Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 496 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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496 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. „Einwohner auf einen angeklagten 1857 1858 1861 Juden 172 138 150 Christen 111 117 129. „«Die geringere Sterblichkeit der jüdischen Rasse», sagt Dr. Glatter, «läßt sich, wenigstens vollständig, nicht durch rein biostatische Umstände erklären: man muß den Ursprung derselben hauptsächlich im Einfluß der Rasse suchen.» „«Die Juden», sagt Burdach («Philosophie", V, 399), «liefern uns den Beweis, daß das menschliche Leben mehr Ausdauer durch Mühe und Arbeiten gewinnt, vorausgesetzt, daß die Arbeit nicht von der Natur sei, um den Muth zu brechen und die Willenskraft zu vernichten. Der größere Theil muß in der That in fast allen Gegenden Deutschlands als arm betrachtet werden, und trotzdem ist ihre Sterblichkeit geringer als die der Christen (1 Verstorbener auf 46 Juden und 1 auf 26 Christen in Breslau). Die Hauptursache dieses Unterschieds liegt jedenfalls in dem Umstande, daß die armen Israeliten sich keine Sorge wegen ihrer Armuth machen, die niemals ihre Fähigkeiten erdrückt.» „Was uns betrifft, ohne den Einfluß der Rasse zu leugnen (der uns indeß nicht erwiesen ist), würden wir gern die Ursachen des jüdischen Vorzugs in folgenden Thatsachen suchen: „1) Die Juden scheinen sich in einem frühern Alter als die Christen zu verheirathen. Sie genießen also längere Zeit des heilsamen Einflusses der Ehe; die ofsiciellen Statistiken haben nämlich dargethan, daß in gleichem Alter die Verheirateten eine geringere Anzahl Verstorbener zählen als die Unverheirateten. Von der andern Seite ist man berechtigt, zu glauben, daß in Gemäßheit der Klugheit, Zurückhaltung und Umsicht, welche sie in den wichtigsten Ereignissen des bürgerlichen Lebens charakterisiren, sie sich fast nur verheirathen, wenn sie den Bedürfnissen ihrer neuen Lage genügen können. Sie zählen also viel weniger von diesen unüberlegten, vorzeitigen Vereinigungen, die gleicherweise verhängnißvoll für das materielle Wohl der Gatten wie der Kinder sind. „2) Die Fruchtbarkeit der Heirathen ist geringer bei ihnen als bei den Christen. Sie erhalten also ihre Kinder viel besser. „3) Der Jude übt keinen Beruf aus, der eine mühsame Arbeit erfordert. Er ist weder ländlicher oder industrieller Arbeiter, noch Seemann, noch Bergmann. Er ist vor allem Kaufmann, Händler, Bankier, Künstler, Gelehrter, Literat, Staatsbeamter. „4) Das mosaische Religionsgesetz enthält rein gesundheitliche Vorschriften, die nur einen günstigen Einfluß auf die Gesundheit ausüben können. „5) Das Familiengefühl ist entwickelter bei dem Juden als bei dem Ehrsten. Nur im Fall absoluter Unmöglichkeit, und ohne Unterschied des Ranges, säugt die jüdische Frau ihr Kind nicht. Letzteres ist übrigens, wie die Doctoren Glatter und Mayer constatirt haben, der Gegenstand unermüdlicher Sorgfalt. Es ist wahr, daß die Achtung und Ergebenheit der israelitischen Kinder für ihre Aeltern, besonders für die alten und bejahrten Aeltern, in gleichem Verhältniß mit der rührenden Sorgfalt stehen, deren Gegenstand sie beständig gewesen sind. „6) Die Nüchternheit der Juden ist unbestreitbar. „7) Die jüdische Gemeinde ist für alle ihre Mitglieder von einer großen Mildthätigkeit beseelt. Besonders um Ostern vertheilen noch heute die Reichen eine große Menge ungesäuerten Brotes an die Bedürftigen. „8) Der religiöse Jude thut sich durch eine große Heiterkeit des Gemüths hervor; er hegt festes Vertrauen aus die Vorsehung und auf die hohe Bestimmung seiner Rasse. Die Festigkeit, die Ausdauer des jüdischen Charakters spiegelt sich ganz genau in seinem religiösen Glauben wieder, der seit6000 (soll wol 4000 heißen) Jahren unverändert geblieben ist. „9) Die Moralität der Juden, vom Gesichtspunkt der Beobachtung des Strafgesetzbuchs aus, scheint tatsächlich zu sein, und in diesem Fall wäre sie das Zeichen eines regelmäßigen Lebens, dessen Einfluß auf die Dauer des Lebens unbestreitbar ist. Es kommt übrigens wenig darauf an, ob diese Moralität princi- Piell ist, d. h. ob sie ihren Ursprung in dem religiösen oder philosophischen Gefühl hat, oder ob sie aus der Notwendigkeit für die religiösen, oder anderweitigen, Minderheiten erfließt, sich den feindlichen Majoritäten-gegenüber genau zu überwachen." Für die Redaction verantwortlich: Arnold Hilberg in Wien. Arnold Hilberg's Verlag in Wien. — Xylographie und Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.