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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-09-01 · Heft 6 (September 1865) · p. Seite 455

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 6 (September 1865)
Date
1865-09-01
Page
Seite 455 (sequence 31)
Language
German
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Vor dem Gewitter. 455 Und was ist wol geschenkte Freiheit? Ein Strahl, den euch in königlicher Huld Die Sonne hat gesandt durch ihren Boten, Doch gab ihn dieser einem andern weiter. Der gab ihn wieder einem, bis er euch Von einer Kohle wird gegeben; Ein Tropfen Wasser ist sie, den der Nachbar Euch schenkt aus euerm eignen klaren Brunnen, Dessen er eure Väter einst beraubt hat. Ich hol' mit eignen Händen Den Strahl mir von der Freiheitsonne, Die in dem Innern meiner Seele leuchtet; Mit festem Schritte will ich vorwärts wandeln Auf-jener Bahn, die ich mir selbst befohlen habe. Studenten. So sei auf deiner Bahn auch unser Leiter, Wir sind dir treu ergebene Begleiter. B a r u ch. - So höret! Und finden meine Wort' in euern Herzen Nicht gleichen Wiederhall mit gleicher Stimme, Wenn ihr nicht ruft: ei, seht den Plagiator, Er gibt für neu die alte Offenbarung, Die längst schon ist in unfern Geist gedrungen: Dann könnt ihr nie und nimmermehr begreifen Das Wort, das mir im Innern ist erklungen; Grabt nicht mit Grübelns rost'ger Egge In meiner Worte sonnenklarem Feldes Wenn ihr nicht gleichen Sinn habt einzusäen, So könnt ihr nie ein klar Verständniß ernten. Mit glühem Wissensdrang Hab ich gefragt: Was wird, o Weltengeist, der Menschensohn Mit seinem ew'gen Kampfe wol erringen? Auf Wolkenhöhen steht des Menschen Urbild, Die unnahbare Gottgestalt! Ist es ein Leib, der Geist geworden, Ist es ein Geist, der sich zu Leib verdichtet? So steht es da in heil'ger Doppeleinheit, Der Fleisch gewordne Zweifel: Ob im Geschöpf nicht selber sei der Schöpfer! Und auf des Berges steiler, fels'ger Mitte, Da klimmt ein alter, rastentwohnter Pilger, Bedeckt mit vielfach bunt geflicktem Mantel, Bedeckt mit tausend Narben, tausend Wunden, Die er auf wüsten Wegen sich geholt hat, Die er im Wahnsinn selber sich geschlagen:. Der Mensch ist's, durch die Weltgeschichte pilgernd. Er klimmt und ringt und streckt die Arme Nach seinem Urbild auf den Wolkenhöhen, Und singt das alte, ew'ge Klagelied: ^ann endlich wird es Weichen, Das alte, ew'ge Wehe, Wann werd' ich dich erreichen, Mein Bruder in der Höhe? Du magst die Arme breiten, Den Bruder zu umschlingen, Nicht kann ich vorwärts schreiten, Trotz allem ew'gen Ringen; Des Weges Stein' entweichen Dem Tritte meiner Zehe, Ich kann dich nicht erreichen, Mein Bruder in der Höhe. Und meine Frage schleudert' ich zum Himmel, Und in die Seele scholl mir's geisterstimmig: „Dem Menschensohn, der nach dem Urbild pilgert. Wird Freiheit, wenn er dieses Ziel errungen." So zieht es mich denn hin zum Idealen, Weil es die menschgewordne Freiheit ist, Die ich durch eigne Kraft erringen kann; Dann bin ich frei wol ohne Königswort, Dann bin ich frei und kann befreien helfen. Die Nüchternen. Steig hoch, du singendes Genie, Und brich nur nicht die Beine; Dich hat die tolle Poesie Gelockt mit Jrrlichtscheine; Und weil der Menschheit Flaus zerfetzt Ist, willst du Narr ihn flicken? Du bist ja selbst genug gehetzt, Mußt auf dich selber blicken. Heli. Wie das Gesindel kräht, Weil eine Sonn' ersteht! Zodik. Du suchst den Gott in dir und zweifelst. Ob im Geschöpf nicht selber sei der Schöpfer! Ha, welcher Frevel, der die ew'ge Kluft Muß bilden zwischen mir und seinesgleichen. Baruch. Du gibst ereifert mir den Scheidebrief Und allen, die mit eignem Geiste denken; Das ist das alte Uebel, dran ihr kranket, Ihr frommen Hirten gläubig frommer Schafe; Ihr schickt den Pfasfenfluch, den wilden Wolf, Anstatt den treuen Hund, das milde Wort, Dem glaubensirren Lamme nachzusenden. Heli. Nun Hab' ich's endlich satt, Ihr tapfern Zungenfechter! Euch schreit ihr da die Kehlen matt, Uns reizt ihr zum Gelächter; Wir sind zu zechen kommen. Und nicht zu leid'gem Streite Der Heiden und der Frommen, — Das taugt für alte'Leute. Du bist ein Freigeist, Freund, Und du bist von den Pfaffen, Und das Gezänke zwischen beiden. Der alte Freudenfeind, Gehört für lendenlahme Lasten, Hier wenigstens müßt ihr's vermeiden. Was wollt ihr weiter sagen? Wollt ihr im letzten Lustmoment Euch mit der Zukunft Plagen? Das Ziel, wonach ihr beide rennt. Ein jeder dieser Herren kennt;

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