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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-09-01 · Heft 6 (September 1865) · p. Seite 444

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 6 (September 1865)
Date
1865-09-01
Page
Seite 444 (sequence 20)
Language
German
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444 Jllustr. Monatsh. für die ges. Proceß. Kompert war nämlich seit! mehrern Jahren gemeinschaftlich mit Wertheimer Herausgeber des früher schon erwähnten „Jahrbuchs für Israeliten." In dem betreffenden Jahrgang hatte vr. Grätz eine Abhandlung veröffentlicht, welche die wiener „Kirchenzeitung" als gegen die Lehren des Christenthums sowol als des Judenthums bezeichnet?, indem der Messiasgedanke daselbst eine andere Auslegung gefunden haben sollte, als welche mit den in diesen beiden Religionen herrschenden Anschauungen vereinbarlich ist. Der Redacteur der Kirchenzeitung, der eifrige I)r. Sebastian Brunner, führte nun gegen Kompert als den Herausgeber die Anklage wegen Verbreitung religionsfeindlicher Anschauungen. Kompert ging-aber als Sieger aus diesem geistigen "Kampfe hervor; und dieser Sieg wurde allerorten mit Freude vernommen. Auch bei dem in demselben Jahre stattgehabten Jubiläum des inzwischen verstorbenen Predigers Mannheimer war Kompert der Verfasser und Sprecher der Festrede. Das Jahr darauf (1864) führte Kompert als Vorstandsmitglied und Gründer des wiener Zweigvereins der Schillerstiftung zum zweiten mal nach Weimar dem Vorort —, wo ihm vom Großherzog abermals die schmeichelhafteste Aufnahme zutheil wurde. Gegenwärtig ist bekanntlich Wien der Vorort und Kompert zweites Vorstandsmitglied. Kompert, der sich schon des Zweigvereins mit allem Eifer angenommen, ist, wie sich dies beinahe von selbst versteht, für die Idee der Schillerstiftung von dem edelsten Enthusiasmus beseelt, und wie wir hoffen, daß unterHal m's und seiner Präsidentschaft der Verein gedeihen werde, so wünschen wir auch aufrichtig, daß den beiden Männern jene Kränkungen erspart bleiben mögen, welche in der Regel der Lohn und Dank für die edelsten und humansten Bestrebungen zu sein pflegen; denn es gibt immer Kläffer, denen es eben niemand recht machen kann, und oft aus keinem andern Grunde, als weil sie das wirklich Rechte gar nicht wollen. Wir sind mit der Darstellung von Interessen des Judenthums. Kompert's äußerem Lebenslauf zu Ende, und es erübrigt uns nur noch in einigen kurzen Strichen den Eindruck zu schildern, den er rm persönlichen Verkehr' macht. Eine eigenthümliche Mischung von Schroffheit und Weichheit drückt sich in seinem persönlichen Verhalten aus; anfänglich ist er höflich, fast kalt, sehr förmlich, wahrscheinlich infolge vieler Belästigungen; sieht er aber erst einmal, mit wem er es zu thun hat, fesselt eine gemachte Bemerkung oder sonst ein Urtheil seine Aufmerksamkeit, so verliert sich die Förmlichkeit und der Ton wird ein warmer; dann öffnet auch er die Lippen und spricht, wie man es von ihm nach seinen Erzählungen erwartet. Gegen Lob und Tadel seiner eigenen Werke ist er keineswegs unempfindlich; erhört genau auf Urtheile, die man sich gegen ihn über ihn erlaubt, und stimmt entweder leise zu oder bekämpft eine Ansicht mit Wärme. Einen angenehmen Eindruck macht es ihm, wenn er sieht, daß er von jemand ganz verstanden wird, wenn nichts übrig bleibt, was der Aufhellung bedürfte; denn das ist einmal richtig, daß Kompert dem Mißverständniß wie keiner ausgesetzt ist. Es war für mich rührend, ihn über diesen Punkt zu sprechen. Er selbst sagte mir, er sei mit seinen Arbeiten in einer Sackgasse. Er habe seine Erzählungen für das deutsche Volk geschrieben; der Durchgang von seiner Gasse auf den offenen Markt hinaus werde aber nicht von jedermann gesehen, während ihm dieser Berührungspunkt ganz klar vor Augen liege. Und doch fühlt er bei alledem, daß er dennoch den richtigen Weg eingeschlagen; denn er hat, wie sich nicht leugnen läßt, eine Eigenthümlichkeit, eine Specialität, was immerhin mehr Werth hat, als ein, wenn auch begabter, Nachtreter einer bereits ausgebildeten Richtung zu sein. Er hat sich seine Richtung selbst geschaffen. Kompert ist über den Werth seiner Erzeugnisse durchaus nicht im Unklaren. Er weiß, was er will. Gegenwärtig ist er mit größern Arbeiten beschäftigt, über welche im vorhinein

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