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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-09-01 · Heft 6 (September 1865) · p. Seite 433

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 6 (September 1865)
Date
1865-09-01
Page
Seite 433 (sequence 9)
Language
German
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Leopold Kompert. 433 in der Gemeinde, so schwache Augen hatte, wenn wir ihm sagen, daß der Karfunkel seine eigene Tochter war. Die Tochter von David Brod, Bella, die früher zu Hause „zugehalten", wenn ihr Vater mit Feiwlmann Baß einen neuen „Kadisch" probirt hat, nun auf dem Theater als Valentine in den „Hugenotten", und er, David Brod, auf der Galerie! Wie sollte er den Glanz ertragen! Leser von einigem Gedächtniß erinnern sich noch daran, wie Hindel, die reiche Frau, durch den brandeiser Wald gefahren ist, um nach Prag zu kommen, wo sie ihr Bärele aufsuchen wollte. Durch denselben Brandeiser Wald, der uns übrigens schon von dem Vetter Schmul mit dem „Roßhaar" her bekannt ist, geht auch David Brod mit seinem treuen Feiwlmann Baß, um — ebenfalls wie Hindel — sein Kind zu suchen. Aber nicht wie ihr gelingt es ihm, das Kind zurückzuführen, sondern er sitzt auf der obersten Galerie des Theaters und kann den Glanz nicht vertragen. Aber lassen wir Karfunkel und ihren Vater David Brod, kümmern wir uns auch nicht viel um den Grafen, der die kleine Bella hat erziehen und ausbilden lassen. Der Riß ist geschehen und läßt sich nicht ausflicken; wir ineinen hiermit, auch die Lösung dieser Darstellung wird manchen unbefriedigt lassen. Das Gleichniß von der zerbrochenen Schiefertafel, welches der Dichter in „Christian und Lea" bringt, paßt auch hierher. Aber Eine Gestalt in diesem Kreise ist es, die uns unwiderstehlich fesselt und von der wir uns so leicht nicht lossagen können, es ist der schon zu wiederholten malen genannte Feiwlmann Baß. Richt Karfunkel ist die echte, wahre Künstlerin, Feiwlmann ist der echte, wahre Künstler. Karfunkel ist es der geistigen Anlage nach; sie hat schnelle Fassungskraft und ihr Talent setzt sie unter Hülfe ihrer Lehrer rasch in den Besitz der technischen Ausdrucksmittel, mit denen man auf der Bühne glänzt. Aber das, was die unbedingte Voraussetzung einer großen Künstlernatur ist, das tiefe Künstlergemüth, welches die Eindrücke des Lebens in ganz anderer Weise in sich aufnimmt, wie die andern Menschen und von denselben in ganz anderer Weise ergriffen wird, das ist Feiwlmann, der Baß, dessen Technik im Gesang auf einer so niedern Stufe steht, daß er die Hand auf die Backe legt und von Karfunkel darüber zurecht gewiesen wird. Er hat sich nicht in den Besitz der technischen Mittel setzen können, dazu hatte er keine Gelegenheit, aber in seinem Innern, in seinem Gemüth glüht das Feuer der echten Kunst, lodert die Flamme der echten Begeisterung, und in der That, was dieser schlichte Mensch unter Kunst versteht, und wie er sie instinctiv auffaßt, ohne einen Cursus über Aesthetik an einer Universität zu hören, das ist die wahre Kunst. Mit Rührung muß man seine Auseinandersetzung lesen, wie er seinem Herrn und Meister David Brod eine Schilderung von König Lear entwirft, welches Stück er einmal auf dem frankfurter Theater gesehen, und wobei es ihm aufgegangen ist, was die Kunst sei. Feiwlmann Baß ist eine der herrlichsten Gestalten, die der Dichter geschaffen, und wenn ich mich recht erinnere, so sagte mir Kompert einmal selbst, daß er in dieser Erzählung vom „Karfunkel" auf Feiwlmann das Hauptgewicht lege. Er hat wohlgethan, diese Novelle an den Schluß der „Geschichten einer Gasse" zu setzen. Er konnte von den Lesern derselben mit keiner liebenswürdigern, herzgewinnendem Gestalt Abschied nehmen als mit Feiwlmann Baß. Während wir mit dieser Arbeit beschäftigt sind, kömmt uns zu ganz gelegener Zeit das von Wertheimer und Kompert begründete, von nun an von Szänto redigirte „Jahrbuch für Israeliten" (5626—1866) zu. Es versteht sich von selbst, daß wir das Buch so rasch als möglich durchblättern; denn eine neue Geschichte von Kompert ist uns immer eine willkommene Gabe. So wollen wir die Geschichte: „Wie man heirathete" denn auch sogleich in den Kreis unserer Darstellung ziehen und einige Worte darüber hierher setzen. Vor allem müssen wir unsere Leser fragen, ob sie die Bedeutung eines

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