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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-09-01 · Heft 6 (September 1865) · p. Seite 443

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 6 (September 1865)
Date
1865-09-01
Page
Seite 443 (sequence 19)
Language
German
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Leopold Kompert. 443 Goldschmidt, Procuraführer des Hauses Rothschild. In diesem Hause blieb er fünf Jahre und hatte genug Muße, sich seinen künstlerischen Arbeiten rückhaltslos hinzugeben. Im Jahre 1857 wurde er Beamter der Kreditanstalt. Bald darauf verheirathete er sich auch mit einer vortrefflichen Frau (sie war Witwe), die ganz dazu geschaffen ist, dem Dichter jenes häusliche Stilleben zu begründen, wie es seinem Wesen und Temperament allein zusagt. Air öffentlicher Anerkennung hat es Kompert seit seinem ersten öffentlichen Auftreten nie gefehlt. Die Kritik hat seine Leistungen stets in der ehrendsten Weise ausgezeichnet. Die jenaer Universität beehrte ihn wegen seiner literarischen Verdienste mit dem philosophischen Doctordiplom.' Im selben Jahre fand in Weimar die Enthüllung des Goethe-Schiller- Denkmals statt. Kompert, der dahin reiste, fand auch von seiten des Großherzogs die schmeichelhafteste Aufnahme. Diesem sind die erst jetzt erschienenen „Geschichten einer Gasse" zugeeignet. Im Jahre 1858 ging Kompert nach Paris und trat auch hier in den Salons nicht als ein Unbekannter auf, sein Ruf war ihm vorangeeilt und hatte ihm überallhin den Weg gebahnt. Im Jahre 1859, als Deutschland seinen edelsten Genius feierte, regte Gutzkow die Idee der Schillerstistuug an. Wer in Wien diesen Gedanken mit der größten Begeisterung aufnahm, das war Kompert, und in der That ist er als der Gründer des wiener Zweigvereins der Schillerstiftung anzusehen. Auch zur journalistischen Thätigkeit kehrte Kompert noch einmal zurück. Die Verhältnisse batten sich wieder anders gestaltet, und so übernahm Kompert im Jahre 1861 wieder die Redaction des Feuilletons der „Oesterreichischen Zeitung", die später in die „Constitutionelle Oesterreichische Zeitung" umgewändelt wurde. Wieder war sein Hauptaugenmerk auf die Theaterkritik gerichtet, mit der er sich auch jetzt noch, nachdem er die Leitung des Feuilleton wieder aufgegeben, als Mitarbeiter dieses Blattes gern besaßt. Seine Leistungen auf diesem Gebiet zeichnen sich besonders durch milde und schonende Urtheile aus. Kompert ist eine sanfte Natur und thut nicht gern Weh. Man möchte es fast nicht glauben, daß derselbe Mann, der in seinen Erzählungen so schneidende Wunden bloßlegt, der den Schmerz sozusagen als ein Meister zu analhsiren versteht, in dem Moment, wo es sich um fremde Kunstleistungen handelt, nicht das Herz hat, einen tiefen Schnitt zu machen und etwas Herbes und Verletzendes zu sagen; doch muß man nicht meinen, daß er hierüber nicht der Wahrheit gerecht werde, seine Milde liegt weniger im Urtheil selbst als in der schonenden Art und Weise, wie er es vorbringt, und da er ein Meister im Stil ist, so weiß er manches Harte zu verschweigen, indem er die bessern Seiten hervorhebt, und versteht es selbst den Tadel so auszudrücken, daß er noch halb wie ein Lob aussieht. Im Redactionsbüreau der „Oesterreichischen Zeitung" war es auch, wo der Verfasser dieser Studie mit dem berühmten Erzähler aus dem „Ghetto" zuerst in persönliche Beziehung trat. Allmählich fühlte Kompert, in dem der Productwnsdrang noch lange nicht versiegt, daß seine Beschäftigung in der Kreditanstalt sehr zeitraubend und seinem Genius wenig förderlich sei. Er entschloß sich deshalb im Jahre 1862 seine Stelle niederzulegen. Auch die Leitung des Feuilleton bei der „Oesterreichischen Zeitung" gab er, wie schon oben erwähnt, bald nachher, 1866, wieder auf, um sich gänzlich den Eingebungen seiner Muse überlassen zu können. Glücklicherweise sind seine äußern Verhältnisse so günstig, daß er es nicht nöthig hat, ein anderes als ein Ehrenamt anzunehmen. Ehrenämter bekleidet er allerdings manche. So wurde er auch im Jahre 1866 in den Vorstand der wiener israelitischen Cultusgemeinde gewählt, in welcher er sein Hauptaugenmerk der Schulsection widmet. In demselbenJahre(1866) erregte der stille, friedliebende Kompert die allgemeine Aufmerksamkeit durch einen —> 29*

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