Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 431 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Leopold Konrpert. 431 nehmerin Gottes zum Allsdruck gekommen. In der „Jahrzeit" hat der Dichter das erlösende Kadisch-Gebet, in „Gottes Annehmerin" die duldende Gewalt der Verhütung eines „Chillul Haschern" zum Mittelpunkt der Darstellung gemacht. Die beseligende Kraft des „Sechus" ist geschildert in der Geschichte: „Die Augen der Mutter". Es ist dies dieselbe Erzählung, auf welche wir schon früher bei der Betrachtung des „Franzefuß" hingedeutet haben. Auch hier ist ein Spieler wie dort von der Leidenschaft so hingerissen worden, daß seine Pfade ins Verderben zu führen drohen; dort hat die Liebe den von der Leidenschaft Ergriffenen vom Abgrund zurückgezogen, in den er zu stürzen drohte; Bärele wird durch Lisi gerettet; hier hingegen thut es der Sechus, der den Kindern beisteht, die Augen der entschlafenen Mutter, welche auf die Kinder herabsehen. Die Mutter ist todt, denn der Vater ist auf Abwege gerathen, aber die Kinder haben sich in Reinheit des Herzens und Unschuld der Seele entwickelt, und sie sind es, die den aus dein Kriminal heimkehrenden Vater in demselben Moment, wo er im Begriff steht, sich der Leidenschaft des Spiels aufs neue hinzugeben, zurückhalten und wie durch ein Wunder retteil; dieses Wunder aber ist in Wahrheit nichts anderes als der Sechus. In ^Christian und Lea" hat der Dichter wieder ein religiöses Motiv in der Form eines socialen Conflicts behandelt. Sarah, die Mutter Lea's, ist sich ihres Rechts^ Christian bei sich aufzuziehen und wie ihren eigenen Sohn zu betrachten, wenn auch nicht mit Gründen der Vernunft, doch mit Gründen ihres Gefühls bewußt, und eine Welt von Bades mit goldenen Ketten und Korallenschnüren würden sie ihrem Entschluß nicht abwendig gemacht haben; aber der Consequenzen dieses aus reiner Menschlichkeit hervorgegangenen Schritts, der Folgen, die es haben könne, wenn sie Christian lind Lea miteinander erziehe, war sie sich nicht bewußt und der größte Schmerz, weit größer als alle vorhergegangene Leiden, bemächtigt sich ihres Gemüths erst in dem Augenblick, da sie die Liebe dieser beiden jugendlich fühlenden Herzen nicht im Keim, sondern als Blüte vor sich aufgegangen sieht. Der größte Schmerz ist es, daß sie nun dem Zischeln und Flüstern in der Gemeinde recht geben und ihren Christian, den sie liebt wie ein eigenes Kind, in die weite Welt Hinausstoßen muß. Gelöst kann in ihr dieser Conflict nicht werden. Was aber die beiden Kinder betrifft, die so gewaltsam getrennt werden, so gibt es auch für sie nur eine ideale Lösung; ihre Vereinigung kann nur eine geistige, aber keine leibliche sein; und wer sich nicht damit begnügt, daß Christian die alte Lea zur Synagoge, sie hingegen ihn zur Kirche begleitet, sondern durchaus verlangt, daß nur eine leibliche Vereinigung der beiden stattfinde, um sich befriedigt zu fühlen, der hat überhaupt für ideale Lösungen keinen Sinn. Die Kluft zwischen den beiden alten Leuten, die wir in Otto Ludwig's ergreifender Darstellung: „Zwischen Himmel und Erde" ruhig nebeneinander hergehen sehen, ohne daß sie sich durch das Band der Ehe vereinigt haben, war eine viel geringere als die in unfern socialen Verhältnissen begründete Kluft, die sich zwischen Christian und Lea austhut. Denn bei Ludwig entspringt diese Nichtvereinigung aus rein künstlerischer Absicht. 'Nach dem Tode des Bruders Hütte Apollonius seine Schwägerin wohl heirathen können, es wäre ihm äußerlich nichts im Wege gestanden; aber man wird gestehen, daß der von Ludwig gewählte 'Abschluß der poetischere ist; er beruht auf dem Motiv der Entsagung. Bei Kompert war diese Entsagung aber schon aus socialen Motiven geboten, abgesehen davon, daß auch die künstlerische Rücksicht dieselbe unabweisbar fordert. Wir haben diese kleine Digresfion nicht unterlassen, weil uns manche Stimmen bekannt geworden sind, die sich mit der Lösung in „Christian und Lea" nicht befriedigt zu sein erklärten. „Die beiden Schwerter" ist diejenige unter Kompert's Erzählungen, die am wenigsten dazu geeignet ist, uns seine Eigenthümlichkeit erkennen zu lassen.