Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 423 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Tagesgeschichte. 423 wieder zu verlassen und nun dem Ufer des Todten Meeres folgend, den Jordan zu überschreiten und in zehn Spitzen auszulaufen, nördlich etwa Vo Meile von Jerusalem, etwa 2 Meilen östlich von „Mizraim". Das ist der Weg, den Herr Radenhausen Israel unter Moses aus „Mizraim" nach „Mizraim", in dem Jerusalem liegt, machen läßt, und dessen Schilderung er einen Abschnitt seines Buchs: „Moses nie in Aegypten", widmet. Wir haben absichtlich das Bild, welches die Karte bietet, dem Leser zuerst vorgeführt, um zu zeigen, wie sehr gegen alle Logik eine solche Auffassung des Wanderzugs der Israeliten ist. Es wäre denn doch zu lächerlich, glauben zu wollen, daß man ein Volk aus einem Lande in ein anderes „gelobtes" führen will, es aber in ersteres wieder zurückbringt; abgesehen von der baren Unmöglichkeit, nicht für Menschen, nein für Schnecken, vierzig Jahre zur Zurücklegung des aus der Karte gezeichneten Weges zu verwenden. Der Verfasser leitet nun das Wort Goschen von §U86L (Schmuz) ab und nimmt an, daß die nach ihm „arbeitsscheuen" Israeliten damit aufgeweichten Marsch- und Lehmboden bezeichnten, was ganz vortrefflich auf das Nieldelta paßt und also die bisherige Auffassung der biblischen Erzählung rechtfertigt. Ist nun „Goschen" synonym mit unserm „Marschland", so ist es ein geographischer Begriff, und ebenso gut wie wir jetzt nicht nur ein Marschland haben, konnte Josüah ein anderes „Goschen", ein palästinisches, erobern, welches mit dem ägyptischen durchaus keine Identität hatte. Die von dem Verfasser angeführten Belegstellen, Jos. 10,41 und 11, 16, fallen somit weg. Herr Radenhausen meint nämlich, daß Palästina zu jener Zeit eine ägyptische Provinz war. Der Herr Verfasser erklärt es für einen Jrrthum der 70 alexandrinischen Uebersetzer der Bibel, daß sie für das Wort „Mizraim" das griechische „Aegypten" setzten, ohne diese — offen gesagt, geradezu lächerliche — Behauptung einer weitern Begründung bedürftig zu halten. Während Herr Radenhausen diese Übersetzung unrichtig nennt, gibt er uns selbst eine etymologische Definition des dem arabischen „ius8r" verwandten „Mizraim", welches er mit „die Aegypten" ganz richtig übersetzt. „Die Aegypten" bedeutet aber,' wie wir wissen, so viel wie das vereinigte Ober-, Mittel- und Unterägypten, die natürliche, durch alle Zeiten beibehaltene Einteilung dieses Landes. Der Herr Verfasser will aber diese Bezeichnung auch auf das, seiner durch nichts, nicht durch die leiseste historische Ueberlieferung begründeten Meinung nach zur Zeit des Moses unter ägyptischer Herrschaft gestandene Palästina ausgedehnt wissen und diese seine lächerliche Meinung durch ebenso lächerliche etymologische Haarspaltereien und Wortverdrehungen, durch einzelne aus dem Zusammenhang gerissene, schlecht interpretirte Bibelstellen begründen! Ein zweites Kapitel dieses geistreichen (?!) Pamphlets macht die Entdeckung, „daß Moses ein sehr beschränkter, abergläubischer Götzendiener und Fetischanbeter war, und daß die Israeliten unter den Richtern und Königen der crassesten Götzendienerei, die Hunderttausende von Menschenopfern forderte, ergeben waren"! Herr Radenhausen beweist das haarklein, z. B. was heißt „Sabbat"? „Sab-Bet"! „Sab" ist nach Herrn Radenhausen's Meinung der mosaische „Schwurgötze", „Bet" das ihm geweihte Haus oder Zelt, „Sabbat" der diesem geweihte Tag! Wir wollen unsere Leser nicht mit weitern Proben behelligen; das Urtheil, welches wir nothwendig fällen müßten, brauchen wir auch nicht niederzuschreiben; aber constatiren müssen wir, zu welchen Mitteln jener Judenhaß greift, der mit wissenschaftlichem Apparat die Blätter, welche den großen Einfluß des Judenthums auf den Entwickelungsgang der Menschheit erzählen, aus dem Buch der Geschichte reißen will, und nachdem er den „Semiten" erst einen „monotheistischen Jnstinet" vindieiren wollte, es jetzt versucht, sie zu hervorragenden Vertretern des „Polytheismus" zu stempeln. Aber alle diese Pamphlete von Eisenmenger's „Neuentdecktem Judenthum" bis auf das oben skizzirte Machwerk werden der Wahrheit, die Jahrtausende zu Zeugen hat, nichts von ihrer UnwiderleglichkeiL rauben. Der soeben erschienene 13. Band von Wurzberg's „Biographischem Lexikon des Kaiserthums Oesterreich" bringt eine Uebersicht der bisjetzt gebrachten Biographien. Wir entnehmen derselben, daß in dieser österreichischen Ruhmeshalle 101 Juden bisjetzt ausgenommen sind. Theater und Musik. Am 30. Mai feierte Mosenthal imAdetphi- Theater in London einen Triumph, wie ihn selten ein englischer, nie ein ausländischer Dichter dort gefeiert hat; es wurde ihm nämlich bei Gelegenheit der 'Aufführung seiner „Deborah" (in englischer Nebersetzung > die Ehre des Hervorrufs zutheil. Meyerbeer's „Afrikanerin" hat in Paris bisjetzt ihre ungeschwüchte Zugkraft bewährt; die Einnahmen betrugen bei jeder Vorstellung über 12000 Zrs., die bisjetzt höchste erzielte Summe. Statistik. Die größte Sterblichkeit während der Choleraepidemie in Smyrna äußerte sich im Juden - quartier. Bei ihrem ersten Auftreten forderte diese Krankheit 172 Opfer, darunter 128Jsrae liten. Seit dem 22. Juli ist sie im Abnehmen begriffen. Am 22. starben 32 Personen, darunter 26 Israeliten; am 23. starben 36, darunter 27 Israeliten; am 24. starben 31, darunter 20Israeliten; am 20. starben 31, darunter