Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 402 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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402 Jllustr. Monatsh. für die ges. den des Kindes-, Knaben- und Jünglingsalters entsprechende Hauptabschnitte eingetheilt, deren jeder mit der Charakteristik des betreffenden Alters eingeleitet wird, in gesonderten Kapiteln die körperliche Erziehung und zweckmäßige Entwickelung, Pflege und Ausbildung der verschiedenen Triebe, Gefühle und Geisteskräfte behandelt und mit einer großen Anzahl gutgewählter pädagogischer Aussprüche und der Angabe der einschlägigen Literatur schließt. Im Anhang endlich sind chronologische Tabellen zur Geschichte der Erziehung, Cultur und Literatur beigegeben. Die Bearbeitung verräth durchweg den praktischen Pädagogen, dessen Erziehungsprincipien auf psychologischer und anthropologischer Basis beruhen, und der, ohne aus Originalität Anspruch zu machen, die aus den vorzüglichsten pädagogischen Werken geschöpften Wahrheiten selbständig und aus interessante Weise darzustellen versteht. Indem das ganze Buch von einem echt religiösen Geiste durchweht ist und außerdem im zweiten Abschnitt die Methodik des Religionsunterrichts und des hebräischen Unterrichts enthält, ist es vollkommen geeignet, jüdischen Lehramtscandidaten einen liefern Einblick in das Wesen der Erziehung zu gewähren, sie für ihren Beruf zu begeistern und zu weitern eingehenden Studien anzuregen. Aber auch gebildete jüdische Aeltern werden in dem vorliegenden, in populärer Sprache abgesaßten Werkchen nützliche und angenehme Anregung finden und bedeutenden Gewinn für die zweckmäßige Erziehung ihrer Kinder aus demselben schöpfen. In anderer Beziehung interessant für den Lehrer ist das einen Bogen starke Schriftchen: Das Lehrer-A-b-c, von A. Treu (Brilon, M. Friedländer, 1860). Wenn wir auch, wie dies bei gekünstelten Versformen meist der Fall, mitunter bedeutenden Härten begegnen, so enthalten doch die einzelnen Buchstaben dieses Alphabets durchweg treffende Wahrheiten und Lebensregeln für den jüdischen Lehrer. Folgende Beispiele mögen den Inhalt genauer charakterisiren: Des Geheimen Hüll' entweihet' selten frech des Nohen Hand. Ist auch deine Lage drückend, birg sie vor der Außenwelt, Jugendlich und jugendsrisch! Bei Kindern bleibe stets ein Kind; Immer lustig und elastisch, wie der Kinder beste sind. In der Lehre wie im Leben, halt am grünen, jungen Reis, 'Nimmer gib dem Mechanismus, der Verknöcherung dich preis. Jeder neueren Erscheinung, die da gilt dem Unterricht, Lchaue prüfend, sie zu grüßen stets bereit, ins Angesicht. Juble doch nicht allzu früh ob jeder Neuerung Gestalt, Manches Alte ist vortrefflich, manches Neue ohn' Gebalt. Neue vollständige Lejefibel für Schulen (Brilon, M. Friedländer, 1865). In demselben Verlag ist eine hebräische und jüdisch-deutsche Lesefibel unter dem Titel: Interessen des Judenthums. „--Li- -s-n" erschienen, für deren praktische Brauchbarkeit der Umstand spricht, daß sie wenige Jahre seit ihrem ersten Erscheinen die fünfte Auflage erlebt. Die Anordnung ist in der That eine sehr zweckentsprechende, doch sollte bei dem Druck einer Lesefibel der Deutlichkeit mehr Rechnung getragen werden und nicht, wie es sich da häufig wiederholt, manche Buchstabenformen nur halb ausgeprägt sein. Ferner sollte die Jnconsequenz in der Schreibweise vermieden werden, die bald x bald und bald wieder 7—zeigt. Auch grammatische Unrichtigkeiten, wie sich eine solche Seite 14, Zeile 6 findet, müssen in einem Lehrbuch unangenehm auffallen. Die Bezeichnung der Umlaute in dem jüdisch-deutschen Theil ist eine ungewohnte, aber richtige und methodische und daher der Nachahmung würdig. —r. Vermischtes. -"r.-- Ein Bruchstück aus dem Bibelcommentar des Rabbi Salomo ben Isaak, genannt Raschi, über Daniel 9, 12 — 19, 20 — 25; 12, 8 —13, und Esra, 1, 1, aufgefunden in der königl. Bibliothek zu Königsberg in Preußen, als ein Weihgeschenk zum siebzigsten Geburtstag des Herrn 1)r. Leopold Zunz in Berlin, mit zwei photographischen Tafeln herausgegeben und erläutert von Or. St. Jolowicz in Königsberg (1864). Das kleine.Schriftchen, in dem uns der Naschitext zu den auf dem Titelblatt und in der Einleitung bezeichnten Schriftstellen nach den: Buxtors'schen Abdruck in seiner rabbinischen Bibel nebst den Varianten der in der königsberger Bibliothek aufgefundenen Handschrift mit kritischen Bemerkungen geboten wird, ist wol an und für sich unbedeutend; es rechtfertigt aber sein Erscheinen durch die Absicht des Verfassers, es als Weihgeschenk in dem Ehrentempel aufzustellen, den die dankbare Mitwelt Zunz, dem Vater der jüdischen Literaturgeschichte, dem genialen Alterthumsforscher, zu feinem siebzigsten Geburtstag errichtet hat. In der Einleitung, die eine sorgfältige Beschreibung des Manuseripts und eine Zusammenstellung der in demselben befindlichen Varianten zum mafforetischen Bibeltext enthält, sagt der Verfasser, daß, wenn seine „geringwiegende Arbeit" Männer von Fach zu einer kritischen Ausgabe des Raschitexts an-- regen sollte, er darin die höchste Freude finden werde, und somit dürften wir den Inhalt des Schriftchens gewissermaßen als Probe und Muster eines solchen ansehen, in welchem Charakter wir sie in der That nur empfehlen können, da die Varianten sorgfältig angegeben und, wo es angeht, an sie Vermuthungen augeknüpft und aus ihnen historische und exegetische Consequenzen gezogen werden. Es wäre wünschenswerth, wenn der Verfasser, bei seiner aus der kleinen Probe ersichtlichen Fähigkeit zu einer kritischen Edition des