Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 410 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Die andern Gebete. Beim Eintritt ins Gotteshaus wird Ma tobu gebetet, welches aus Bibelsprüchen zusammengesetzt ist, dann Jigdal, ein die dreizehn Glaubensartikel enthaltendes Gedicht, was so wie das darauffolgende Adon olam ein spätes Product ist. Ersteres soll von einem R. Jechiel bar Barnch herstammen, weil die Endstrophe in? -zi22, 2122 das Akrostichon -si22 22 geben soll. Die Beracha beim Händewaschen mit dem darauffolgenden -2- 228, welche wegen der Unkundigen in die Synagoge verpflanzt wurde, findet sich Berachot 60, 2. Letzteres ist ein Lob, Gottes für die wunderbare anatomische und physiologische Einrichtung des menschlichen Körpers. Ueber den Schluß war man nicht einig; R. Papa adoptirte daher eine doppelte Schlußformel: rii2:2 d^rrici —22 8212. Den Lob- und Segenssprüchen vor dein Lesen in der Thora wird eine so hohe Bedeutung beigelegt, daß um ihrer Vernachlässigung willen der Tempel zerstört ward (Berachot 11, 2). Samuel ordnete das gut hebräische 12P8 N2iri -'-122 bs an, was von den Deutschen in das unhebräische n'22 piss'-umgewandelt ward; aus der Feder R. Jochanan's floß das 2-122-1; R. Hamnuna empfahl das ebenso einfache als erhabene 1:2 2-12 228; R. Papa führte alle drei Segensformeln ein, was auch zum Usus erhoben ward. Hierauf folgt die erste Mischna Pea. Den Schlußstein macht 2-1:2: --228, ein Lob für die unsterbliche Seele, das beim Erwachen gesprochen werden sollte. Die fünfzehn Segenssprüche wurden ursprünglich für die Zeit des Erwachens, des Ankleidens der einzelnen Kleidungsstücke und des Waschens angeordnet, wurden aber später in die Synagoge cumulativ verpflanzt und in ihrer ganzen Formulirung beibehalten, obgleich manche Kleidungsstücke, z. B. der Gurt und die damalige Kopfbedeckung, worauf sich einige Segenssprüche beziehen, heute nicht mehr in usu sind. Zwei Segenssprüche rühren von R. Meir her: der Dank flir das von Gott erhaltene Dasein als Jude und als freier Mann. R. Meir fühlte den ganzen Schmerz der mit der hadrianischen Verfolgung bedrohten jüdischen Religion, fühlte den gerechtesten Unwillen gegen das Toben der Römer, und fühlte sich nach der Rettung des geschmähten Judenthums Gott verpflichtet zu danken, daß er wieder Jude sein dürfe. Aus seiner Feder floß auch der Segensspruch, daß er nicht Idiot geworden; er war ja ein Schüler R. Akiba's, der die Idioten mit einergewissen Eingenommenheit verachtete. Dieser Segensspruch wurde jedoch nicht acceptirt. Was die Stelle dieser von R. Meir herrührenden Benedictionen betrifft, so differirten die deutschen von den spanischen Sidurim, denn in diesen stehen sie zu Ende, in jenen zu Anfang der Benedictionen. In jenen fehlt auch der Segensspruch, „der du dem Müden Kraft verleihst", und bleibt es der Wahl des Betenden überlassen, ob er sagen will 2^8122 rjpn oder 2^2128 2222, obgleich beide talmudisch sind. Nach der Autopsie des Agur sollen sich dagegen in den italienischen und spanischen Sidurim andere, den Deutschen unbekannte Segenssprüche besuchen. Es waren dies freie Ergießungen des Herzensj die ausdrücklich gestattet sind. Maimuni vom Gebet 7 findet an der üblichen Einrichtung, alle diese Benedictionen in der Synagoge zu recitiren, doppelten Anstoß. Erstens meint er, sollten sie nicht cumulativ in der Synagoge, sondern zu Hause bei jedem entsprechenden Acte, und zweitens nur dann gesprochen werden, wenn der Act wirklich vollzogen wird. Diese Segenssprüche werden mit Jehi Nazon geschloffen. Das zweite Jehi Razon Pflegte R. Jehuda Hanasi nach jedem Gebet zu sagen; es wurde nach den achtzehn Morgenbenedictionen placirt, weil sie inam ein abgeschlossenes Gebet bilden, indem die Achtzehnzahl eine beliebte war. Das 2-2:2 8-2 228 82-->»2biL'i: soll zu einer Zeit der Verfolgung eingesührt worden -sein oder sich doch ans eine Zeit beziehen, in der man den Namen Gottes nicht öffentlich heiligen durfte; es findet sich im Tana debe Eliahu und steht