Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 403 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Monats-Revue. Naschitexts, dieselbe nach Vergleichung mit sämmtlichen Handschriften und nnt den verschiedenen gedruckten Ausgaben selbst unternehmen würde, wobei aber auch die Quellen, auf die sich dieser elastische Commentar beruft oder stillschweigend stützt, genau nachgewiesen werden müßten. " N. B. MüNtL-Kevm Erscheinungen auf dem (Gebiet des jüdischen Schriftthums. Gelegettheitsschristen. Wie am pflanzlichen und organischen Leben zuweilen parasitische und schmarotzende Bildungen sich anhängen, mehr oder weniger schädliche Auswüchse oder lleberwucherungen sich anheften, ebenso kommen manchmal im Leben des sich entwickelnden Schriftthums literarische Parasiten und Anheftungen vor, welche dem lebendigen Organismus wie Schmarotzerpflanzen sich anschmiegen und erst von dem Strom der geschichtlichen Entwickelung mit der Zeit Weggeschwemmt werden. Die Gelegenheilsschriften sind häufig die Parasiten der Literatur. Bald reißt die überschwengliche und unberechtigte Panegyrit zum ungemessenen Lobe einer unbedeutenden Persönlichkeit hin, und die Ueberhebung und Ueberschätzung hüllt sich wdann in das Gewand einer Jubiläumsfeier, bald wird eine allgemeine Zeitkrankheit, wozu die Jubiläen gehören,' zu flüchtigen, literarischen Anknüpfungen.benutzt, um durch Monographien das Judenthum in die kranke Atmosphäre hineinzugeleiten. Auf diese Ausgangspunkte hin lassen sich die meisten monographischen Gelegenheitsschriften zurückführen. Und wenn man auch zugeben kann, daß manche dieser Schriften einiges schätzbare Material für die Cultur- und Literaturgeschichte liefern, manche die Geschichte der Gemeinden und deren Institute bereichern, so läßt sich doch dieses von den für Personen bestimmten Jubiläumsschriften weniger sagen. Dazu kommt noch, daß nur wenige Verfasser derartiger-Monographien den geschichtlichen Sinn bewähren, bei zufälligen Tagesereignissen den geschichtlichen Kern hervorzukehren und den Zusammenhang mit der Vergangenheit zu finden. Das zeitgeschichtliche Moment bei.Gelegenheitsschriften, d. h. die einfache Würdigung einer Erscheinung, welche als Tagesbegebniß sickspäter auch in der jüdischen Geschichte widerspiegelt, kann hier die Ansicht über diese Schriftenklasse nicht ändern, da das vorzusührende Schriftthum nicht als einfache Beschreibung des Geschehenen, sondern als Weiterentwickelung einer Idee geschehen soll. Nach dieser vorausgeschickten Bemerkung komme ich zur Vorführung der bei Jubiläen oder bei andern Gelegenheiten erschienenen 403 Gelegenheitsschriften in den ersten sieben Monaten dieses Jahres <1865). Ich beginne mit: „Die Jubiläumsfeier des 1>r. Gid. Brecher in Proßnitz am 14. Jan. Mit einer biographischen Skizze des Jubilars von IW. Duschak" (Proßnitz, Jgn. Nottberger, 1865,8.), und daran schließt sich: „Anekdote, als Charakterbild aus dem Leben des I>r. G. Brecher" (Proßnitz, 1865,8.). Wie man die vierzigjährige ärztliche Wirksamkeit und den achtundsechzigsten Geburtstag ein Jubiläum nennen kann, das mag Herr Duschak verantworten; jedenfalls ist eine solche Feier weder in Bezug auf die Zeit noch auf die Person eine öffentliche und sollte nicht in einer Gelegenheitsschrift auftreten, es sei denn, daß sie als Manuseript gedruckt wird. Bei aller Achtung für die medicinische Wirksamkeit Brecher's und bei aller Anerkennung seiner schriftstellerischen Leistungen auf dem Gebiet des jüdischen Schriftthums, müßte es doch dem Gefeierten misfallen, wenn übereifrige Freunde das in den geschlossenen Kreis des Hauses Gehörende in die Oesfentlichkeir tragen. Noch mehr gilt dies von der „Anekdote" in Knittelreimen, die Herr Schwarz verösfentlicht hat. Unzweifelhaft berechtigter erscheint: „Salomon Munk, Professor am College de France. Vortrag im wiener Bet ha-Midrasch, gehalten von Ad.Jellinek" (Wien, 1865, 8.). Die Ernennung Munk's zum Professor an Stelle des abgesetztsn Ernest Nenan ist nicht eine persönliche, sondern eine allgemein-jüdische Angelegenheit. In der Anerkennung der Wissenschaft in den: Juden, in der Verwischung der Abneigung, welche noch immer an Hochschulen gegen die Anstellung jüdischer Professoren herrscht, ist Munk's Eintritt in das College ein günstiges Zeichen der Zeit. Die Verdienste Munk's für die Wissenschaft des Judenthums und der semitischen Literatur, seine Wirksamkeit in der Damaskusgeschichte, in der Anlegung von Schulen in Aegypten, im israelitischen Consistorium -zu Paris haben zwar in dem genannten Vortrag einen beredten Dolmetscher gefunden, aber diese Verdienste sind seit einem Menschenalter so hinlänglich bekannt, daß darin gewiß nicht der Zweck des Vortrags gefunden werden kann. Vielmehr ist es die Anstellung Munk's zu einer Zeit, in der die klerikale Partei, durch das dynastische Interesse Napoleon's veranlaßt, an Hochschulen wie in der Politik vorherrscht, in der eine so berühmte und weithin geachtete Persönlichkeit wie Nenan Wider- Gesetz und Necht vom Lehrstuhl entfernt wurde, und in der man, gegen die vor siebzig Jahren verkündete vollständige Gleichstellung, sogar viele Juden von den Lehrstühlen fern hält. Können wir uns aber auch über diesen allgemeinen Rückschritt in Frankreich nicht freuen, so wollen wir in der Anstellung eine mögliche Wendung begrüßen und uns einbilden, daß endlich die Zeit gekommen sei, in der nur die wissenschaftliche Befähigung, die Lehrleistung und schriftstellerische Thätigkeit den Maßstab zur Ernennung abgeben, aber weder die Kirche