Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 404 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Jllustr. Monatsh. für die ges. und der Klerus noch um das Bekenntniß der Aspiranten gefragt wird. Von der Anstellung Munk's inr College de France an Renan's Stelle, von der Bedeutung dieser Berufung für Anerkennung der Wissenschaft ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis;, von den Verdiensten Munk's um die orientalische und jüdische Wissenschaft ganz abgesehen, wollen wir hier nur auf den Vortrag Munk's, der als Gelegenheitsschrift besonders erschienen ist, zurückkommen. Am 1. .Febr. dieses Jahres hielt der neuernannte Pros. Sal. Munk seine Eröffnungsrede im College de France. Dieser feierliche, in der Regel für die Wissenschaft einem Ministerp.rogramm zu vergleichende Vortrag ist als besondere Broschüre unter dem Titel: „0our8 de 1anZu68 üvdrs'iHue, et N88vriLciu6. I^eeon ä'ouverture xar 8. Nunk" (Paris, M. Levy ^rere8, 1865, 8.) erschienen. Das „Magazin für die Literatur des Auslandes" und dann auch diese „Monatshefte" brachten reichliche Auszüge daraus, sodaß die französische Originalschrift vollkommen als ersetzt betrachtet werden muß. Die Munk'sche Eröffnungsrede zerfällt, wenn man die bei solchen Gelegenheiten üblichen Phrasen und Redensarten abrechnet, in zwei Haupttheile, d. h. sie bespricht zwei Hauptgedanken. Zunächst behandelt sie das Charakteristikon der semitischen Sprachen, das unterscheidende Element von den iranischen, indischen und andern Sprachengruppen, und in dieser Beziehung müssen wir offen bekennen, daß Munk, wie sein Vorgänger Renan, noch einen veralteten, von der Sprachforschung in Deutschland längst überwundenen Standpunkt einnimmt. Die andere und wichtigste Partie der Rede behandelt das Charakteristiken: der Semiten, und hierin tritt Munk seinem Vorgänger entgegen, welcher vor Jahren in einer Schrift darzustellen gesucht, daß der Jnstinct des Monotheismus das Charakteristische der Semiten gewesen. Wirklich waren die Hebräer wie die übrigen Semiten ursprünglich Polytheisten, nicht einmal der vermeintliche Unterschied, daß der Polytheismus der Semiten ein sinnlicher, während der der Jndoeuropäer ein phantasiereicher, dichterischer war, hält Stich, da wir schon aus der phönizischen Mythologie und aus den hebräischen Eigennamen, den ältesten Resten der hebräischen Sprache, wissen, daß der Polytheismus ein kosmischer, mit dem Reiz der Phantasie geschmückter war. Aber wie sich dennoch bei den Hebräern der Monotheismus herausgebildet, das gehört in eine „Geschichte der Entwickelung der religiösen Ideen". Die meisten und theilweise die besten Ge- Legenheitsschriften sind die „Mannheimeriana", oder die bei Gelegenheit der Feier des siebzigsten Geburtstags von I. N. Mannheimer, Prediger in Wien, (17. Oct.) 1863 und die infolge seines Todes am 18. März 1865 erschienenen. Jsak Noa Mannheimer (geb. 17. Oct. 1793 zu Kopenhagen, gest. 18. März 1865i gehörte zu denjenigen Persönlichkeiten unter den Pre¬ Jnteressen des Judenthums. digern, welche ihren Ruhm und ihre Lebensaufgabe darin suchen, die jüdischen Zustände und Institutionen durch ihren Einfluß zu bessern und zu entwickeln, das Verhältniß der Religionsgemeinde zum Staat zu klären und zu läutern und ihre Persönlichkeit in diesem Streben und Wirken aufgehen zu lassen. In der Person des G. Wolf in Wien hat in der That diese einzig richtige Würdigung Mannheimers denjenigen entsprechenden Ausdruck gefunden, den ein begeisterter und fleißiger Jünger der Geschichte, ein unverdrossener Aufsucher der geschichtlichen Quellen für die Juden Deutschlands, Oesterreichs und namentlich der wiener Genossenschaft nothwendig geben muß. Zur Feier des siebzigsten Geburtstags Mannheimers schrieb Hr. Wolf: „Jsak Noa Mannheimer. Eine biographische Skizze. Mit Benutzung von Archivalien" (Wien, Knöpflmacher, 1863, 8.), und in dieser trefflichen Gelegenheitsschrift ist mit großem Takt auf die rein persönliche Huldigung, auf eine Panegyrik nur ein geringer Raum verwendet, während die durch Mannheimer beeinflußten Zustände, die Verhandlungen über den mittelalterlichen Judeneid und vielfache beigebrachte historische Materialien den größten Raum einnehmen. Das Persönliche und daher minder Werthvolle aus Wolfs Schrift wurde von Lelio della Torre im „Oorrwrs l8ra6litioo" (1. Dec. 1863) übersetzt und unter dem Titel: „I83.e1i Xou Nuiinlieinisi', kreckieators" (Triest 1863, 8.) besonders gedruckt. Das damals anonym erschienene: „Die Mannheimer- Feier in Wien, am 17. Oct. 1863" (Wien 1863,8.) ist der weitere Ausdruck über das Persönliche und Vergängliche. — Der Tod Mannheimers hat ebenfalls einige Gelegenheitsschriften hervorgerufen, welche hier verzeichnet werden mögen. Zunächst möge hier erwähnt sein: M. Friedmann, „Worte der Erinnerung an I. N. Mannheimer, gesprochen im Bet ha-Midrasch am 17. März" (Wien 1865, 8.), die eine einfache Zrauerhomilie ist. Durch Form und poetische Sprache ausgezeichnet sind jedoch die zwei Trauerhomilien von Ad. Jellinek, zunächst seine „Rede bei der Gedächtnißfeier für den verewigten Prediger Herrn Jsak Noa Mannheimer, am 26. März 1860" (Wien, 1865, 8.), und sodann: „Ich schlafe, aber mein Herz ist wach. Rede zur Erinnerung an I. N. Mannheimer" (Wien 1865, 8.). Beide Reden sind durch ihren Appell an das Gefühl der hörenden Gemeinde, durch die dichterische Malerei und durch die erschütternden und ergreifenden Bilder, durch die Innigkeit im schönsten Wohllaut ausgedrückt, so ausgezeichnet, daß ihnen eine Stätte in den Herzen der Gemeinde zu wünschen wäre. Leider prallt alles bei unfern nüchternen und Platten Börsenmännern ab. Eine andere, wenn auch stille Jubelfeier war „Das hundertjährige Jubiläum der israelitischen Cultusgemeinde in Wien im Jahre 1864" (Wien 1864, 8.), unter welchem Titel der schon genannte G. Wolf, mit Benutzung archivalischer