Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 495 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2417805-2417806-2417812--509-2418350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Tagesgeschichte. 495 Herr. Ein geheimnißvoller Glaubensfürst." Ferner eine Beschreibung der „Judengasse" in Frankfurt a. M. Westermann's „Deutsche Monatshefte" brachten aus Schröder's Feder einen Artikel „Die Myrthe bei den Hebräern". Das „Magazin für die Literatur des Auslandes" spricht sich über Schiffs „Jüdische Novellen" ungünstig aus. Ein interessantes Unternehmen ist die von der Buchhandlung M. Poppelauer in Berlin mit ebenso viel Energie als Geschick herausgegebene „ Porträt - Galerie hervorragender Israeliten"; Photographien in Visitenkartenformat zu nur 3 Sgr. pro Exemplar. Bisjetzt sind bereits über hundert Porträts publicirt. Wir würden zwar bei der Auswahl der zu porträtirenden Persönlichkeiten, wie auch bei einzelnen (z. B. Josephus Flavins), wo keine verläßlichen Quellen vorhanden, mehr Vorsicht bei Benutzung des vorhandenen Materials wünschen. Doch da keine Subscriptionsverbindlichkeit besteht, kann ja jeder nach seiner Einsicht und seinem Geschmack wählen, und können wir nur lebhaft wünschen, daß die Albums unserer Aristo- und Plutokratie mehr mit diesen als mit Eancantänzerinnen-Photographien gefüllt sind. Thratrr und Musik. Aus dem Werke BLaze de Bury's über Meyerbeer und seine Zeit erfahren wir, daß Meyerbeer einmal mit dem Dichter der Marseillaise, Rouget de Liste, verhandelte, um von ihm einen Operntext zu erhalten. Doch zerschlugen sich diese Verhandlungen wieder. Später trat er mit Balze de Bury, der in der „Revue des äeux mondes" in einer scharfen Kritik der „Hugenotten" dem Maestro die melodische Begabung ab gestritten, sich aber nach längerer Zeit in einen Bewunderer desselben verwandelt hatte, in nähere Verbindung. Blaze de Bury hatte ein Drama: „Goethe's Jugend" gedichtet, zu welchem Meyerbeer die Musik componiren wollte. In diesem Drama kam' der „Erlkönig" vor, das Parzenlied aus der „Iphigenie", Gretchen's Kirchenscene und das seraphische Hosianna aus dem zweiten Theil von Goethe's „Faust". Eine Zeit lang hieß es, das Drama werde an dem Odeontheater zur Aufführung kommen, doch wurde es immer bald aus dem einen, bald aus dem andern Grunde hinausgeschoben. Doch die Eomposition ist vorhanden, das Werk ist fertig. Bei dieser Gelegenheit weisen wir aus eine Aeußerung Goethe's bei Eckermann hin, nach welcher der Dichter keinem andern Eomponisten als Meyerbeer die Eomposition seines „Faust" anvertrauen wollte. Inzwischen hatte der Franzose Gounod mit seiner talentvollen Oper den Vogel abgeschossen und namentlich durch die Kirchenscene Gretchen's gewiß Meyerbeer veranlaßt, die seinige im Pult zurückzubehalten. Bildende Knick. Unter den in Wien ausgestellten hinterlassenen Werken des verstorbenen Malers Rahl befand sich ein Gemälde „Samson und Delilah" und ein Porträt Du. Ludwig August Frankl's. In London war eine Statue „Detilah" ausgestellt, mit deren Auffassung und Ausführung wir uns nicht sonderlich einverstanden erklären können. Hr. Emil Wolfs in Rom hat seine von uns bereits früher erwähnte (I, 103) Statue der „Judith" in vorausgesehener meisterhafter Weise vollendet. Statistik. Die letzte Volkszählung in Hannover lDecember 1864) ergab für dieses Königreich die jüdische Einwohnerzahl mit 12424 gegenüber einer Gesammtbevölkerung von 1,923492, also circa Proc. Der Divisionschef im Ministerium des Handels und der öffentlichen Angelegenheiten, Herr Legoyt, der als ein tüchtiger Statistiker bezeichnet wird, hat ein Memoire über die „Vitalität der jüdischen Rasse in Europa" veröffentlicht, deren Schlußfolgerung wir hier mittheilen wollen: „Wenn wir von der Geistesverwirrung absehen, die man als nicht zu der Gruppe von Krankheiten gehörig betrachten kann, welche die schwachen oder abgenutzten Organisationen betreffen, und die strenggenommen keine Ursache des Todes ist: haben wir gesehen, daß alle durch unsere Sorgfalt zusammengestellten Urkunden eine außergewöhnliche Lebenskraft bei den Juden bekunden. Wie soll man diese merkwürdige Erscheinung erklären? Nachdem Dieterici ihr Vorkommen in Preußen erwiesen hat, glaubt er sie einer größern Mäßigkeit, einer regelmäßigen Lebensweise, reinern Sitten zuschreiben zu müssen. Wir haben gesehen, daß dies gleichfalls die Meinung der Doctoren Neufville, Glatter und Mayer ist. „Die Fälle von Trunkenheit", sagt Dieterici, „häufig bei den Ehristen, sind sehr selten bei den Juden." Diese Regelmäßigkeit, diese Strenge des jüdischen Lebens, diese größere Selbstbeherrschung scheinen ihre, wenigstens indirecte, Bestätigung in der Eriminalftatistik Preußens zu finden, welche bei den Israeliten eine geringere Anzahl von Übertretungen des Strafgesetzbuchs nachweist als bei den Ehristen, wie dies aus folgender Urkunde erhellt: