Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 478 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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478 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Lande wohnte, die zukünftige Heimkehr aus demselben in Aussicht gestellt wird." Wir führen dagegen an: durch Flucht in bösen Zeiten, durch Gefangennehmung bei häufigen Kriegszügen durch das Land seit der Regierung Salomo's, und durch Sklavenhandel muhten schon viele Haufen Israeliten nach fremden Ländern verschlagen worden sein, deren Rückkehr der Prophet ersah; von einem einstigen Exil ist da keine Rede. „Daß dieser Fall vorliegt," heißt es Seite 4 „geht unzweideutig aus den Strafreden des zweiten Theils hervor, die sich sehr bestimmt von den andern Reden unterscheiden, von Kap. 56, 9, an, von wo an der Prophet einen andern Ton, den der Rüge, anstimmt, insofern er in diesen Reden die realen Verhältnisse ins Auge faßt, sein verkehrtes abgöttisches Treiben mit heiligem Ernst straft und die Vergeltung als noch zukünftig ankündigt, während dieselbe mit dem wirklich vorhandenen Exil doch schon thatsächlich eingetreten wäre", u. s. w. Diese Stelle wurde auch von den Anhängern des Pseudojesaias benutzt, indem da zu ersehen ist, daß die Nation blos Vorsteher, aber keinen Opferdienst hatte. Die traditionellen Ausleger wenden dagegen ein, daß ja während des Exils, aus das sich jene Stetten beziehen, dies wirklich der Fall war; aber ihre Stütze auf diese Stelle ist unhaltbar, denn liest man sie im Zusammenhang mit den srühern Versen, so hat der Prophet zuerst die gegen die Rückkehr erhobenen Einwände bekämpft, bestreitet er in dieser Schlußrede die Abgötterei und Lasterhaftigkeit des Volks als den wesentlichen Widerstand der Rückkehr.*) Ebenso verhält es sich mit den andern allegirten Stellen aus dem zweiten Jesaias, was übrigens der conservative Herbst in seiner Einleitung 1, 11.2,15—18, schon hervorhebt und Widerlegt ward; nur den Beweis von dem Wörtchen r-- 52, 1. müssen wir noch entkräften, denn, daß 7-L Babel ist, und nicht Jerusalem, sieht man aus -2**). Außer dem zweiten Theil werden dem Propheten Jesaias noch im ersten Theil mehrere Abschnitte streitig gemacht, und zwar zunächst diejenigen, die sich, wie der zweite Theil auf das babylonische Exil und dessen Ende beziehen, nämlich 13, 1-14, 23. 21, 1—10. 35, 1—10. Allein auch die aller-rationellste Exegese muß eingestehen, daß dies gar nicht nöthig ist. Philippson hat diesem Gegenstände in den Einleitungen zu jedem Orakel ausführliche Erörterungen gewidmet und ist zu dem Resultat gekommen, daß die sämmtlichen Kapitel 1—35 als echt Jesaianisch anzuerkennen sind. Möglich, daß auch die allerdings geistreiche Hypothese des Herrn Verfassers richtig Man muß bedenken, daß bis nach dem babylonischen Exil der Götzendienst in Israel mit geringer Unterbrechung der volksthümliche Cultus war. **) Das 52, N, ist durch das zu erklären, der Prophet drückt sein eigenes Fernhalten von dem unreinen Babel im Geiste aus. ist, daß in dem Ausspruch über Babel die ausdrückliche Bezeichnung Assurs als der in den Gesichtskreis des Propheten getretenen Weltmacht anzuerkennen sei. — Herbst, S. 19—21, beruft sich auf die Sprachähnlichkeit der beiden Theile Jesaias': Die vielen sprachlichen und sachlichen Aehnlichkeiten des zweiten Theils mit dem ersten, namentlich im Gebrauch einzelner Wörter, Lieblingsausdrücke und bildlicher Redensarten, die in anerkannt echten Abschnitten des ersten Theils als Jesaianische Eigenthümlichkeiten erscheinen, weisen auf einen und denselben Verfasser beider Theile hin. Derselbe Beweis wird auch in unserm Buch Seite 19 — 24 mit vieler Sachkenntniß und scharfem Blick geführt. Allein, daß der ganze Charakter im zweiten Theil ein anderer ist als im ersten, das wird in der vor- : liegenden Schrift nicht berührt. In jenem wird Gott immer als der Schöpfer und Erhalter des ganzen Universums angeschaut und von hier aus das besondere Verhältniß zu Israel als dem Volk der Erkenntniß beleuchtet; während in diesem dieses letztere als der Inhalt der Anschauung erscheint und ' von da ab her Blick auf das allgemeine Verhältnis; geworfen wird; in jenem ist die zu-! künftige Verherrlichung Israels der Hintergrund, auf den alle Figuren gemalt werden, um nämlich das Volk zur Rückkehr nach Palästina zu bewegen; bei diesem ist diese doch immer nur ein Fernblick; im ersten Theil knüpft sich die zukünftige Größe und Heiligung Israels an eine Person aus dem Hause Davids, das Jesaias noch vorherrschend vor sich hatte, während sie im zweiten Theile nur allgemein für Israel und die Welt ohne irgendeine Persönlichkeit erscheint; im zweiten Theil wird auf Sabbat, Speisegesetze Fasten u. s. w. Rücksicht genommen, im ersten Theil nicht; der Stil des ersten Theils ist kräftig, gedrungen, bilderreich, in einer eminenten Fülle der Gedanken; der des zweiten Theils ist breit, weitschweifig, wiederholend, ohne kräftige Bilder. (S. Philippson Seite 843 undde Wette, Einleitung, 6. Ausgabe, S. 308). Daß die ausdrückliche Erwähnung des Befreiers, mag man Koresch (Cyrus) als N0N16U pi-opi-iuru oder in seiner appellativen Bedeutung als uoiu6n diAnituclm (Sonne) fassen, eben so unverfänglich als die Erwähnung des jüdischen Königs Josias schon zur Zeit Jerobeam's sei, Seite 24, wurde eben schon vielfach ventilirt. Wir haben demnach in dieser Abtheilung II. wenig Neues und Erhebliches, wenig Üeberführendes und Ueberzeugendes und stehen nur um so fester auf dem logisch-rationalistischen Boden, in welchem die Anschauung wurzelt, daß der Verfasser des zweiten Theils nicht Jesaias sei. 111. Die Zeitverhältnisse des Propheten. Hier werden die Orakel nach den geschichtlichen Ereignissen vorgeführt. Seite 28 heißt es: Aber von nun an (von Jerobeam II.), hieß es nach dem prophetischen Wort, das bei Jesaia 7, 8 aufbehalten worden ist: In noch