Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 428 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Jllustr. Monatsh. für die g es. Interessen des Judenthums. Abu'l Hassan Judaha-Levi" (Breslau 1851), worin sich Gelehrsamkeit, sowie Feinheit und Geschmack in poetischen Uebertragungen vereinigten und Geiger eins seiner populärsten Werke schuf. Jeder von den zehn Abschnitten oieses echt jüdisch-nationalen Dichterbuchs: Einleitendes, der Jüngling, der Arzt, der Freund, der Mann, Unlust am Dichten, der religiöse Dichter, der Philosoph, der Pilger und die Nachwelt, jeder dieser Abschnitte ist charakteristisch und anziehend, sodaß in der That dieser Studie nur wenig ähnliche neuere Werke aus jüdischer Feder an die Seite zu stellen sind. An den jüdischen Sänger der Vorzeit schloß er einen jüdischen Apologeten des 16. Jahrhunderts: „Isaak Troki" (Breslau 1853) und einige Jahre darauf einen jüdischen, von seiner Zeit verkannten Reformator: „Leon da Modena, Rabbiner zu Venedig (1571— 1648) und seine Stellung zur Kabbala, zum Talmud und zum Christenthum," (Breslau l856), Charaktere, für deren Ringen und Streben der Geist Geiger's entschieden sympathisch war, und deren Bilder der Mitwelt vorzuführen kaum ein Zeitgenosse besser verstand. Wirkte er durch solche Schriftwerke auf den Einzelnen, Gebildetem, so erheischte doch auch die größere Menge ein directes Eingreifen in die verrosteten Getriebe der bisherigen Anschauungen, die Geiger besonders auf gottesdienstlichem Gebiet zu reformiren als Rabbiner stets bestrebt gewesen war. Dem Cultus ein den Anforderungen der Zeit entsprechendes Gewand zu verleihen, ihn von der ererbten Last des Formelwesens und den unserm jetzigen Geschmack widerstrebenden Beigaben zu befreien, das war es augenscheinlich, was ihn veranlaßte, sein: „Israelitisches Gebetbuch für den öffentlichen Gottesdienst" (Breslau 1854) zu verfassen. Gleichzeitig veröffentlichte er wieder eine Frucht seiner Studien über die mittelalterliche Dichtkunst der Hebräer, indem seiü volksthümlich gehaltenes Schriftchen: „Jüdische Dichtungen der spanischen und italienischen Schule" (Leipzig 1856) sich mit Gebirol, Charisi, Isaak ben Rüben, Moses Jbn Esra, Abraham Jbn Esra u. a. .beschäftigt. Bedeutend höhere Theilnahme erregte sein Werk: „Urschrift und Uebersetzung der Bibel in ihrer Abhängigkeit von der innern Entwickelung des Judenthums" (Breslau 1857), eine literarische Großthat, welche nach dem Ausspruch der unparteiischen Beurtheiler für die biblische Kritik, für die Erkenntniß der ältern Geschichte des Judenthums, für das Verständniß der Targumim wie der sonstigen alten Uebersetzungen neue Grundlagen schuf und die Schriftforschung auf neue, freiere Bahnen wies. Der Erfolg konnte nicht ausbleiben; er war bei allen Freunden des freien Forschens ein beifälliger, während eine große Partei der Strenggläubigen, welche das Anlegen der kritischen Feile an das edle Gestein des biblischen Worts schon als strafbaren Zweifel an der Echtheit desselben bezeichnen, über dieses bisher im Judenthum unerhörte Kämpfen gegen den absoluten Glauben in eine heftige Erbitterung gerieth, welche der gegen Strauß, Renan und Schenkel jüngst erstandenen wenig nachgab. Daß Geiger trotzdem eine starke Partei hinter sich hatte, bewies die rege Theilnahme, die ihm in demselben Jahre (1857) an seinem 25jährigen Jubiläum erwiesen wurde. Der in orthodoxen Kreisen gegen ihn erhobene Streit steigerte sich noch, als Geiger seine Schrift: „lieber den Austritt aus dem Judenthum. Ein aufgefundener Briefwechsel" (Leipzig 1858) herausgab, auf welche sofort zwei Gegenschriften: „Entgegnung auf des Herrn Geiger aufgefundenen Briefwechsel u. s. w. Von einem Laien" (Breslau 1858) und „Zwei Gespräche über den Austritt" u. s. w. von Maaß (Leipzig 1858) hervortraten. Nur kurz berühren wir zwei seiner Abhandlungen zunächst: „Parschandatha. Die nordfranzösiche Exegetenschule. Ein Beitrag zur Geschichte der Bibel-Exegese und der jüdischen Literatur" (Leipzig 1855), eine Schrift, welche das Material aus noch ungedruckten Quellen zu vervollständigen und die unbefangene Würdigung dieser '-Leistungen zu erleichtern bestimmt war