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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 407

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 407 (sequence 63)
Language
German
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Monats-Revue. 407 daß die Behandlung der erwähnten Frage ein cardinaler Gegenstand ist. Aus den Documenten der Geschichte der Universität, die Stiftungsurkunde inbegriffen, weist Herr Wolf nach, daß die wiener Universität eine Zeit lang vollständig Protestantisch war. Ferner das; sie von seiten österreichischer Monarchen nicht als eine Institution der katholischen Kirche, sondern als eine der Regierung betrachtet wurde. Ferner daß der kirchliche Charakter von dem jeweiligen Herrscher abhing, sodaß anfänglich der Papst sie nicht bestätigen wollte, zeitweilig eine theologische Facultät fehlte und ein Staatsbeamter als Intendant der Universität fungirte. Ferner daß in den Jahren 1564—1623 Doc- Loren, Dekane und Rectoren zum größten Theil Protestanten, im Jahre 1626 sogar achtundzwanzig akatholische Docenten waren, und daß Kaiser Joseph II. alles beseitigt hatte, was durch Eigenmächtigkeit seiner Vorgänger an einen Verband der Universität mit der Kirche erinnern könnte. Seit 1848 ist von seiten der Negierung der katholische Charakter der Universität gänzlich und gründlich abgewiesen, Protestanten und Juden sind factisch als Professoren an der wiener Universität 'angestellt. Neben den historischen Beweisen, daß die wiener Universität keine kirchliche Institution, sondern eine Staatsanstalt sei und daher weder Protestanten noch Juden im Interesse der Wissenschaft und des Unterrichts ausschließen darf, kommt noch der finanzielle Standpunkt. Die Universität wird nicht von Mitteln der katholischen Kirche, sondern von Landesmitteln, d. h. von Katholiken, Protestanten und Juden erhalten. Dieses beweist nun Herr Wolf aus verschiedenen erhaltenen Daten und zusammengestellten Regierungsentschließungen über das Vermögen der Universität und aufgefundenen Tabellen über das Vermögen und die Einnahmequellen), und des Verfassers Kenntniß von den archivalischen und andern Quellen machen diesen Theil der Beweisführung bis auf den gegenwärtigen Aufwand der wiener Hochschule zu dem gelungensten. Nach dieser Darlegung kommt Herr Wolf zur Darstellung der Thatsache der Anstellung oder Nichtanstellung der Akatholiken im Lause der Jahrhunderte durch die Willkür der Staatsgewalt, in welcher Beschreibung Ferdinand l., Max ll., Maria Theresia und Kaiser Joseph II. die epochemachenden Punkte sind, und daran wird das, was man über Juden, namentlich über jüdische Aerzte in Erfahrung gebracht hat, geknüpft. Indem wir die höchst belehrenden geschichtlichen Data, welche über die Juden in Bezug auf diellniversität beigebracht werden, hervorheben, kommen wir auf die neueste Zeit. Max Büdinger aus Kassel (geb. 1. April 1828), dessen treffliche historische Arbeiten in dem soeben erscheinenden Supplementband zu meiner „LiOliotkeoa'luclaiea" aufgezählt sind, konnte in Oesterreich keine Professur der Geschichte erhalten und mußte nach der Schweiz wandern. Albert Cohn in Paris lehrte von 1834 — 36 an der protestantisch-theologischen Facultät in Wien die hebräische Sprache und biblische Exegese, was er an der katholischen Facultät nicht thun durfte. Doch ist es seit 1848 insoweit besser geworden, daß man für Philologie und Medicin endlich die Zulassung der Juden zu den Lehrstühlen gestattet. In Beilage IX (S. 185 fg.) stellt Herr Wolf die jüdischen Professoren und Docenten zusammen, welche seit 1848 an der Universität thätig sind, und wir entnehmen daraus, daß gegenwärtig die wiener Hochschule in ihrer Toleranz weiter als ihre Schwestern in Deutschland ist, obgleich sie für Geschichte und Philosophie den Juden einen Lehrstuhl versagt. Als Professoren fungiren: 1) Dr. Jakob Goldenthal für die orientalischen Sprachen und Literaturen. Er liest über arabische, persische und türkische Sprache, wie auch über die semitischen Dialekte; 2) 15'. Hermann Feißl für venerische und syphilitische Erkrankungen. Als Docenten lehren: 1) Dr. H. Auspitz über Hautkrankheiten und Syphilis; 2) 15-. Moritz Benedict über Elektrotherapie; 3) Jos. Gruber über Ohrenkrankheiten; 4) 15 . L. Mauthner über Handhabung des Augenspiegels u. s. w.; 5> Dr. Isidor Neumann über Hautkrankheiten; 6) I4r. Adam Politzer über praktische Ohrenheilkunde; 7) 1>r. Moritz Rosenthal über Neuropathologie; 8) vr. Joh. Schnitzler, Redacteur der „Medicinischen Presse", Assistent an der wiener medicinifchen Schule, liest über Krankheiten der Athmungs- und Kreislaufsorgane; 9) Dr. B. Schulz über Elektrotherapie; 10) Dr. Sam. Stern über klinische Propädeutik; 11) Dr. Karl Stört über Krankheiten des Kehlkopfes; 12) 'Dr. Salomo Stricker über Entwickelungsgeschichte der Wirbelthiere; 13) Dr. Wilh. Winterwitz über Hydrotherapie. Außerdem ist noch Adolf Mussafra als Lehrer der romanischen Sprachen zu erwähnen; jedoch ist dieser, wie ich höre, getauft. Das ist die ungefähre Uebersicht dieser umfänglichen Gelegenheitsschrift unter dem Titel „Studien". Herr Wolf hat darin einen Reichthum von geschichtlichem Material zusammengehäuft, das auch außerhalb Oesterreichs ver- und anwendbar ist. Die Episoden über Censur, über eine jüdisch-theologische Facultät, über die jüdischen Fonds in Böhmen, Ungarn, Galizien u. s. w. verdienen besondere, in sich abgeschlossene Behandlungen, mn auf die maßgebenden Kreise zu wirken, da sie hier nur als Beiwerk und nebenher erscheinen. Ich komme nun zu einigen andern Gelegenheitsschriften, welche theils als Programme, als gelehrte Aufsätze den Jahresberichten beigegeben, theils als Widerlegungen gewisser Ausfälle auf Juden, Judenthum und jüdisches Schriftthum in die Öffentlichkeit getreten sind. Der als Schriftsteller und Professor am Eolle^io kablnnioo zu Pädua bekannteLelio dellaTorre schrieb bei Gelegenheit der Vermählung seiner Tochter die kleine Schrift: „Xuovi ntudii snlla Donna i8rac4itiea" (Padua 1864, 8.). Das Studium über die Stellung der jüdischen Frau ist noch

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