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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-09-01 · Heft 6 (September 1865) · p. Seite 477

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 6 (September 1865)
Date
1865-09-01
Page
Seite 477 (sequence 53)
Language
German
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Die Weissagungen des Propheten Jesaias. 477 ausgesprochen ist, erklären. Was die Weissagung über Ephraim und Samaria (9, 7—10,4) betrifft, so steht sie mit den Weissagungen über Juda und Jerusalem in engster Verbindung; an das Orakel, daß das Reich Israel und Syrien vernichtet würden, knüpft sich die Aufforderung, daß Juda sich nicht mit Assyrien verbinden, sondern allein aus Gottes Hülfe seine Zuversicht stellen sollte; was das erste Orakel nur im Allgemeinen ausspricht, stellt das zweite in ausführlichen Umrissen dar. Das 22. Kap., an Jerusalem gerichtet, mit einem Anhang gegen den Sebna, unterbricht allerdings die Reihe der Weissagungen gegen die ausländischen Völker, gehört aber nach Kap. 23. lieber die Aufeinanderfolge oder Anordnung des Einzelnen sind in neuerer Zeit verschiedene Ansichten aufgestellt worden. Während einige nur eine chronologische, andere nur eine sachliche, und wieder andere gar keine Ordnung in dem Buch fanden, (vergl. Gesenius, Commentar über den Jesaias, S. 18) erkannte man endlich, daß sich die Zusammenstellung der einzelnen prophetischen Reden nach chronologischen und sachlichen Gesichtspunkten zugleich richte. Der Verfasser sagt aber S. 8.: In der Reihenfolge der in der ersten Sammlung vereinigten Reden ist eine chronologische Anordnung nicht streng durchgeführt, da der Zeitfolge nach Kap. 6 zu Anfang stehen müßte. Dieser Ansicht ist auch die Mechilta (s. Raschi). Ohne den geschichtlichen Boden zu berühren, sagt aber Philippson sehr gut, will der Prophet, bevor einzelnes gesprochen und ausgearbeitet werde, die großen Basen des Prophetenthums legen. Indem alle Momente hier erst noch ganz im allgemeinen, ohne specielle Ausführung, gehalten werden, sollte damit eine Anschauung der vorhandenen Sachlage und ihrer Consequenzen vom prophetischen Standpunkt gegeben werden^ mit vollem Recht stehen daher diese Weissagungen an der Spitze der ganzen Sammlung, indem nur auf diesem Boden sich das ganze Bauwerk der prophetischen Bestrebungen erheben konnte. Mit dem 6. Kap. findet daher die Berufung Jesaias' ihre rechte Stelle, die durch das Vorhergehende gewonnenen Momente kurz bezeichnend und als Uebergang zum Speciellen und Historischen. II. Die kritische Frage in Betreff der Echtheit des ganzen Buches. Die ganze kritische Frage, sagt derVerfasser Seite 12, läuft auf eine Alternative hinaus, bei der es darauf ankommt, wofür man sich entscheiden will. Entweder ist das Exil der geschichtliche Hintergrund der Weissagung, oder es ist darin der ideale Standpunkt gegeben, von dem aus er die herrliche Zukunft schaut und vorausverkündigt. Da der Verfasser diesen Punkt zu wenig beleuchtet, sodaß es scheint, daß die Alternative auf beiden Wagschalen gleiches Gewicht habe, so wollen wir darüber ausführlicher als der Verfasser sein. Es ist unmöglich, daß ein Schrifsteller oder Prophet seine individuelle Lage und sein Zeitalter je ganz verleugnen kann, daß nicht seine Zeit und seine Lage wenigstens hier und da, wäre es auch nur schwach, durchgeschimmert hätte. Im ersten Theil Jesaias' ist dies der Fall; im zweiten Theil dagegen wird immer eine andere Welt und ganz ein anderer Himmel vor den Augen der Leser ausgebreitet. Die Bilder der genannten Abschnite sind nicht, sagt Eichhorn, allgemein, sondern äußerst speciell, das Exil und die dasselbe begleitenden Umstünde sind bis ins tiefste Detail herab verfolgt und in so zufälligen, oft unbeträchtlichen Zügen nach einer historischen Wahrheit dargestellt, die sich dann erst erreichen läßt, wenn man das Elend, das man zu schildern hat, nicht erst ahnet, sondern schon fühlt, nicht als zukünftig Voraussagen darf, sondern schon erlebt hat. Und wie käme es doch, wenn Jesaias oder ein anderer alter Prophet der Verfasser wäre, daß derselbe in dieser langen Reihe von Schilderungen und trostreichen Verheißungen die sonst gewöhnliche prophetische Manier so ganz hätte vergessen können, daß er nicht Umstände seiner Zeit zur Grundlage seiner Bilder gewählt, nicht gegenwärtiges Elend zur Darstellung des künftigen gebraucht und nicht in gegenwärtigem Glück das Glück künftiger Zeiten hätte fühlen lassen? Betrachten wir ferner das Gemälde Zug für Zug. Zuerst tröstet der Prophet nur im allgemeinen, als noch keine Ahnung von der Befreiung der Juden war (40.) Als Eyrus die Waffen ergriff, werden die Vorstellungen eindringender und spezieller, der Sieger wird mit Namen genannt; der Lauf der Siege nähert sich dem Aufenthalt der Exulanten immer mehr, der Prophet tröstet das Volk mit neuen Orakeln! Solchergestalt sind die Bilder undSchilderungen, wie bei allen Propheten, aus ihrem Zeitalter und ihrer individuellen Lage geflossen. Der Prophet bleibt Prophet, wenn er auch das verkündigt, was zwar nahe vor ihm lag, was aber niemand mit Zuverlässigkeit wissen konnte. Viele Zweifel sind dadurch gelöst, viele Schwierigkeiten gehoben, viele Fragen beantwortet, die man sonst nicht lösen, nicht heben und beantworten kann. Es würde uns zu weit führen, diesen Gegenstand vollständig auseinander zu setzen, aber der Herr Verfasser hätte diese logisch-rationalistische Ansicht vor allem entkräften sollen. Gehen wir zu den Widerlegungen des Verfassers über. Er sagt: „der andere Fall ist möglich, weil sich dafür in den frühern, unllezweifelt echten Reden offenbare Analogien finden, vornehmlich in der Rede 10, 5—12, 6". Der Herr Verfasser wolle aber bedenken, daß diese Orakel von Assyrien reden, welchem Volk kein Staat bisher widerstehen konnte, und welches auch Jerusalem züchtigen wird; ist dies ein Orakel außerhalb der Zeit, auf Jahrhunderte hinaus? „Man vergleiche insbesondere," sagt der Verfasser weiter, „11, 11—16, wo gleicherweise das Exil für die prophetische Anschauung schon vorhanden ist, insofern dem Volk, da es noch in seinem

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