewisse Stumpfheit beobachten. Alles ließ er sich ohne Widerstand gefalleil; nur dem Lernen setzte er eine gelinde Hartnäckigkeit entgegen. Aber zu keinem seiner Mitschüler hatte Felix eine so innige lind herzliche "Neigung als zu Gumpel. Wie entgegengesetzte Elektricitäten zogen die beiden Knaben einander an, und sie waren am vergnügtesteil, wenn sie, abgesondert von den übrigeil, miteinander allein sein konnten. Darüber wunderte sich jedermann und am allermeisteil der Lehrer, der es durchaus nicht begreifen konnte, wie ein so aufgeweckter Junge an einem so geisiesträgen Gefallen finden könne; indessen, es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als die Weisheit eines Schlllmonarchen sich träumen läßt. Der Lehrer verglich nur den Verstand, aber auf die Eigen schäften des Herzens achtete er nicht, dafür fehlte ihm der Blick. Felix war von einer Gutmüthigkeit, die seine Geistesanlagen noch weit übertraf, aber von einer Schroffheit nach außen, die oft das Entgegengesetzte der Güte in dem Knaben vermuthen ließ und das vortreffliche Herz jedem, der nicht tiefer als aus die Oberfläche blickte, ver barg. Diese Gutmüthigkeit nöthigte den Knaben aus die Seite des Schwachen, der von allen übrigen Kindern nach dem Beispiel des Lehrers mit Zurücksetzung behandelt wurde. Der Schutz, den Gumpel durch Felix seinen Mitschülern und selbst dem Lehrer gegenüber fand, machte seine Anhänglichkeit ail letzter» hinwiederum ebenso begreiflich. Felix war der Ueberlegene, und diesem folgte er in allen Stücken unbedingt, was ihm manchmal denn auch recht sauer zu stehen kam. Den» Felix erlaubte sich im Bewußtsein seiner Ueberlegenheit manche Freiheiten, welche die andern Kinder niemals gewagt hätten. So stieg er, wenn es ihm einfiel, im tollen Uebermuth, anstatt durch die Thür einzutreten, durchs offene Fenster ins Cheder und zerdrückte nicht selten mit dem Elnbogen ein paar Scheiben; sein Genosse Gumpel, der ihm wie sein Schatten folgte, hinterdrein; aber was er jenem ruhig und ohne Strafe hingehen ließ, indem er gute Miene zum bösen Spiel machte, das ließ der Lehrer diesen nur desto mehr entgelten. Während er über Felix' Narrenspossen scheinbar lachte, bewillkommnete er dessen Freund Gumi*