Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 476 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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476 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Literatur. KrcenZiomn. Die Weissagungen des Propheten Jesaias. Prolegomena zu einem neuen Handbuch der Auslegung, von vr. F. Hoffe. (Berlin, Wiegandt und Grieben, 1865.) Jesaias, oder nach den HX. Hesaias, oder wie ihn die Vulgata nennt, Jsaias, ist der erste in der Reihe der großen Propheten. Im Talmud zwar gehen ihm Jeremias und Ezechiel voraus (B. Batra 14, 2), und die zwölf kleinen Propheten folgen ihm unmittelbar nach, woraus, damit wir es sogleich sagen, die Kritik so argumentirte: Jene, Jeremias und Ezechiel, sollten voranstehen, weil die Orakel mit ihrem Namen auch die Identität des Verfassers zu einer Einheit verbanden. Auf sie sollte Jesaias folgen, weil er blos eine Blumenlese der prophetischen Poesie enthielt, deren Verfasser, wenn sie gleich, bis auf Jesaias, alle dem Namen nach unbekannt waren, dennoch alle älter waren als einige der zweiten Anthologie (die zwölf kleinen Propheten). Das Buch der zwölf kleinen Propheten sollte den Beschluß machen, weil die letztern auf dieser Rolle weit jünger waren als die unbekannten Verfasser der unter Jesaias' Namen gesammelten Orakel und um die Zeit der Sammlung selbst lebten; eine Argumentation, worauf auch Nachmann Krochmal großes Gewicht mit der Hinzufügung legte, daß die Nabbinen es angemessen fanden, diese kritische Entdeckung nicht offen und frei auszusprechen (More Nebuche haseman. Lemberg 1863 S. 83)*); allein, daß diese krypto-Pseudo-jesaianische Ansicht bei den Nabbinen keinen Eingang fand, ersieht man aus Makkot 24, wo es heißt: Jesaias führte die Gesammtreligion auf zwei Principien zurück: „So spricht der Herr, bewahret Gerechtigkeit und übet Wohlthätigkeit" 56. Daß die masoretische und gewöhnliche Reihenfolge, die frühere und ursprüngliche sei, erhellt schon aus Sirach 48, 25—28; 49, 8—12. — lieber diesen „Hohenpriester des alten Prophetenthums" und des „Königs der Propheten", einen Titel, den ihm der Inhalt seines Buchs erworben, handelt die vorliegende Schrift. In einem Vorworte registrirt der Verfasser die diesbezügliche Literatur. Er nennt Rosenmüller, Gesenius, Maurer, Hitzig, Ewald, Knobel, Hendewerk, Hensler, *) Dasselbe sggt er auch von Aben Esra; allein dieser schreibt ausdrücklich (Jes. I) das 50 Kap. Jes. zu .^2^ ""5 2*^2 NIT! Umbreit. Wir vermissen in diesem Verzeichniß E. Henderson, einen gelehrten Engländer, welcher das Buch Jesaias übersetzte und commentirte (London 1840), und zwei hervorragende Deutsche,nämlich Fr. Rückert, welcher den zweiten Theil dieses Buchs übersetzte (Leipzig 1831) und Philippson. Luzzato's Jesaias mit italienischer Übersetzung und hebräischem Commentar ist erst im Werden. Der Verfasser bezeichnet ferner Döderlein als den ersten, welcher in seiner mit Anmerkungen begleiteten lateinischen Uebersetzung (3. Auflage 1789) die Echtheit des zweiten Theils in Zweifel gezogen hat; indessen gebührt die Priorität Johann Gottfried Eichhorn (Leipzig 1787, zweite Auflage), in dessen Fußstapfen die meisten Neuern in dieser Hinsicht getreten sind. Gehen wir zum Inhalte dieses uns vorliegenden Buchs über, um zu beurth eilen, inwieweit es dem Verfasser gelungen, ein Handbuch vorzubereiten, „das nicht allein durch Darlegung des buchstäblichen Sinnes nach den Regeln der grammatisch-historischen Auslegungskunst zum Verständnis; des prophetischen Worts Anleitung gibt, oder durch linguistische, kritische und historische Untersuchungen zu gründlicher Beschäftigung mit dem Grundtext anregt und zu genauer Erforschung der geschichtlichen Verhältnisse, soweit dieselben das richtige Verständniß des ursprünglichen Sinnes mit bedingen, die erforderlichen Dienste leistet, sondern auch durch umfassende chronologische Untersuchungen oder vornehmlich durch eine angemessene Uebersetzung die Majestät des prophetischen Werks zur Anschauung bringt" u. s. w. I. Die Zusammensetzung des Buchs des Propheten Jesaias, Die Überschrift 1,1): „Weissagungen von Jesaias, dem Sohne des Amoz, welche er geweissagt hat über Juda und Jerusalem" u. s. w., sagt der Verfasser, wird als Titel des ganzen Buchs in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung angesehen werden müssen, indem der Einwand, der gegen diese allgemeine Beziehung desselben aus dem Zusatz „über Juden und Jerusalem" hergenommen wird, womit die Weissagungen über auswärtige Völker ausgeschlossen zu werden scheinen, sich durch die Bemerkung erledigt, daß die Überschrift, streng genommen nicht einmal zu der ersten Sammlung passen würde, da in dieser auch eine Weissagung über Ephraim und Samaria (9, 7 — 10, 4) enthalten ist, während unter den Aussprüchen auch ein Ausspruch über Jerusalem (22, 1—14) und über den Haushofmeister Sebna in Jerusalem (V. 15 —25) Aufnahme gefunden hat. Wir müssen uns gegen den Verfasser, und für die herkömmliche Ansicht, welche auch in der Mechilta z.St.