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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-09-01 · Heft 6 (September 1865) · p. Seite 432

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 6 (September 1865)
Date
1865-09-01
Page
Seite 432 (sequence 8)
Language
German
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432 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Allerdings ist ein sehr tiefeingreifendes, aus der Religion hervorgehendes sociales Motiv durchgeführt, und es handelt sich um nichts weniger als um die Frage, was mit einem Menschen zu geschehen hat, der vom Glauben seiner Väter abgefallen, zur christlichen Kirche übergegangen, nachher aber, diesen Schritt bereuend, in den Schos seiner frühern Religion zurückkehrt. Auch ist die Frage in humanster Weise gelöst. Die Antwort lautet: Amerika. Aber was wir meinen, ist dies, daß sich in der Darstellung nicht, wie dies in den andern Geschichten Kompert's der Fall ist, ein eigentlich jüdisches Leben abspielt; denn die handelnden Hauptpersonen sind der Kaiser Joseph und der kojeteiner Dechant. Der Convertit selbst hat sich bereits mit deutscher und fremdländischer Literatur bekannt gemacht, drückt sich gebildet aus, bleiben also nur seine Aeltern, und diese sehen wir nur bei der Audienz in Wien, wo sie vor ihrem Kaiser stehen; zudem ist das überreichte Schriftstück, in welchem ihr Anliegen auseinandergesetzt ist, von dem kojeteiner Dechant verfaßt. Mit dieser Darlegung der Elemente der Darstellung ist selbstverständlich keineswegs ein Tadel ausgesprochen; im Gegentheil, die Novelle als solche, wenn sie ein anderer geschrieben hätte, verdient sehr viel Lob; denn nicht nur ist die behandelte Frage von großem Interesse, die Lösung in humanster Weise bewerkstelligt, sondern auch das Detail ist höchst anziehend und das Denkmal, welches dem unvergeßlichen zweiten Joseph darin gesetzt wird, erhebend und erfreuend, nicht minder die ehrwürdige Gestalt des Stadtdechanten. Aber eben der Umstand, daß wir uns gerade diese Novelle auch von einem andern Novellisten geschrieben nur vorstellen können, eine Vorstellung, welche bei den übrigen Darstellungen Kompert's nicht leicht möglich ist, zwingt uns zu dem obenabgegebenen Urtheil, daß sie die Kompert'sche Eigenthümlichkeit nicht, oder wenn man lieber will, wenigstens in sehr geringem Maße aufzuweisen hat. Um dem Leser noch besser zu zeigen, was wir meinen, ersuchen wir ihn beispielsweise die Audienz in dieser Darstellung mit der Audienz in der früher betrachteten Geschichte: „Ohne Bewilligung" zu vergleichen, natürlich mit Einschluß der dabei vorkommenden Schriftstücke. Wir werden übrigens die letzten sein, Kompert aus diesem Umstande einen Vorwurf zu machen, denn warum sollte er nicht wählen können, wie es sein poetisches Gewissen ihm eingibt. Komperts dichterische Begabung zeigt sich in jeder seiner Leistungen, mag der Stoff welcher immer sein. Wir wollen, weil sich aus dieser Bemerkung gerade die Gelegenheit ergibt, hier beispielsweise eine von Kompert im Jahre 1859 in der „Ostdeutschen Post" veröffentlichte Novelle erwähnen: „Ohne Selbstlaut", welche darauf gebaut ist, daß ein Mensch, in dessen Namen kein Selbstlaut vorkommt — er heißt „Srb" — dieses selbstlautlosen Namens willen viel Kränkungen ausgesetzt ist, und daß sich sein ganzes Schicksal, welches sehr reich ist an Complicationen mannichfacher Art, aus diesen: unscheinbaren Punkt entwickelt. Diese Novelle ist ein kleines Meisterwerk, besonders in der ersten Hälfte, solange die Studienjahre geschildert sind. Mit dem jüdischen Leben hängt sie aber nur sehr lose — strenggenommen gar nicht zusammen; denn daß Srb's Mitschüler und Freund Ezechiel ein Jude sein mußte, ist durchaus als keine Nothwendigkeit anzusehen, obwol für uns gerade dieser Umstand dem Verhältniß einen eigenen Reiz verleiht. Diese Einschiebung einer nicht hierhergehörigen Novelle in die. Betrachtung der „Geschichten einer Gasse" wird uns der Leser nicht übel nehmen, da sie uns zur Zeugenschaft für unsere Behauptung dient, daß Kompert allenfalls auch aus seinem eigentlichen Gebiet heraustreten kann, ohne daß seine Leistungen deshalb aufhören poetisch und schön zu sein. Wir eilen aber zum Abschluß dieser Geschichten. Den Abschluß bildet: „Der Karfunkel." Der Karfunkel glänzt, aber nicht jedermann ist im Stande, seinen Glanz zu ertragen. Und wen wird es wundern, daß David Brod, der Vorbeter

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