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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 420

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 420 (sequence 76)
Language
German
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420 Jllustr. Monatsh. für die ge sind, bedarf jedoch allseitiger Pflege, liebevoller Ermunterung, hier und da auch der kräftigen Unterstützung, sie bedarf vor allem der Anstalten, in denen die Anleitung zu ihr gegeben wird. Die alten Stätten jüdischen Wissens sind zerfallen; sie würden nach ihrer alten Einrichtung auch nicht mehr den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechen. Neue Pflanzstätten des Geistes sind im Judenthum höchst spärlich vorhanden! Das hohe geistige Erbe, welches ihm übergeben worden, hat dasselbe stets mit Hingebung gepflegt; es war dadurch ein bedeutender Factor in dem großen geistigen Entwickelungsgang der Menschheit. Unsere Pflicht ist es, uns diese Krone nicht vom Haupt nehmen zu lassen, die Pflege des Geistes bleibe die Macht, nach der wir ringen, durch die wir als wirksames Glied der Menschheit uns bewähren. So ist es denn hohe Zeit, daß wir uns der Schlaffheit entwinden, daß wir mit Ernst die Kräfte sammeln, um eine unserer würdige Stellung einzunehmen. Freie Vereinigung ist das große Wort unserer Zeit. Ein „Verein für allgemeine Angelegenheiten des Judenthums", als Organ des Zusammenwirkens, Lhut noth. Er werde der Mittelpunkt, an den sich in kleinern Kreisen Vereine zu gleichen Zwecken anschließen. Die Versammlung, welche am 12. Juli in Frankfurt a. M. getagt, hat im Vertrauen, daß das Bedürfniß, welches sie zusammengeführt, weithin Anklang findet, sich zu einem solchen Verein constituirt unter den nachfolgenden Bestimmungen: §. 1. Der Verein für allgemeine Angelegenheiten des Judenthums hat den Zweck, für die Bekenner desselben einen Mittelpunkt zu bilden, um das Bewußtsein ihrer religiösen Zusammengehörigkeit zu bebefestigen und durch seine thatkräftigen Bestrebungen nach allen Richtungen hin für das Interesse des Judenthums fördernd zu wirken. tz. 2. Zur Erreichung dieses Zwecks wird er danach trachten, die Erhaltung und Verbreitung jüdischen Wissens sowie eine wissenschaftliche Vertretung des Judenthums durch zweckmäßige Anstalten und Lehrinstitute zu bewirken. Er wird ferner dafür Sorge tragen, daß richtige Ansichten über das Judenthum verbreitet und gegen dasselbe etwa gerichtete Angriffe abgewehrt werden. §. 3. Der Verein wird alljährlich Versammlungen veranstalten, deren Ort und Zeit von der je vorhergehenden bestimmt wird. In denselben werden, außer der Berichterstattung über die Thätigkeit des Vereins, Fragen allgemeinen jüdischen Interesses angeregt und besprochen, die Ansichten ausgetauscht über die Verhältnisse der Schule, des Eultus, der Gemeinde wie über die Stellung der Synagoge und ihrer Bekenner im Staat und in der Gesellschaft, die Verständigung angestrebt über die Mittel, welche den Zwecken des Vereins entsprechen. §. 4. Außerdem sollen Local- und Bezirksvereine gegründet werden, welche für ihren s. Interessen des Judenthums. engen Kreis dieselben Zwecke verfolgen und mit dem Gesammtverein in ununterbrochener Verbindung stehen. K. 5. Indem nähere Normen sowol für den Gesammtverein als auch füM die einzelnen Vereine Vorbehalten bleiben, wird in der gegenwärtigen Versammlung ein Comite von mindestens neun Personen ernannt, welches die Aufgabe hat, die Consolidirung des Vereins zu bewirken, die Gründung von Local - und Bezirksvereinen anzuregen, eine Ansprache über die Zwecke des Vereins zu verbreiten und für die nächste baldige Generalversammlung, in Frankfurt a. M. einen vollständigen Statutenentwurf mit genauer Angabe über die Organisation des Vereins vorzubereiten. Der Verein ist hiermit constituirt, und wird vorläufig festgestellt:' Mitglied des Vereins wird ein jeder durch einen (von Juli d. I. an gerechnet) jährlichen Beitrag von mindestens 1 Thlr. preuß. Eour. - 1 Fl. 45 Kr. südd. W. Wir treten mit dem vollen Vertrauen vor unsere Glaubensbrüder hin und legen es einem jeden dringend ans Herz, durch seinen eigenen Beitritt wie durch die Anregung nach weitern Kreisen hin die Zwecke des Vereins zu fördern. Möge unser Vertrauen bald als richtige Voraussicht sich bewähren, aus dem schwachen Saatkorn, das wir unfern Brüdern hiermit übergeben, ein reiches, ergiebiges Geistesfeld werden! Diesen allgemeinen Grundgedanken, auf welchen der Verein beruht, mögen sich noch folgende Erklärungen anschließen: Der Verein geht von Deutschland aus, ist auf die Stellung, die Geschichte, die bisherigen Leistungen der Juden Deutschlands begründet; allein weit entfernt, eine Begrenzung auf dieses bestimmte Land. festzuhalten, will er im Gegentheil eine engere Verbindung mit allen sonstigen Vereinen, die ähnliche Zwecke verfolgen, anstreben und Herstellen. Die gegenseitige Mitteilung von Erfahrungen und Versuchen, wie auch die ineinandergreifende Unterstützung und Förderung in allen Angelegenheiten, welche das Judenthum seiner vollen Bedeutung, der Erfüllung seines menschheitlichen Berufs entgegensühren, wird gerade mit eine der Hauptaufgaben des Vereins sein. Der Gesammtverein, wie seine localen und bezirklichen Abzweigungen, hat die Bestimmung, ein Band um alle zu schlingen, welche dem Judenthum eine ernste Theilnahme zuwenden, mögen sie auch sonst unter sich noch so sehr in ihrer Auffassung abweichen. Er schließt keine Richtung aus, er will im Gegentheil allen das Bewußtsein verschaffen, daß es gemeinsame Aufgaben im Judenthum gibt, eine gemeinsame Liebe zu demselben; er hofft, durch seine freien Besprechungen in engern Kreisen wie in weitern gegenseitige Anerkennung, teilweise auch Verständigung zu erzielen. Seine Aufgabe ist die des wahren Bauens; denn Wissen und tatkräftige Betheiligung

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