Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 445 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Warschau zur Zeit der letzten Bewegung. 415 etwas zu* verrathen wir kein Recht haben. Wir theilen dies nur mit, um dem Lesepublikum eine Freude zu machen, denn etwas Gutes kann inan sicherlich erwarten. Wie in seinen Kritiken, von denen wir oben sprachen, ist Kompert in seinen mündlichen Urtheilen über ^andere sehr mild, und ein Zug von Eleganz verläßt ihn nie, die jedes unsanfte Wort, wie jede unsanfte Berührung fürchtet, wie ein Mädchen, welches auf den Fußspitzen hüpft und das neue Kleid ängstlich in die Höhe hebt, um es rein und unbefleckt zu erhalten. Keusch ist er wie ein Mädchen und besonnen wie ein — Mann. Die Mm in WllMhM M Zeit der Wen DetnegunA. Novelle von Leo Härcherg-Frankel. (Schluß.) Kaum in seinem Hause, schleicht sich der alte Mann, von niemand bemerkt, in sein Bethaus; mit einem raschen Blick hat er unter einem tiefbedeckten Tische die Werkzeuge entdeckt, mit denen seine Kinder im Dienst der Revolution arbeiten, und mit einer vor Aufregung zitternden Hand legt er, während zwei heiße Thränen ihm die bleichen Wangen Hinunterrollen, den Brand in den geweiheten Raum, daß es aufflackert und die Flammen gierig um sich fressen. Vorsichtiger noch, als er kam, schleicht sich jetzt der arme Mann über den Hof — ein Verbrecher in seinen alten Tagen — in seine Wohnung, wo er zusammenbrechend in einen Lehnstuhl fällt und mehrere Minuten in dumpfem Brüten fast geistesabwesend dasitzt. Jetzt ertönt von unten herauf Feuerlärm, und als wäre Goldheim ins Herz getroffen, schnellt er auf; es ist die offene Verkündigung seines Verbrechens, der Schreckensruf über seine schwarze That. Unten hat sich die Menge zusammengerottet und Hunderte von Händen arbeiten, das entfesselte Element zu besiegen, das das schöne Nebengebäude rasch in einen glühenden Kohlenhaufen verwandelte und die Beweise des Hochverraths begrub, nach denen schon in der nächsten Minute gesucht werden soll. Noch prasseln die Flammen und schon erscheint, geführt von Kuriloff, eine Abtheilung niederer Polizeibeamter und Soldaten im Hause des Herrn Goldheim, nach einer geheimen Presse zu suchen, von deren Existenz der Polizei eine Anzeige gemacht wurde, die der Beamte nicht ünbenutzt lassen durste, wollte er sich nicht dringend verdächtigen. Es wird in allen Winkeln des Hauses gesucht, alle Behälter werden geöffnet, die Dielen theilweise ausgerissen; bis in die dunkelsten Keller und das kleinste Dachkümmerchen steigen die cicherheitsorgane — erfolglos! Blvs einige Bücher, Broschüren und Photographien, die nicht das Xcliuittntur der Censur haben, fallen in die.Hände der Commission. Karl und seine Schwester, sprachlos vor Staunen und Unruhe über die Vorgänge, die sich so rasch vor ihnen abgezponnen, ohne zu ahnen, was den Vater ins Schloß gerufen, wer den Brand im Bethause entzündet, wer die Polizei ins Haus geschickt habe, stehen da mitten im wirren Haufen der von den Dienern beim Ausbruch des Feuers zusammengeballten Mobilien lind wissen nicht, was sie zu denken und zu fürchten haben. Hermine besonders ist wie geknickt unter der Wucht dieser Ereignisse; ein zartes Kind, ist sie nicht fähig, den Harnisch zu tragen, den man ihr aufgesetzt, unter dessen Schwere sie zusammenbricht. Der alte Goldheim steht an einem Fenster, scheinbar in den Anblick des Feuers versunken, das im Hose unten noch nicht ganz besiegt ist, in Wirklichkeit aber den Polizeibeamten erwartend, der im obern Stock seine Nachforschungen hält. Endlich kommt Kuriloff durch das Zimmer des alten Mannes. Er ist allein; seine Leute haben bereits den Ausgang gewonnen und erwarten auf der Stiege ihren Vorgesetzten. „Auf ein Wort, Freund!" redet ihn