Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 479 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Weissagungen des Propheten Jesaias. 479 65 Jahren wird es mit Ephraim aus sein, daß es kein Volk mehr ist. Der Verfasser schließt sich also der Berechnung an, die man von jüdischer Seite ausgestellt hat, daß bei der Angabe von 65 Jahren nicht von der der Zeit des Orakels, von welcher bis zur Zerstörung Schomrons nur höchstens einundzwanzig Jahre verflossen, sondern vom Auftreten des Propheten Amos an gerechnet sei, weil dieser, 7, 11. 17, den Untergang des Reichs Israel verkündet, indem noch 24 Jahre des Nsiahu, 16 des Jotam, 16 des Achas, 6 des Chiskiahu, 65 Jahre gerechnet werden. Jndeß ist diese Stelle ein Einschiebsel, dessen Genesis noch nicht erklärt wurde, Seite 29 war Jesaias Vater zweier Söhne, 7, 3. 8, 3. Aber Jesaias hatte ja drei Söhne, 7, 3 : „Der Rest kehrt zurück", 14.: „Mit uns ist Gott", 8, 3. „Eile Beute, Raube bald". Möglich, ja wahrscheinlich, daß Jesaias gar keine Kinder hatte, und waren diese Namen nur Symbole. Ueber das erste Kapitel Jesaias weiß der Verfasser sowie andere Commentatoren keine rechte und richtige Auskunft und Erklärung zu geben. Wir glauben, dieses Kapitel beziehe sich auf die Tage Manasse's, der nach den Büchern der Chronik die gräulichsten Laster und den abscheulichsten Götzendienst verübte und verüben lieh, nach Babel als Gefangener geführt und endlich wieder auf den Thron gesetzt ward Daß Jesaias unter Manasse noch lebte, gilt nicht nur nach jenem Kern der Sage, nach welcher Jesaias von Manasse zersägt wurde, sondern es heißt ausdrücklich, Jesaias habe die vier Könige Usia, Jotam, Achas, Jecheskia überlebt, Pesachim 87. Nun heißt es zwar am Anfang: Weissagungen von Jesaia des Sohnes Amoz, welche er geweissagt hat über Juda und Jerusalem in den Tagen des Usia, Jotam, Ahas und Chiskia, doch bemerkt schon Rosenmüller sehr scharfsinnig, daß dieser erste Vers, sowie 2, 1. blos bis gegangen, der Sammler der Weissagungen hinzugefügt habe, und dieser Wußte eben die Genesis des ersten und vielleicht der damit zusammenhängenden Kapitel nicht. IV. Die Grundbegriffe der Jesaianischen Prophetie. Ein Grundbegriff der Jesaianischen Prophetie ist die Bezeichnung Gottes als des Heiligen Israels. Sehr plausibel ist des Verfassers etymologische Herleitung des Wortes n-7. Nach der hebräischen Urwurzel verwandt mit -71 .-'n 72 77, die in dieser einfachen Form 1^7 im gewöhnlichen Sprachgebrauch sich verneigen, um seine Ehrfurcht in Geberden zu bezeigen, ferner mit präformativum „anbeten" und sonst in einer ganzen Reihe von Sprachformen z. B. "r 7-2 „sich fürchten" bedeutet, ist für 21^7, das bei Jesaias einmal, 65, 15, transitiv mit dem nee. vorkommt, als Grundbedeutung anzunehmen: „mit Furcht, Ehrfurcht, Grauen, Scheu erfüllen" u.s. w., nur verlangt das angehängte n auch noch eine Erklärung. Vielleicht ist es eine Abbreviatur von Feuer. Das Feuer ist eine Bezeichnung für die Gottheit, „denn der Herr, dein Gott ist ein verzehrendes Feuer". In dem Werk cks verdo miiülieo, welches den Ruf Reuchlin's begründete, spielt das Feuer, als Name Gottes eine wichtige Rolle, denn, heißt es in diesem Buch, war es nicht in der Gestalt eines brennenden Busches, unter der Gott zum ersten mal dem Mose auf dem Berge Horeb erschien? Haben ihn nicht die Propheten das verzehrende Feuer genannt? Meint nicht Johannes der Täufer Gott, wenn er (Matth. 3, 11.) sagt: „Ich taufe euch mit Wasser, der aber nach mir kommt, wird euch mit Feuer Laufen" u. s. w. (S. die Kabbala von Frank S, 8.). '^7 wäre also Ehrfurcht vor Gott. Auch die Rabbinen lösen das 2-7^ zr in zr auf, und das «x wäre also eine Auflösung des frühern -7^-7 - (Jes. 65, 5). Das Oorrslat zu der Bezeichnung Gottes als des Heiligen Israels ist der Begriff des Knechtes Gottes. Die Weissagung, heißt es S. 54, sieht dies Ideal verwirklicht einerseits in dem ganzen Volk seiner hohen Bestimmung nach, insofern es den wahren Gott verehrt im Unterschied von den götzendienerischen Heiden, andererseits, insofern das Volk in seiner empirischen Erscheinung seiner Idee nicht entspricht, die Idealität des Knechtes Gottes in demselben noch nicht zur Realität geworden ist, indem im Schose desselben den Knechten Gottes die Abgöttischen noch gegenüber stehen, in persönlicher individueller Erscheinung. Mit dieser Ansicht, daß unter dem einzelnen Knechte Gottes eine einzelne Person gemeint ist, stimmen manche Rabbinen überein. Gegen die Interpretation zu Gunsten des Ehristenthums polemisirte Aben Esra z. St. und schließt sich der Ansicht der meisten jüdischen Commentatoren an, welche Israel darunter verstehen, indem er auch der rabbinischen Ansicht entgegen tritt, welche den einstigen Messias für den Knecht Gottes hält, und Saadia verwirft, der das K. 52. 53 auf Jirmia bezieht. Das Ende der Wege Gottes mit seinem Volk ist die sichtbare Offenbarung seiner Herrlichkeit vor aller Welt, S. 59. Das ist das letzte hohe Ziel der Wege Gottes, daß auch die bis dahin von der Offenbarung Gottes noch unberührt gebliebenen fernsten Völker die Herrlichkeit Gottes sehen sollen, 66, 18. 19. Das Judenthum unterschreibt dieses als das letzte hohe Ziel und übergibt diese heilbringende Mission dem ganzen jüdischen Stamme der von seinen übernommenen Heilswahrheiten in seiner Zerstreuung immer mehr an die Welt abgibt, bis die ganze geoffenbarte Lehre Eigenthum der Menschheit werden wird. V. Weissagung und Erfüllung. „Kein Prophet wird im Neuen Testament so häufig citirt wie der Prophet Jesaias, der mit Recht als der Evangelist des alten Bundes bezeichnet worden ist." S. 68. Der Herr Verfasser fühlt es, wie diese Erfüllungscitate bei den Haaren herbei gezogen