Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 421 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Tagesgeschichte. 421 find, neben den Liebeswerken, die großen Grundlagen, auf denen das geistige und religiöse Leben beruht. So mag der Versuch denn unter Gottes Beistand unternommen werden, unsere rüstige Arbeit sein Gelingen fördern! Im Juli 1865. vr. Adler in Kassel. I)r. Aub in Mainz. Leopold Beer in Frankfurt a. M. vr. Geiger daselbst, vr. Goldschmidt in Leipzig. Raphael Kirchheim in Frankfurt a. M. vr. PhilipPson in Bonn. Philipp Westheim in Berlin. I)r. Wolsf in Gothenburg. Die Beitrittserklärungen bittet man an das nächstwohnende Comitemitglied oder unmittelbar an den vorläufig als Secretär fungirenden Herrn Raphael Kirchheim in Frankfurt a. M. zu richten. Die Beiträge werden gegen Quittung durch die Comitemitglied er oder durch den vorläufig als Kassirer fungirenden Herrn Leopold Beer in Frankfurt a. M. erhoben. Literatur, Luchhandel und Presse. Professor Rudolph Virchow sagt in seiner neuesten Schrift „lieber die Erziehung des Weibes für seinen Beruf", es sei „ein glückliches Ereigniß für die Menschheit, daß das Christentum aus dem Lande der Juden, der Urstätte des Familienlebens, hervorging". Das von Isidor Busch begründete, von Joseph Wertheimer allein, später mit Leopold Kompert gemeinschaftlich fortgeführte „Jahrbuch für Israeliten" erscheint vom nächsten Jahrgang ab unter der Redaction des Redacteurs der Wiener „Neuzeit", Simon Szanto. Die Wiener „Presse" brachte in ihrer Nummer 163 vom 15. Juni ein Feuilleton von Rudolph Waldeck, betitelt: „Shylock als Judas Makkabäus", welches zur Schande des Blattes und des Verfassers nicht nur von grobem Judenhaß dictirt war, sondern geradezu auch aller Logik vollends Hohn sprach. Man suche z. B. irgendeinen vernünftigen Sinn in der Behauptung, daß Shylock unmöglich die Haupt-, sondern eine Nebenfigur des Dramas sein müsse, weil ihn alle anfeinden und niemand liebt! Uebrigens verweisen wir auf den von uüs im dritten Heft gebrachten Artikel aus der Feder der Frau vr. Henriette Goldschmidt über den gleichen Stoff, der die beste Widerlegung des Waldeckffchen Unsinns bietet. Die „Grenzboten" bringen in ihrer Nr. 25 die Fortsetzung des geistreich geschriebenen, von uns bereits früher erwähnten Aufsatzes: „Altjüdische Romane"; der frühere Artikel behandelte das Buch „Esther" und den „Aristeasbrief", der jetzige die Bücher „Judith" und „Tobith". Von Robert Hamerling erscheint im Sommer ein Epos: „Ahasver in Rom". I. K. Büchner, Antiquar in Leipzig, erläßt eine „Aufforderung zur Subscription auf das allgemeine Anzeigeblatt für Israeliten: „Die Posaune". Dieses Journal wird, wie der Prospect sich ausdrückt, allen möglichen, das Judenthum interessirenden (^ie!) Annoncen ohne Rücksichtnahme auf irgendwelchen Parteistandpunkt (?!) seine Spalten öffnen. „Nebstbei" werden auch eingesandte belletristische Aufsätze, Correspondenzen u. s. w. „gratis" ausgenommen. Das Abonnement kostet jährlich 1 Thlr. 10 Sgr. Die großen Resultate der neuen Wissenschaft in Bezug auf das Weltgebäude liehen einen gewissen Herrn Thumser nicht ruhen, der sich veranlaßt fand, in einer Schrift: „Zur Offenbarung der Welt-Ordnung" (München, 1865, Morris Finsterlin) funkelnagelneue Ansichten — er nennt sie „Forschungen über Entstehung, Drehung und Mehrung der Weltkörper" — zum besten zu geben. Daß er hierbei von der Bibel gänzlich abstrahirt, ist selbstverständlich, aber auch Newton behandelt er mit verachtungsvoller Geringschätzung. Die Thumer'sche Schöpfimgstheorie gipfelt in dem Satz, daß die Weltkörper durch Geburten sich vermehren, mit Ausnahme des Ursterns, der aus der Erhitzung des Aethers einer- und aus dessen Erkaltung andererseits entstanden ist. Daß der Aether der Urstoff der Schöpfung ist, beweist Herr Thumser sonnenklar durch die Zusammenstellung der Worte „Aether" uni) „Erster"! Daß der Aether erhitzt war, beweist ihm der Ausduck „Welt", was so viel wie „wallend" bedeutet, die Flammen wallen! Daß er andererseits vorerst zu Wasser erkaltet ist, beweist sonnenklar die Zusammenstellung der Worte^„uaß" und „Natur"! Der alles gebärende Urstern dürfte höchstwahrscheinlich der Polarstern sein, weil er hinter sich die beiden „Bären" hat, welche — man denke an „gebären" — die Erstgeborenen des Universums sein dürften. Ueberhaupt scheint Herr Thumser vorauszusetzen, daß die deutsche Sprache vor der Weltschöpfung bestanden hat! Ein Pfarrer Küpser in Gambeln, Canton Bern, hat eine Broschüre unter dem Titel: „Was hälft (!) Du von Israels Rettung?" auf Kosten des „Mühlhauser Vereins der Freunde Israels" veröffentlicht (Bern, Debit von Karl H. Mann). Man kann sich keine Anhäufung von Dummheit, Aberwitz, Bornirtheit und craffem Blödsinn denken, die größer wäre als die, welche hier auf 32 Seiten, gewürzt mit ekelm, scheinheiligem Gewinsel, geboren wird; wir finden ein näheres Eingehen auf deren Inhalt unter der Würde dieser Blätter. Durch zwei Nummern der berliner „Vossischen Zeitung" (vom fünften und zwölften März d. I.) zieht sich ein Artikel: „Die Leibeigenschaft in Rußland", in dem die Stelle vorkommt: „Rurik's Bruder Sinav, der dasselbe bedeutet, was der Berg Sinai (!), an dessen Abhängen die Juden mit der Zucht des