Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 424 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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424 JLlustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. 17 Israeliten; am 26. starben 21, darunter 17 Israeliten; am 27. starben 20, darunter ^Israeliten; am 28. starben 17, darunter 10 Israeliten. Miscelle. Brief eines Proselyteunüsstonars. In dem „Mssionsblatt des rheinisch-westfälischen Vereins für Israel" (auch eine schöne Gegend!) findet sich (Nr. 5) „ein Brief des bekehrten Israeliten G. N. Wolf, lutherischen Pfarrers zu Brookfield in Nordamerika, an den Redacteur". Dieser Brief lautet: „Brookfield Trumbull, Co. Ohio, Nordamerika. 1. Oct. 1864. „Die Pilger-MLssions-Comite von St.-Chrischona bei Basel hat mich, nachdem dringende Bitten um Prediger an sie ergingen, hierher bestimmt, was ich als den Willen des Herrn erkennen mußte. Von Herzen gern hätte ich meine Kräfte in dem Dienst Israels aufgeopfert, wenn es der Wille des Herrn gewesen wäre. Denn mein Herz blutet, wenn ich an meine armen Brüder nach dem Fleisch gedenke, und während ich dies schreibe, seufzt mein Herz: Heiland, ach! erwecke, Nimm die Mosesdeckc Von den Juden fort; Sag' dem ganzen Heere, Daß es sich bekehre Au dem Lebenswort. Himmelswirth, du guter Hirt, Suche das Verlorne wieder, Komme bald hernieder. „Des Herrn Wille war also, daß ich unter dem neutestamentlichen Gottesvolk den Samen seines Wortes aussäe, was ja nicht minder nothwendig ist. „Am 7. Sept. 1863 verließ ich mit noch sechs andern Chrischonabrüdern das liebe deutsche Vaterland. Auf der Reise hierher, besonders aber auf dem Dampfschiff, fand ich manche Gelegenheit, mit Juden zu verkehren und ihnen das Heil in Christo anzukündigen. Ein junger Kaufmann, ungefähr vierundzwanzig Jahre alt. unterhielt sich sehr gern mit mir. Als ich ihm einmal so recht herzlich und voll Freude von der großen Liebe des Maschiach erzählte! und ihm sagte, wie sehr glücklich und wohl! ich mich in ihm fühlte, sagte er unter anj derm: «Herr Wolf, ich bin ein schlechter Mensch, § ein ungläubiger Jude, bekehren Sie mich.» Ob's > Scherz war, was dieser Sohn Abraham's von sich bekannte, lasse ich dahingestellt sein. Das' kann ich jedoch sagen, daß er sich gern mit mir unterredete. „Es war ein schöner Herbsttag, die Sonne erwärmte uns, als wir wieder so recht vertraulich beisammensaßen. « Nicht wahrj», frug mich jener jüdische Kaufmann, «Sie sind Jude gewesen?» Natürlich bejahte ich es; was dann unter den andern hundert bis hundertundfunfzig Juden auf dem Schiff bald bekannt wurde. Als ich eines Tages nachdenkend im Speisesal saß, hörte ich eine alte Jüdin zu ihrer Nachbarin sagen: «Denken Sie, hier in der zweiten Kajüte ist ein Mädchen, die hat sich schmatten lassen. Das ist eine ... Jeder», fügte sie hinzu, «soll bei seinem Glauben bleiben, worin er geboren ist.» Sie können sich denken, daß ich diese schöne Gelegenheit benutzte, um ein kräftiges Zeugniß abzulegen, zumal ich in Erfahrung brachte, daß auf dem Dampfschiff gar kein solches Mädchen sei, sondern daß die Rede jener alten Jüdin meiner Person galt. Möge der Herr mein Zeugniß wie meine Schriften, die ich austheilte, diesen meinen frühern Glaubensgenossen zum Segen gereichen lassen! „Die Juden in Amerika^ sind fast durchschnittlich rationalistisch und atheistisch gesinnt. Als ich meine neue Heimat betrat, traf ich sogleich mit Juden zusammen, die ihre atheistische Gesinnung dadurch an den Tag legten, daß sie sagten: «Hier in Amerika ist der Dollar unser Gott». Solche Reden kommen mir leider oft zu Ohren. Neulich kam ein ksälar (Hausirer) in mein Haus. Nachdem ich einige Worte mit ihm gewechselt hatte, auch seine Abstammung mir nicht unbekannt geblieben war, lud ich ihn ein, mir in mein SLudirzimmer zu folgen, was er gern that. Hier redete ich mit ihm über das Eine, was noththut, stellte ihm seine Sünden vor, die er begehe, indem er den Sabbat breche, Christenkost esse u. s. w. --Ja«, sagte er, «so genau kann man das Gesetz in Amerika nicht halten!» Wie? sagte ich, ist denn das Gesetz blos^für die deutschen, die englischen und französischen Juden geschrieben? Heißt es etwa: Verflucht ist blos der Franzose u. s. w., der nicht hält die Worte dieses Gesetzes? 5 Mos. 27, 26. Ich unterhielt mich mit ihm etwa eine Stunde lang und erwies ihm, daß Jesus Christus, der verheißene Messias, gekommen sei, die Sünder selig zu machen. Beim Weggehen gab ich ihm einige Schriften, die er mit Dank annahm." Es scheint aber, daß die energischen Bemühungen des wackern Herrn Wolf ohne Erfolg waren! Für die Redaction verantwortlich: Arnold Hilberg in Wien. Arnold Hilderg's Verlag in Wien. — L'ylographie nnd Druck von F. A. Brockbau-Z in Leipzig.