Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 414 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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414 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. erklären uns die Sache so: Bekanntlich haben schon die Tanaiten des ersten Jahrhunderts Gebete im Auszuge verfaßt und vorgeschrieben, wenn wichtige Geschäfte oder Berufsarbeiten das Gebet in 6xton8o zu beten nicht gestatteten oder wenn dies nicht mit der erforderlichen Andacht geschehen konnte. Das Thorastudium galt aber für das wichtigste und heiligste Geschäft und hatte weit mehr Werth als das Gebet, so daß sich Rabbi, um das Thorastudium nicht zu unterbrechen, erlaubte, statt der drei so erhabenen, den ersten Rang der Gebete einnehmenden Parschiot des Kriatschema das Schema allein zu sagen, was unter dem Namen Kriatschema des Rabbi Jehuda Hanasi bekannt ist. Es ist daher wahrscheinlich, daß man beim eifrigen Thorastudium, um dasselbe nicht durch das gedehnte Schemone Eßra auf die Länge zu unterbrechen, sich mit eiirer Abbreviation desselben begnügte, und diese war das 827. Dieses Gebet enthält achtzehn Sätze, welche den achtzehn Benedictionen entsprechen. 827 li-'L'- correspondirt mit ^877 8^221, das .->87 "87 mit der zweiten Benediction; „es wird nicht weichen aus deinem Munde" mahnt, wenn man will, an die ewige Fortdäuer; 1272p 77287 entspricht der dritten; 2227 -,2777 der vierten; 21112 87777 der fünften; ^2 77727 222 '77 N778 der sechsten; die folgenden sechs Berschen vertraten die siebente bis zwölfte Benediction; das i:pi-8 -^122 entspricht der dreizehnten Benediction; -z2777' "2:'7 den Wliruschalaim und Et Zemach; endlich die vier folgenden Berschen vertraten die vier letzten Benedictionen. Das war die Keduscha di Sidra, worauf die Welt beruht; es ist die Säule der Thora, die unerschütterliche Basis des Judenthums in Bezug auf die Halacha. 8->-72 ist das Halachastudium. Die zweite Beschäftigung mit der Thora betraf die Agada, worauf das Kadisch gewöhnlich folgte, das ist das ^72-8 '.-72782. Halacha und Agada sind die Lebenslust des Judenthums und die Bedingung seines Bestandes. Da aber an den Sabbatvormittagen in den Schulen diese Vorträge für Schüler aus Halacha unterblieben, so fiel auch die 82222 ND12P weg; man kam nicht in die Lage, das Gebet, wie es vorgeschrieben ist durch das Thorastudium, zu kürzen. Möglich, daß das in Rede stehende Gebet schon während des Tempelbestands zu irgendeinem Zweck verfaßt wurde und erst später die angegebene Bestimmung erhielt. Diese unsere Ansicht führt uns auch zur Erklärung des vielbesprochenen Alenu. Man nimmt an, daß Rab der Verfasser dieses, in das Neujahrsgebet gehörigen, so oft misdeuteten und angegriffenen Gebets, sei. Allein dieser Umstand trug dazu bei, daß das Alenu ins tägliche Gebet nach z-nx'- 827 ausgenommen ward. Da aber nach unserer Theorie letzteres eine kurze Tefila, eine Abbreviatur des Schemone Eßra war, so sollte dem Gebrauche nach auch ein Gebet, Nesilat Apaim, darauf folgen. Das gewählte Tachnun erfreute sich aber, wie wir gesehen haben, keiner allgemeinen Verbreitung; man zog das Alenu vor, in welchem ja auch der Passus vorkommt, „wir beugen und bücken uns". Im Sidur des R. Amram findet man das Alenu an dieser Stelle nicht, weil das 827 zum stehenden täglichen Gebet festgestellt und das problematische Tachnun unwichtig genug war, um dessen Surrogat und Reminiscenz an dessen Stelle zu setzen. Dagegen sind nach dem Sidur des R. Amram noch --8 7:77 782, ganz wie es in unserer Sabbatliturgie besteht, und auf den betreffenden Tag bezügliche Psalmen, vor 77-77vorgeschrieben. Letztere sind bei den Sefardim noch in Gebrauch. Dies ist der Kern der Gebete. Ein charakteristisches Zeichen für den spätem Ursprung anderer liturgischer Sachen ist, wenn deren Worte in alphabetischer Ordnung aufeinanderfolgen, z. B. das Sündenbekenntniß 7:77728, 7722 725 ^722 ^-8, die 82N 7L, von welchen bei Mann, nur eines vorkommt, oder die Künstelei eines Akrostichon an sich tragen, z. B. Jsak in v->272-> -22, 7712-7 in Mismor Schir lejom Haschabos, das ->272 772p, verfaßt von Salomon Alkabeg, mit dem Akrostichon S. Halewi, zu welchem