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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 406

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 406 (sequence 62)
Language
German
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406 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. konig Italiens erkannt und bewundert haben? Und man dachte an Manoello oder Immanuel in Rom. In Bezug auf die Danteseier erschien zunächst die Gelegenheitsschrift: „Toset und Eden, oder die Dwina Commedia des Immanuel den Salomo aus Rom. Aus dem Hebräischen übersetzt und zur sechshundertjährigen Jubelfeier Dante Alighieri's in Florenz herausgegeben von M. E. Stern" (Wien 1865, 8.). Diese Schrift gibt blos eine Übersetzung der Jmmanuel'schen Nachahmung, ohne ein getreues Bild von diesem Zeitgenossen Dante's, ohne eine Charakteristik seiner zahlreichen Dichtungen, von denen seine „Hölle und Paradies" nur der geringste Theil ist, und ohne überfeine Beziehung zu Dante und zu seinen Zeitgenossen Cino und Bosone etwas zu bieten. Aber ein treffendes und charakteristisches Bild lieferte mein Sohn in dieser Monatsschrift unter dem Titel: „Manoello. Eine Erinnerung zur 600jährigen Dante-Feier" (Heft 2 u. 3). Durch das Bekanntwerden der italienischen Sonette, welche Manoello mit Bosone gewechselt, sowie der Sonette zwischen Cino Sinibaldi aus Pistoja und Bosone de Raffaelli aus Gubbio in Bezug auf Manoello's Tod und Seligkeit, durch den persönlichen Verkehr mit dem größten Dantekenner, Karl Witte, um die Dunkelheit der 600 Jahre alten Sonette zu erschließen, durch die historisch-kritische Lebensskizze dieses Zeitgenossen und Freundes Dante's und durch die ästhetische Wanderung durch das große Lieder- und Makamenbuch Manoello's in geschmackvoller Wiedergabe der verschiedensten Dichtungen, konnte diese Abhandlung ein Bild der Dante'schenZeit geben, wie sie sich in dem jüdischen Freunde des Dichterkönigs abspiegelte. Wie man aus den Zeitungen vernommen, sollen von italienischen Juden und in italienischer Sprache Gelegenheitsschriften zur Danteseier erschienen sein. Aber diese Schriften sind nicht bis zu uns gekommen und scheinen sich überhaupt von dem literarischen Verkehr auszuschließen, svdaß wir den Grad ihres Werths gar nicht messen können. Ein anderes Jubiläum der jüngsten Tage, welches eine hierher gehörige Monographie bervorgerufen hat, ist „die fünfhundertjährige Jubelfeier der wiener Universität im Jahre 1865". Die Fragen über das Verhältnis; der Juden zur Universität seit dem Jahre 1365 bis auf die neueste Zeit, über den katholischen Charakter der Universität, über den niederösterreichischen Religions- und Studienfonds im Jahre 1865, über die Zulassung protestantischer und jüdischer Studirender zur Promotion, über die Errichtung eines jüdisch - theologischen Seminars im Anschluß an die philosophische Facultät,über die jüdischen Fonds in Böhmen, Mähren, Galizien und Ungarn, alle diese Fragen haben den erwähnten Historiographen der Juden Oesterreichs, den fleißigen G. Wolf, der selbst ein Zögling der wiener Universität ist, zur Behandlung dieser Themata angeregt. Als eine „Festschrift zur Jubelfeier" nämlich erschien: „Studien zur Jubelfeier der ustener Universität im Jahre 1865. Von G. Wolf. Mit Benutzung von Archivalien der k. k. Staats¬ und Finanzministerien, der königl. ungarischen Hofkanzlei und der k. k. niederösterreichischen Statthalterei, des wiener Magistrats, der königl. Archive zu Venedig und Mantua und des ehemaligen königl. Archivs in Mailand" (Wien 1865, 8.). Und diese „Studien" behandeln die oben erwähnten Themata. Zuerst wird die Frage ventilirt, ob 1365 wirklich das Gründungsjahr sei, und nicht vielmehr 1237 von Friedrich 11., wie Lazius, der Leibarzt Ferdinands I., behauptet. Herr Wolf behandelt nach Urkunden und geschichtlicher Kritik diese Frage, das Für und Wider in der läufigen Annahme prüfend, und kommt endlich zu den: Ergebnis;, daß die Anfänge der Universität schon 1237 waren und 1365 nur eine Entwickelungsepoche gebildet habe, wie solche 1384,1554 u. s. w. waren. Die andern von Herrn Wolf beantworteten Fragen waren: Welchen Einfluß übte die wiener Universität auf die Juden in Wien und dadurch mittelbar auf die Juden überhaupt? Ist die Stiftung der Universität ohne alle Spur an den Juden in Wien vorübergegangen? Nach vielfachen geschichtlichen Notizen über die Juden Wiens und Oesterreichs in den ersten Jahrhunderten der Universitütsgründung kommt Herr Wolf zu folgenden Ergebnissen: daß die Einführung der Promotionen zum Rabbineramt von Meir Ha-Levi in Wien um 1370 — 80 durch die Promotionen an der Universität veranlaßt wurde; daß der Name Universität auf jüdische Institutionen überging, wie es damals Judenbischöfe, Judenhochmeister gegeben; daß die Universität bei vielen Gelegenheiten, z. B. 1371, 1419, die Anwaltschaft für die Juden übernommen; daß, als 1421, aufgestachelt durch die theologische Facultät der wiener Universität, eine tolle und blutdürstige Wuthkrankheit über das Volk Oesterreichs kam, die Juden zu vernichten und dies auch grausamerweise ausgeführt wurde, die Steine der zerstörten wiener Synagoge zum Bau der Universität verwendet wurden; daß an der Universität die Juden während der fünf Jahrhunderte rite die Medicinische Studien absolviren durften; daß die Universität sehr oft ihre Kräfte aus jüdischen Kreisen rekrutirte, aber die Männer vorher sich taufen lassen mußten. Diese und ähnliche Bezüge fanden zwischen Universität und Juden statt. 'Neben der geschichtlichen Bezeugung derartiger Beziehungsmomente, neben der Vorführung der düstern und thierischen Scenen von Judenhetzen, Austreibungen und Verfolgungen in Oesterreich, durch den Aberglauben der Theologen und durch den verthierten und fanatischen Klerus veranlaßt, wurde Herr Wolf zur Behandlung der Frage veranlaßt: Ist die wiener Universität ausschließlich katholisch? Die Misklänge bei der Feier, die allgemein mit Ausfallen aufgenommene Rede des Rectors Hyrtl, der die Katholicität der Universität hervorkehrte, der Zwiespalt unter Docenten und Studenten in Bezug auf diese Feier, zeigen hinlänglich,

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