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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-09-01 · Heft 6 (September 1865) · p. Seite 448

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 6 (September 1865)
Date
1865-09-01
Page
Seite 448 (sequence 24)
Language
German
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448 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Verweigerung ebenso wie auf Hochverrats», auf Preßvergehen ebenso wie auf Betrug. Da die Revolutionstribunale keine Mittel hatten, eine geringe Strafe zu verhängen, so verhingen sie die größte. Sie konnten nicht die Schuldigen einsperren oder verbannen, so ließen sie sie dolchen oder hängen. Die Ohnmacht führte sie zum Terrorismus, und so wurde die heroische Bewegung, welche in der ersten Zeit ihres Ausbruchs eine fast ungetheilte Sympathie weckte, ein Gegenstand des Abscheus und des Schreckens aller jener, denen der Meuchelmord durch nichts gerechtfertigt erscheinen und der Zweck die Mittel nicht heiligen kann. Die Männer, welche die Freiheit proclamirten und die Tyrannei angrisfen, übten eine noch härtere, eine noch rücksichtslosere Tyrannei und traten alles nieder, was sich ihnen nicht unterwerfen wollte! „Gehen Sie, mein Kind", sagte der Graf, der gern die Scene säubern wollte, „und seien Sie überzeugt, daß wir für Ihren Bruder das thun werden, was wir sollen." „Und was wir thun sollen," fährt er fort, nachdem sich die Thür hinter Hermine geschlossen, „ist, ihn dort zu lassen, wo er ist. Ich will zugeben, daß wir vielleicht übereilt gewesen, ein Todesurtheil zu fällen, obschon mir die Sache durchaus nicht klar und am Ende in Zeiten des Kriegs ein Menschenleben entwerthet ist; doch müssen wir die durch die moskowitischen Behörden vollzogene Arretirung Goldheim's durch die uns zu Gebote stehenden Mttel eher prolongiren als aufheben lassen. Es war ein außerordentlicher Misgriff, in die Hand eines Juden ein Geheimniß zu legen, das Rußland gern mit einer Million abkaufen würde; es war ein leichtsinniges Vorgehen mit den theuersten Interessen des Volks, eine Person hineinzuziehen, die weder Patriotismus noch Vaterland hat, und die sich früher oder später für die Dienste bezahlt machen wird, die sie leistet. Hat die russische Polizei den Mann abgefangen, nun wohl, so lassen wir ihn ihr und seien wir froh, daß es so gekommen, bevor an uns ein Verrath oder ein Betrug begangen worden, die nicht ausbleiben würden." „Und wenn der Mann uns jetzt verriethe, um seine Freiheit zu erkaufen, wenn wir sie ihm nicht kaufen?" fragt Marinski. „Wenn er uns nicht schon verrietst, so wird er uns bis morgen nicht verrathen, und morgen bringen unsere geheimen Journale kleine Apotheosen über den jüdischen Märtyrer, der für die gute Sache im Kerker schmachtet, wodurch zwar Goldheim in den Augen der russischen Behörden nicht sonderlich gerechtfertigt erscheint, er sich aber, wenn wir ihm einige Blätter zustecken lassen, eitel wie er ist, gehoben und zum Widerstand gekräftigt fühlen wird. Aurelia sendet ihm eine Haarlocke, eine andere Dame schickt ihm eine Blume, und so wird er treu erhalten, ohne weiter in unfern Angelegenheiten eine Hand zu haben. So gebietet es die Vorsicht. Es wird vielleicht nicht nach dem Geschmacke unsres Republikaners, des Barons Marinski sein, vielleicht ist es auch nicht human oder gerecht, jedenfalls aber ist es klug." „Ganz richtig!" stimmen die andern ein. „Und Aurelia? Was sagt Aurelia?" fragte Baron Marinski. „Ich meinerseits", erwidert die Dame, „wäre herzlich froh, nicht länger Komödie spielen, Gefühle heucheln und Albernheiten anhören zu müssen, die mir zuwider sind. Ich glaube, daß die Beseitigung Goldheim's kein sonderlicher Verlust für unsere Sache sei. Mir hat das Todesurtheil blos widerstrebt, aber für die Ausschließung bin ich durchaus, und daß wir — fügte sie lachend hinzu — nicht illoyalerweise durch Gegenschritte uns der russischen Polizei undankbar erweisen, die uns einen solchen Dienst durch die Entführung jenes Mannes erwiesen!" „Ganz gewiß!" ruft Kronvwski mit einem triumphirendenBlick auf Marinski, der den Kopf auf der Hand mit finsterem Ernst dasitzt und den Kampf aufgegeben zu haben scheint. „Ganz gewiß. Wozu einen Fehlschritt, den wir gemacht, wiederholen und eine Person, die uns allen misliebig war, abermals

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