Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 419 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Tagesgeschichte. 419 vr. Ziondorffer, Redacteur der „Frankfurter Nachrichten", wurde Ritter der französischen Ehrenlegion. Hermann Vambe'rh ist Docent der orientalischen Sprachen an der Universität Pesth geworden. Mitglieder des neuen Verwaltungsraths der Schillerstiftung sind die Herren I)r. Leopold Kompert und Di-. H. Mosenthal irr Wien. Aus Helsingör, 3. Aug., schreibt man der „G. C.": „König Karl XV. von Schweden, der am l.d. M. die landwirtschaftliche Ausstellung in Malmö eröffnet und dessen lyrische Gedichte in schwedischer Sprache eben erschienen sind, ließ sich in lebhafter Theilnahme für die schöngeistige Literatur den aus dem nahen Seebade Helsingör zufällig in Malmö anwesenden Dichter Ludwig August Frankl vorstellen und zeichnete ihn mit dem Wasa- Orden 1. Klasse aus. Gestorben: Am 16. Juli Dr. mml. Elias Altschul, PrivaLdocent der Homöopathie an der Universität und Redacteur der „Monatsschrift für Homöopathie" in Prag. Gemeinde-, Liütns-, Schiünnd Vrremslmgelegcnheiteil. Soeben wurde folgender Aufruf erlassen: An alle Freunde des Judenthums. Mit Befriedigung dürfen wir auf die gegenwärtige Stellung der Juden und des Judenthums Hinblicken; die Resultate eines langen schweren Kampfes liegen vor uns, zum Theil sind sie in der nächsten Zukunft zu erwarten. Vor dem erleuchteten Geiste unserer Zeit sind, wie auf andern Gebieten, die willkürlichen Schranken gefallen, welche uns von der vollen Betheiligung am Vaterland ausgeschlossen, und wo sie noch nicht ganz gefallen, da sind sie doch so morsch geworden, daß sie nur künstlich erhalten dem ersten starken Luftzug widerstehen können. Bei dieser glücklichen Wendung der Dinge versäumen die Bekenner des Judenthums nirgends, ihre volle Theilnahme an den Angelegenheiten des Vaterlandes an den Tag zu legen, sich als ebenbürtige, hingebend opferwillige Söhne desselben zu bekunden. Allein eine Religionsgenoffenschaft hat auch noch die andere Pflicht, von ihrem eigentümlichen Standpunkte aus ihren Beitrag zur Förderung der höhern Lebenszwecke der Menschheit zu liefern. Eine jede Religion hat die Aufgabe, sich als eine geistige Lebensmacht im großen Gange der Menschheit zu bewähren, und sie kann dies nur durch Zusammennehmen aller ihrer Kräfte und Organe, durch die Gesammtwirksamkeit aller ihrer Bekenner. In der Zersplitterung erlahmen selbst die besten Kräfte, nur in der Vereinigung kann eine ersprießliche Wirksamkeit entfaltet werden. Und das gilt namentlich von einer Religionsgenossenschaft, die aus einer verhältnißmähig geringen, nach den verschiedensten Gegenden gespaltenen Minorität besteht, von einer Religionsgenoffenschaft, die der Machtmittel einer herrschenden Kirche entbehrt. Wenn in der frühern Zeit der schwerlastende Druck die Genossen zusammenhielt, das Bewußtsein der geistigen Einheit erhöhte: so müssen wir in unfern Tagen darauf bedacht sein, daß bei dem Schwinden der äußern Bande nicht auch das geistige Band mehr und mehr gelockert werde. Dieses Bedürfnis hat unter den Juden anderer Länder, die schon länger und in erhöhtem Maße sich der bürgerlichen Gleichstellung erfreuen, seinen Ausdruck gefunden und sich Organe geschaffen, je nach der Eigentümlich - keit jener Länder. In Frankreich besteht die ^llinneo lsraelite universelle, welche sich die Aufgabe stellt, überall für die Gleichstellung und den sittlichen Fortschritt der Juden zu wirken, denjenigen, welche in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, eine wirksame Hülfe angedeihen zu lassen, jeder Schrift ihre Unterstützung zu gewähren, welche geeignet ist, diese Resultate herbeizuführen. England hat seinen Loarcl ok «lexuties und seine -lenisli assoeiatiou tor tüe llittüsiou ol'reliA'ious kuovv- 16(1^6, welche, wie es scheint, dem Eindringen der Mission zu wehren bestimmt ist. Deutschland darf sich rühmen, seit fast einem Jahrhundert in den Bestrebungen für den geistigen Aufschwung der Juden und des Judenthums im Vordergrund zu stehen; allein es entbehrt der Vereinigung, die es den Bekennern des Judenthums möglich macht, durch Zusammenwirken heilsame Resultate zu erzielen. Die Juden Deutschlands haben daher keine Gesammtthat aufzuweisen, die der Bedeutung ihrer Stelle entspricht; ein jeder Versuch, etwas zu thun, was ein Ausdruck des Gesammtbewußtseins sein sollte, entbehrt aus Mangel an einigenden und anregenden Mittelpunkten des entsprechenden Erfolgs. Aber nur das einmüthige Wirken erwirbt Achtung, während feiges oder schlechtes Zurückziehen auch den gerechtesten Ansprüchen die Hoffnung auf Befriedigung raubt. Der deutsche Geist hat auch innerhalb des Judenthums seinen Beruf bewährt, das Wissel: weithin zu verbreiten, es zu erweitern und zu vertiefen. Männer in den verschiedensten Lebensstellungen haben durch ihre Liefe Einsicht in die Literatur des Judenthums und durch die Wärme, mit der sie dasselbe nach außen vertreten, der gesammten Glaubensgenossenschaft wesentliche Dienste geleistet, ihre Ehre und das Selbstgefühl gehoben. Solche Männer werden seltener, und sie werden gänzlich schwinden, wenn nicht dafür Sorge getragen wird, daß die Kenntniß des Judentums in weitern Kreisen Pflege findet. Die Wissenschaft selbst, wenn auch nur einzelne besonders Begabte ihre Träger und Förderer