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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 418

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 418 (sequence 74)
Language
German
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418 Jllustr. Monatsh. für die ges. Provinzen, namentlich in der gut redigirten „Rigaischen Zeitung" und in der bereits oft von uns citirten „Baltischen Monatsschrift". Cs ist seltsam, welche lächerlichen Besorgnisse vor den möglichen Folgen einer Emancipation der Juden diese Zeitschriften manchmal noch widerlegen müssen. Das Zunftprivilegium geht überall mit der Zunftbeschränktheit und mit der Ausschließung Hand in Hand. Nicht von der Zunft darf man hoffen, daß sie mit der Zeit zur Einsicht kommen werde; der Gesetzgeber muß wider ihren Willen einschreiten und ihr durch die That beweisen, daß sie selber am wenigsten gewußt, was ihren Mitgliedern mn meisten fromme. Ein vortrefflicher Aufsatz im diesjährigen Maiheft der „Baltischen Monatsschrift", aus der Feder eines Kurländers, stellt folgende 15 Thesen als unbedingte Momente zur Lösung der Judenfrage in Rußland auf: 1) Die Judenfrage ist nur eine Species derselben Gattung, welcher auch die übrigen großen Cmancipationsfragen unserer Zeit angehören, und kann nicht mit anderm Maße gemessen werden. Wer sonst liberal, aber in der Judenfrage illiberal ist, ermangelt der Logik. 2) Die jüdischen Glaubenslehren enthalten kein Hinderniß gegen die staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden. 3) Die Bedrückung der Juden ist Grund und Nahrung ihrer Sonderthümlichkeit. 4) Das wirksamste Mittel zur Auflösung der jüdischen Sonderthümlichkeit ist dieEmancipation. 5) Cs ist eine Widersinnigkeit, mit der Emancipation der Juden so lange warten zu wollen, bis diese in Masse ihre Sonderthümlichkeit abgelegt haben werden. 6) Der Grund des Drucks der Juden durch die Christen ist ein unchristlicher, nämlich Hochmuth und Interesse. (Der Jude Börne drückt das so aus: „Die Juden werden nicht gedrückt, weil sie es verdienen, sondern weil sie verd ienen.") 7) Solange der Judendruck währt, währt auch der Gegendruck. 8) Wenn Christenarbeit nicht mit der Judenarbeit concurriren kann, so hat die erstere kein Recht auf Staatsschatz. Wer aus den: Lande hinaus ge arbeitet wird, verdient sein Schicksal. 3) Der jüdische Schacher und Gelegenheitserwerb ist eine Folge des Drucks; er schwindet in denselben Nerhältniß, als letzterer nachläßt. 10) Der sogenannte christliche Staat ist eine aoiitrutliatio in nHoato. Die letzte Consequenz dieser Theorie ist Glaubensthrannei und Inquisition. 11) Die UlLramontanen sind die ärgsten Judenfeinde. 12) Alle unsere Ansichten über die Juden datiren aus der Zeit der Unterdrückung derselben, sind also mit einem wahrscheinlichen Fehler behaftet. 13) Wenn im Princip eine vollständige Interessen des Judenthums. Emancipation der Juden verlangt wird, so ist damit nicht gesagt, daß dieselbe ohne Uebergangsstadien geschehen solle, noch weniger, daß ihnen sofort alle Verwaltung und Regierung in der Commune oder im Staat übertragen werden soll. 14) Die Emancipation darf sich nicht auf einzelne Territorien des Staats beschränken, sonst leiden diese Theile in unbilliger Weise, während die allgemeine Emancipation in einen: so großen Reich wie Rußland nicht blos den Juden selbst zun: Vortheil gereichen wird. 15) Vorbedingung einer gedeihlichen Cmancipation der in Kurland zusammengedrängten Juden ist die Gewährung der Freizügigkeit im ganzen russischen Reiche. — — Wie der „Moniteur" meldet, ist den einer Industrie obliegenden Juden die Freizügigkeit gestattet worden. Amerika. Eine Scene aus dem Bürgerkriege. An einen: Jom Kippurfest hatte der Oberst Grün, ein aus Deutschland stammender Jude, ein heftiges Cavaleriegefecht auszuhalten, und er und seine kleine Truppe hielten sich sehr tapfer. Als ihn einer seiner Soldaten sehrerschöpft und mit Schweiß bedeckt sah, reichte er ihm seine Feldflasche. „Danke!" erwiderte der orthodoxe Oberst, „es ist heute Jom Kippur und als Jude darf ich heute weder trinken noch essen." Als er leicht verwundet war, wurde er nach seiner Ambulanz getragen und sah dort einen kranken Glaubensgenossen, welcher aß. „Du würdest besser daran thun", sagte er ihm, „diesen Festtag zu beobachten: wie willst du dem Vaterlande treu sein, wenn du es gegen Gott nicht bist?" Nachdem er zehn Glaubensgenossen um sich versammelt hatte, stimmten die Verwundeten das Ne'i'lgebet an beim Lärm der Trompeter: und Kanonen. Als der Oberst, der zun: Vorbeter gewählt wurde, nur noch siebenmal zu rufen hatte: „Der Ewige ist unser Gott!" traf die Nachricht .von der totalen 'Niederlage der Feinde ein. Der Vorbeter eilte ans Fenster, und bei der untergehenden Sonne rief er siebenmal mit lauter Stimme: „Der Ewige ist unser Gott!" Die andern Soldaten wiederholten die Rufe, die Fanfaren erschallten, Musik ertönte, und alle Anwesenden wiederholten diesen Ausdruck des Glaubens an einen einzigen Gott. Persoualnachrichten. Nekrolog. Se. Maj. der Kaiser von Oesterreich verlieh Herrn Prof. vr. Julius Fürst in Leipzig die Mdene Medaille für Kunst und Wissenschaft:

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