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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-09-01 · Heft 6 (September 1865) · p. Seite 427

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 6 (September 1865)
Date
1865-09-01
Page
Seite 427 (sequence 3)
Language
German
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Abraham Geiger. 427 feuriger Vertreter der Reformgrundsätze documentirt. Mehrere dieser Vorträge waren in besonderm Grade herausfordernd für die Emancipationsfrage und anregend für die jüdische Culturentwickelung, fodaß Geiger nur den Wünschen seiner rasch gewonnenen Verehrer entgegenkam, als er Reden veröffentlichte, wie: „Gottesdienstlicher Vortrag" u. s. w. (Breslau 1838) und „lieber die Errichtung einer jüdischtheologischen Facultüt" (Wiesbaden 1838). Ebenso sah er sich veranlaßt, beim Antritt seiner breslauer Stellung unter dem Titel: „Die letzten zwei Jahre. Sendschreiben an einen befreundeten Rabbiner" (Breslau, 1810) eineu Rückblick zu bieten, an den sich abermals die Veröffentlichung mehrerer Reformvorträge schloß, nämlich: „Die Aufnahme Israels in den Bürgerverband" (Breslau 1840) und „Festvortrag am Geburts- und Huldigungstage Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm IV." (Breslau 1840). Gleichzeitig gab Geiger unter der Bezeichnung: „Melo Chofnajim" (Eine Hand voll) eine. Sammlung bisher ungedruckter Stücke in hebräischer Sprache mit deutscher Uebersetzung und ausführlichen Anmerkungen heraus (Berlin 1840), worunter besonders die Biographie Salomo del Medigo's und dessen Abriß der jüdischen Literaturgeschichte hervorzuheben sind. Von seinen Bestrebungen für das Regeneriren und zeitgemäße Einbürgern des Judenthums konnten ihn jedoch, obgleich der ebenerwähnte Schatz von Gelehrsamkeit ihn von Culturfragen hätte ableiten können, diese Studien nicht zurückhalten. Im Gegentheil, je mehr er sich in diese wunderbarenSchachte des jüdischen Wissens vertiefte, je mehr er zu Tage förderte, desto lebhafter wurde sein Wunsch, dem Judenthum seiner Zeit erhöhte Geltung zu verschaffen. Auch fürder betheiligte sich Geiger als Redner und Schriftsteller bei den verschiedensten derartigen Fragen, eine Thätigkeit, welcher die kleinern Broschüren: „Rabbinisches Gutachten über die Militairpflichtigkeit der Juden" (Breslau 1842), „Der Hamburger Tempelstreit. Eine Zeitfrage" (Breslau, 1842), und „Ansprache an meine Gemeinde" (Breslau, 1842), ihr Entstehen verdankten. Besonders zeugten seine Ansichten über den in der Hamburger Gemeinde entstandenen Streitvon Freimuth und Unerschrockenheit. Berechtigtes Aussehen errang sich bald nachher eine neue Frucht seines Forschens, sein zweitheiliges „Lehr- und Lesebuch zur Sprache der Mischnah" (Breslau 1845), die erste derartige Grammatik, welche Dukes zur Nachfolge veranlaßte, während sie für andere jüdische Gelehrte, z. B. Grätz, einen Angriffspunkt gegen Geiger bildete. Der Hauptgrund der damals gegen ihn geführten Polemik mochte wol darin beruhen, daß. viele sich nicht mit der Stellung Geiger's als Reform-Rabbiner einverstehen konnten. In der That stellte Geiger auch bald diese Seite seines Wirkens für die Neugestaltung des israelitischen Gemeindelebens wieder in den Vordergrund und veröffentlichte: „Vor neun Jahren und heute. Ein Wort aus jener Zeit zur Verständigung für die Gegenwart" (Breslau 1846) und „Treuer Bericht über die letzten Ereignisse in der hiesigen jüdischen Gemeinde", 3. Auflage, (Breslau 1846), Schriften, in denen er seinen Kampf gegen die Orthodoxie mit Rüstigkeit fortführte. Zu einer Sichtung der verschiedenen jüdischen Exegeten-Schulen trug eine gleichzeitige wissenschaftliche Arbeit bei, welche noch jetzt sehr geschätzt wird und unter der Bezeichnung: „Beiträge zur jüdischen Literaturgeschichte" in Heilberg's: „Nite Naamanim", (Liebliche Pflanzen) (Breslau 1847) abgedruckt war. Wenige Jahre darauf machte sich Geiger durch Herausgabe mehrerer Maimuni'schen Schriften verdient, worunter besonders Maimuni's „Sendschreiben über den Scheinabfall vom Judenthum" (Breslau, 1850) von Interesse war, Editionen, an die sich als Hauptnutzen der darauf verwendeten Mühe eine ausgezeichnete „Biographische Studie über Maimuni" schloß (1850). Auch seine damalige Herausgabe: „Kobez Wikkuchim", eine Sammlung antichristlicher Streitschriften aus frühern Jahrhrinderten (Breslau 1850) wurde von den Sachkennern sehr beifällig ausgenommen, noch mehr aber sein: „Divan des Castiliers. 28*

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