Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Date
- 1865-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Jllustr. MonaLsh. für die gef. Interessen des JudenthumS. Es kam aus dem „Eheder". Wenn! wir dieses Wort, um es dir verständlich zu macheu, mit „Schule" übersetzen wollten, so hättest du die Wahrheit nur halb. Allerdings wird im Eheder unterrichtet, es befindet sich ein Lehrer darin mit seinen Schülern, und soweit ist e§ eine Schule. Alles Andere aber, was du darin wahruehmeu kannst, von den: in der Ecke lehnenden Kehrbesen, den die Hausfrau immer in Bereitschaft hat, um nach den „Unzochten", wenn sie fortgegangeu, den „Stand" hinauszukehren, und aus welchem sich der „Rebbe" oder der „Bocher"") hier und da eine Ruthe heraiwreißt, bis zu den paar Sack Erdäpfeln, die dort im Hintergründe der dunkeln Kammer übereiuandergeschichtet liegeil, erinnert dich an eine Sebule am allerwenigsten. Darum mache ich dir, theuerer veser, den Vorschlag, bei dem Ausdruck „Eheder" zu bleiben, der, wie viele andere Ausdrücke aus dein „(Ghetto", absolut nicht übersetzt werden kann, höchstens durch: Kammer oder Zimmer, womit aber das eigentliche Wesen des Eheders deinem Verständnis; nicht im mindesten näher gerückt wird. Dieses wird sich dir viel eher dadurch erschließen, daß du mich mit herzhaftem Muth in die dunkele Stube begleitest. Wenn du aber bemerken solltest, daß der Lehrer schlummert, während die Knaben einander an värmen und Toben zu überbieten suchen, so nimm ihm das nicht übel. Er ist den ganzen Tag über in seinem Lehramt thätig, nicht nur in bestimmten, vom (besetz vorgeschriebenen Schulstunden, und er ist vielleicht gewöhnt daran, nach dem Essen einen kleinen „Nappezer" (ein Schläfchen) zu thun. Und weun es teilte die in einer Mühle schlafen können, warum sollte es unser Lehrer nicht in: Eheder können? Ein Druck auf die Thürklinke, und wir sind drinn. Mustern wir die Knaben, wie sie hier um den langen Tisch Herumsitzen, und wenn dir etwas Besonderes an ihnen auffällt, so merk' 'V Rebbe, so viel als Vehrer. Bocher heißt wörtlich: .günglinq, wird aber auch gebraucht um einen Talmudjüuger oder einen ledigen Vebrer zu bezeichnen. eS dir meinetwegen, oder auch nicht, wie du willst. Ich aber, um in der Sprache einer bekannten Schut-Anekdote zu reden, sehe hier zwei Knaben, die nicht da sind. Die schweifen lustig ans dem Felde umher und athmen frei in Gottes herrlicher Natur. Warum sind sic aber abwesend, und wer sind su'- Das letztere isi leicht gesagt; es sind dies: Felix uich Gumpel; das erstere aber läßt sich nicht in so kurze Worte fassen. Gmnpet und Felix sind in demselben Orte geboren, sie waren ungegefähr in gleichem Alter, besuchten dasselbe Eheder und wuchsen miteinander heran; in ihrer GemüthSart verwandt, bildeten sie ihrem Talent und Temperament nach nnansgleichbare Gegensätze. Auch die häusliche Erziehung beider Knaben war eine verschiedene. Schon in den Namen der beiden liegt, so geringfügig der Umstand scheinen mag, ein Merkmal der verschiedenen Erziehungsmethode. Gumpel wurde einfach Gumpel geheißen, weil man nicht einsah, warum er außer Gumpel noch etwas anderes heißen sollte. Der andere Knabe hingegen hieß eigentlich Feiwel; die kluge Mutter aber sagte zu ihrem Mann: „Wenn ich es erleb', daß das Kind herauwachst, so mvcht' ich aus ihm etwas anderes machen als einen Dorfgeher; ich möcht' das Kind etwas werden lassen, daß es in der Welt sich zeigen kann. Sei so gut, mein Kind, thu' mir den Gefallen und laß in die Geburtsmatrikel neben den Namen Feiwel noch den Namen Felix setzen, damit man es den: Kind, wenn es einmal in die Fremd' kommt und meinetwegen studirt, nicht gleich an dem Namen änhört, von welcher Nation es ist." „Narreschkciten!" hat zwar damals ihr Mann erwidert; sie aber hat sich damit nicht zufrieden gegeben und hat gesagt: „Du glaubst nicht, mein Kind, was die Studenten untereinander für Streiche machen; ich weiß das von meinen Brüdern her, die auch studirt haben; ein jüdischer Name dient ihnen zum Gespött und so ein Kind schämt sich dann und kann sich nicht helfen, denn es